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Supreme Court gegen Zölle, Trump per Dekret wieder voran: Die Handelspolitik sendet Gegensignale. Das erhöht den Druck auf Unternehmen, Lieferketten und Margen, was die Märkte in Atem hält.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die vergangene Handelswoche hat einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich sich die Märkte diesseits und jenseits des Atlantiks derzeit entwickeln. Während die Wall Street weiter mit den Spätfolgen der KI-Neubewertung, einer schwächeren Wachstumsdynamik und der unsicheren Zinsperspektive ringt, präsentierten sich Europas Börsen erneut robust und konnten teils weitere Rekorde markieren.

Quelle: Onvista.de
Auffällig bleibt dabei: In den USA treten die großen Indizes seit Wochen eher auf der Stelle, während sich die Performance-Unterschiede zwischen einzelnen Sektoren deutlich vergrößern.
Marktgeschehen: Wachstumssorgen schlagen Inflationssorgen!
Im Fokus standen in der vergangenen Woche vor allem zwei zentrale US-Datenpunkte: Wachstum und Inflation. Das BIP-Wachstum im vierten Quartal fiel mit +1,4% (auf Jahressicht) nur halb so hoch aus wie erwartet. Der 43-tägige Shutdown im Herbst hat damit klar Spuren in der wirtschaftlichen Aktivität hinterlassen. Auch der Konsum verlor an Dynamik: In den letzten drei Monaten 2025 stiegen die Verbraucherausgaben nur noch um 2,4%, nach 3,5% im Vorquartal.
Gleichzeitig fiel die Inflationsseite unangenehm aus: Die "PCE'-Inflation lag im Dezember mit +3,0% über den Erwartungen und markierte damit das höchste Tempo seit Februar 2025. Der Renditerückgang bei US-Staatsanleihen spricht eine klare Sprache: Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe fiel zeitweise unter 4,0% und markierte damit ein neues Jahrestief.
Die entscheidende Frage bleibt damit: Kommt die Fed nun schneller ins Spiel? Ganz so einfach ist es nicht. Das Protokoll der Januar-Sitzung deutet darauf hin, dass eine Mehrheit der Notenbanker zunächst am Status quo festhalten möchte. Der Markt schwankt daher zwischen Hoffnungen auf Zinssenkungen und der Sorge, dass die Inflation noch zu hartnäckig bleibt.
Handelspolitik: Maximale Unsicherheit durch widersprüchliche Signale!
Zusätzliche Nervosität brachte die US-Handelspolitik. Der US Supreme Court hat zentrale Zollmaßnahmen von Donald Trump für unzulässig erklärt, ein Schritt, der von vielen Marktteilnehmern seit Wochen erwartet worden war. Das Thema ist damit aber keineswegs vom Tisch, denn das Weiße Haus dürfte auf andere juristische Instrumente zurückgreifen, um Zölle erneut durchzusetzen.
Die politische Großwetterlage bleibt damit widersprüchlich, und genau das sorgt für Nervosität an den Märkten. Während Donald Trump per Dekret einen neuen pauschalen Zehn-Prozent-Zoll angekündigt hat, kippte der US Supreme Court nahezu zeitgleich zentrale Zollmaßnahmen. Zwei gegensätzliche Signale innerhalb kürzester Zeit, größer könnte die Unsicherheit kaum sein. Für Anleger bedeutet das: Die Handelspolitik bleibt ein Spielball politischer Machtfragen. Unternehmen, Lieferketten und Margenerwartungen stehen damit weiterhin unter Vorbehalt. Planungssicherheit sieht anders aus.
Hinzu kommt ein geopolitischer Risikofaktor: Die Spannungen zwischen den USA und Iran nehmen zu. Das verschärft die Unsicherheit zusätzlich und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass geopolitische Schlagzeilen kurzfristig wieder stärker auf die Märkte durchschlagen.
Rohstoffe: Wolfram geht steil, Gold stark und Kupfer seitwärts!
An den Rohstoffmärkten zeigte sich in dieser Woche ein gemischtes Bild. Gold hält sich weiter über der psychologisch wichtigen Marke von 5.000 USD je Unze. Das Edelmetall profitiert unverändert von geopolitischen Risiken, der Unsicherheit rund um die US-Handelspolitik und seiner Rolle als sicherer Hafen. Die Iran-Thematik sowie Zweifel an der Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen in den USA stützen die Nachfrage zusätzlich.

Quelle: MinerDeck auf X
Kupfer tendiert seitwärts. Belastend wirkten vor allem ein stärkerer US-Dollar, steigende Lagerbestände und die reduzierte Marktaktivität infolge der Feiertagsschließungen in China zum Mondneujahr. Die kurzfristige Nachfrageperspektive bleibt damit verhaltener, auch wenn das strukturelle Langfristbild für Industriemetalle weiterhin intakt ist.
Ausblick: Weniger Makro, dafür Nvidia und Politikrisiken!
Mit dem Auslaufen der Berichtssaison wird der Nachrichtenfluss aus den Unternehmen insgesamt etwas dünner, allerdings mit einem sehr großen Ausrufezeichen: Nvidia dürfte mit seinen Zahlen am Mittwoch erneut zum Taktgeber für den Technologiesektor werden. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion über Bewertungen und die tatsächliche Monetarisierungdes KI-Booms könnten die Reaktionen kräftig ausfallen.
Makroseitig wird es bis Monatsende eher ruhiger. Genau deshalb rückt die Politik noch stärker in den Vordergrund. Die Rückkehr der Zollthematik auf die Agenda, die juristische Auseinandersetzung in den USA und die geopolitische Zuspitzung mit Blick auf Iran dürften die Volatilität hoch halten, selbst in einer Woche mit vergleichsweise überschaubarem Konjunkturkalender.
Unterm Strich bleibt das Bild klar: Europa zeigt derzeit relative Stärke, während die USA zwischen Wachstumsdelle, Zinsfrage, KI-Neubewertung und politischer Unsicherheit festhängen. Für Anleger heißt das vor allem: flexibel bleiben, Risiken sauber managen, und politische Schlagzeilen nicht unterschätzen. Unterschätzen sollte man auch die Rohstoffe nicht, wie Sie in unserem folgenden Wochenrückblick nachlesen können.
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Viele Grüße und ein glückliches Händchen beim Handeln,
Ihr
Jörg Schulte
Quellen: Marketscreener.com, onvista.de, Reuters.de, eigener Research, Bildquellen: tradingeconomics.com, onvista.de, MinerDeck, Intro Bild: stock.adobe.com,
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