WIESBADEN/KASSEL (dpa-AFX) - Die Grünen-Opposition im hessischen Landtag fordert eine unabhängige wirtschaftliche Überprüfung des dauerhaft defizitären Flughafens Kassel-Calden. Die Landesregierung rechne sich den Flughafen schön, sagte der Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. Die Verluste für den Steuerzahler durch den Regionalflughafen im nordhessischen Calden (Landkreis Kassel) seien deutlich höher als bislang kommuniziert, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Katy Walther.
"Der ausgewiesene Jahresfehlbetrag des Flughafens, der durch Steuergelder gedeckt werden muss, liegt bei circa fünf Millionen Euro pro Jahr", erläuterte Walther. Hinzu kämen Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro für Feuerwehr, Flug- und Luftsicherheitsleistungen. "Und zur Wahrheit gehören auch die jährlichen Abschreibungen in Höhe von zwölf Millionen Euro" sowie nicht abschätzbare Investitionen in die Erneuerung der Infrastruktur. Zu diesem Ergebnis sei ein eigens von der Partei in Auftrag gegebenes Gutachten der TU Chemnitz gekommen.
Grüne fordern "ehrliche Aufstellung" zur Wirtschaftlichkeit
Eine andere Rechnung hatte eine vom Flughafen selbst in Auftrag gegebenen Studie des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs (ZFL) aus dem vergangenen Jahr aufgemacht. Deren Bilanz: Der Kassel Airport hat mehr Steuereinnahmen gebracht, als er Verlust gemacht hat und spielt eine zentrale Rolle als Wirtschafts- und Standortfaktor für die Region Nordhessen.
Die Grünen forderten eine unabhängige Bewertung des Kassel Airport, um "eine ehrliche Aufstellung" über dessen Wirtschaftlichkeit zu erhalten, erklärte Walther. "Der Erfolg des örtlichen Gewerbeparks ist nicht davon abhängig, ob am Flughafen ungenutzte Infrastruktur für Großraumflugzeuge vorgehalten wird." Flughafen und Gewerbegebiet müssten deshalb organisatorisch entflochten werden, damit auf den Erfolg des Gewerbegebietes aufgebaut werden könne.
Flughafen soll "ohne Denkverbote" auf den Prüfstand
"Ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb des Flughafens durch private Betreiber ist auf jeden Fall auch zu prüfen", betonte Walther. Sei dies nur über eine Rückstufung auf einen Verkehrslandeplatz zu erreichen, dürfe diese Maßnahme durch die Landesregierung nicht weiter aus ideologischen Gründen abgelehnt werden.
Der Flughafen müsse ohne Denkverbote auf den Prüfstand, so Walther. Sollte sich der Standort nach eingehender Prüfung als unwirtschaftlich herausstellen, müsse auch die Schließung und Umnutzung des Flughafens eine Option bleiben. Dass auf diesem Weg eingesparte Geld müsse zu 100 Prozent der nordhessischen Wirtschaft zugutekommen.
Die hessischen Grünen standen dem Kassel Airport von Beginn an kritisch gegenüber. Als Koalitionspartner der von der CDU angeführte Landesregierung mussten sie ihn aber jahrelang mitverantworten.
Land sieht volkswirtschaftlichen Gewinn für die Region
Der Kassel Airport macht seit seiner Eröffnung 2013 jährlich Millionenverluste. Im Jahr 2024 betrug das Defizit des Regionalflughafens knapp fünf Millionen Euro. Für 2025 sieht der Wirtschaftsplan ebenfalls einen Fehlbetrag von rund fünf Millionen Euro vor. Nach Angaben der Grünen hoben im vergangenen Jahr lediglich 25.000 Passagiere in Ferien- oder Linienfliegern in Calden ab, im Dezember 2025 kein einziger. Ursprünglich waren Passagierzahlen von 500.000 bis 600.000 bis zum Jahr 2020 prognostiziert worden.
Größter Anteilseigner des Flughafens ist das Land mit 68 Prozent. Weitere Gesellschafter sind die Stadt und der Kreis Kassel mit je 14,5 Prozent. Die Gemeinde Calden hält 3 Prozent./nis/DP/men
