DJ MARKT-AUSBLICK/Geopolitik gibt für den DAX die Richtung vor
Von Thomas Rossmann
DOW JONES--Die kommenden zehn Tage dürften wichtig für die Aktienmärkte werden. Innerhalb dieser Frist will US-Präsident Donald Trump entscheiden, ob er den Befehl für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran gibt. Damit rücken andere Themen für die Börsianer klar in den Hintergrund, denn eine Eskalation des Konflikts hätte sehr weitreichende Auswirkungen - nicht nur auf den Ölpreis. Dieser notiert aktuell bereits auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten. Auch die "sicheren Häfen" Dollar und Gold ziehen an. Derweil haben die USA in der Region die schlagkräftigste Truppe seit der Invasion des Irak 2003 zusammengezogen. Mit dem Aufmarsch erhöht US-Präsident Trump den Druck auf den Iran weiter.
Es könnte aber auch viel schneller gehen. Denn der US-Präsident erwägt offenbar einen anfänglich begrenzten Militärschlag gegen den Iran, um das Land zur Erfüllung seiner Forderungen nach einem Atomabkommen zu zwingen. Der Eröffnungsangriff, der im Falle einer Genehmigung innerhalb von Tagen erfolgen könnte, würde auf einige wenige Militär- oder Regierungseinrichtungen abzielen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Wie aber die Reaktion des Iran auf solch einen Angriff ausfallen würde, bleibt unklar. Die Auswirkungen dabei könnten aber massiv sein. Denn auch Russland hat ein Eingreifen angedroht, falls es zu einer Eskalation kommen sollte. "Da eine Einigung immer schwieriger zu erreichen scheint, bedeutet dies auch, dass es schwieriger wird, einen Weg zur Deeskalation zu finden, vor allem nach dem US-Militäraufbau, den man in der Region sieht", so die Analysten der ING. "Und wenn eine Deeskalation nicht möglich ist, wird die Schlüsselfrage sein, welche Art von Maßnahmen die USA ergreifen und wie der Iran darauf reagiert."
Analysten erwarten, dass der Iran als Reaktion die weltweit verkehrsreichste Ölroute, die Seestraße von Hormus, schließen könnte, was die globale Energieversorgung einschränken und auch die Lieferketten beeinträchtigen dürfte.
Die Angst vor einer Eskalation des USA-Iran-Konfliktes habe die Volatilität aber bereits anziehen lassen, so Kapitalmarktanalyst Christian Henke von IG Market. Der Volatilitäts-Index VIX liege weiterhin oberhalb der Marke von 20, welche eine zunehmende Verunsicherung signalisiere. Gefährlich wäre jedoch erst ein Sprung über das Level von 25. In diesem Fall würde an den Märkten Angst herrschen und Anleger könnten sich erst einmal von ihren Dividendenpapieren verabschieden und in defensive Vermögenswerte flüchten.
Etwas in den Hintergrund treten könnte in der kommenden Woche die Berichtssaison, auch wenn diese noch einmal Fahrt aufnimmt. Auf deutscher Seite legen unter anderem Fresenius, Eon, Allianz, Deutsche Telekom, Munich Re und BASF ihre Geschäftszahlen vor. Dazu kommen die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 von Bayer. Ob diese allerdings in Anbetracht der Entwicklungen rund um Glyphosat einen Impuls setzen werden, bleibt abzuwarten.
Charttechnisch bleibe der Bereich um 25.099 Punkte der zentrale kurzfristige Widerstand für den DAX, so Martin Utschneider von Robomarkets. Erst ein dynamischer Ausbruch darüber setzte neues Aufwärtsmomentum frei. Solange der Index jedoch unterhalb von 25.099 Punkten notiere, überwiege markttechnisch das Risiko einer Fortsetzung der Konsolidierung oder eines erneuten Tests der Unterstützung bei 24.704 Punkten.
Ein Anstieg des DAX wird derzeit von den geopolitischen Risiken verhindert. Sollte es tatsächlich zu einer Eskalation kommen, dann dürfte der deutsche Leitindex - zumindest kurzfristig - unter Druck geraten. Sollte es allerdings doch noch eine Lösung am Verhandlungstisch geben, dann dürfte es zu einer Erleichterungsrally kommen.
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