Emittent / Herausgeber: Union Investment
/ Schlagwort(e): Fonds/Marktbericht
Fünf Leitfragen für das Investieren in einer geopolitischen Umbruchphase Frankfurt am Main, 24. Februar 2026 - Die geopolitische Großwetterlage hat sich dauerhaft verändert. Wir leben in einer Phase von Disruption und Neuordnung, gepaart mit erhöhter Unsicherheit. Die Kapitalmärkte reflektieren das, und Investoren sollten bei ihrer Geldanlage die nötige Umsicht walten lassen. Dr. Frank Engels, der im Vorstand von Union Investment das Portfoliomanagement verantwortet, beantwortet fünf Fragen, die Anleger sich 2026 stellen sollten. Lange Schatten oder kurze Beine - ist Geopolitik für Europas Börsen überhaupt relevant? Spätestens seit dem Amtsantritt von Donald Trump im Weißen Haus ist klar: Das geopolitische Umfeld hat sich unumkehrbar gewandelt. Der Bruch der Weltordnung, den Kanadas Premierminister Mark Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos korrekt skizziert hat, umfasst nicht nur das politische Miteinander, sondern betrifft auch die Kapitalmärkte - und kaum einen Währungsraum so stark wie Europa. Der alte Kontinent ist viel stärker als in der Vergangenheit auf sich selbst gestellt. In Teilen mäßig vorbereitet, muss er die neue, unfreiwillig erlangte Autonomie jetzt mit Inhalten füllen. Das europäische Modell fußte auf einer von der geopolitischen Realität mittlerweile überholten regelbasierten Ordnung, im Idealfall bestehend aus chinesischen Absatzmärkten, seltenen Erden aus China, russischer Energie und US-Sicherheitsgarantien. Diese Welt gibt es nicht mehr. Der unausweichlich gewordene Anpassungsprozess wird 2026 und mutmaßlich auch die folgenden Jahre anlagestrategisch Chancen und Risiken mit sich bringen. Die Ungewissheit ist hoch, was das Denken in Szenarien und die Frage "Was passiert, wenn …" unabdingbar macht. Denn die vielfältigen geopolitischen Glutnester können im Extremfall große Feuer entfachen und über verschiedene Transmissionswege die Portfolios der Anleger in Mitleidenschaft ziehen. Sind Anlagen in US-Wertpapiere für europäische Anleger noch sinnvoll? Lange war Internationalisierung für europäische Investoren eine erfolgversprechende Anlagestrategie, mit den USA als bevorzugtem Zielmarkt. Diese Zeiten sind vorbei, Diversifikation aus dem Dollarraum heraus lautet nun die Devise. Ein endgültiger Abschied ausländischer Investoren von der Wall Street steht aufgrund der Einzigartigkeit der US-Märkte zwar sicher nicht an. US-amerikanische Investments bleiben ein fester Bestandteil in jedem gut ausbalancierten Depot. Aber ihre Bedeutung geht zurück. Der Vertrauensverlust in US-Assets war bereits 2025 spürbar, erstmals seit geraumer Zeit hatten europäische Aktienmärkte auf vergleichbarer Basis eine bessere Wertentwicklung. Und bei Staatsanleihen verringern insbesondere staatliche Investoren ihre Allokation in US-Treasuries. Eine stärkere Streuung von Investments über Regionen und Anlageklassen hinweg wird folglich wichtiger. Das ist alles andere als ein Selbstläufer, denn auch andernorts nehmen die Herausforderungen zu: China leidet unter einer schweren Wachstumsschwäche, Japan fährt einen dauerhaft kaum nachhaltigen Kurs in der Geld- und Fiskalpolitik. Und dann sind da natürlich noch die möglichen Folgen der US-Politik für Bereiche wie zum Beispiel Hartwährungsanleihen (zumeist in Dollar notiert) aus den Schwellenländern. Dennoch: Anleger sollten sich nach Alternativen zu US-Anlagen umschauen, ohne sie komplett aus ihren Portfolios zu verbannen. Hierbei wird es angesichts der resultierenden Schwäche des US-Dollar wichtig, Währungsrisiken aktiv zu managen. Wo finden europäische Anleger Alternativen? Nach Jahren der US-Dominanz gibt es wieder verstärkt Chancen in Europa. Getrieben werden die Kurse vor allem vom zwingend notwendigen und erst noch bevorstehenden Umbau der Wirtschaft. Mittlerweile kommen die Fiskalprogramme in der Realwirtschaft an. Der steile Anstieg bei den Auftragseingängen in der deutschen Industrie belegt das. Deutschland kann durch die staatlichen Impulse wieder zum konjunkturellen Taktgeber der Eurozone werden. Die Gewinnsituation der hiesigen Unternehmen sollte das widerspiegeln, der Bewertungsabschlag im Vergleich zu den USA ist in diesem Ausmaß nicht mehr gerechtfertigt. Interessant sind mit Blick auf die Branchen unter anderem das Baugewerbe und Infrastrukturaktien, die Industrie, aber auch die Verteidigung. Die Kursbewegungen an den Aktienmärkten haben das zuletzt schon reflektiert, der Trend sollte aber weiter tragen. Doch dafür ist es unerlässlich, dass der Umbau nicht stecken bleibt und das Reformtempo hoch gehalten wird. Kann Europa den Umbau finanzieren, und was heißt das für die Rentenmärkte? Klar ist angesichts der Herausforderungen für Europa auch: Die Grenze der fiskalischen Möglichkeiten rückt unaufhaltsam näher. Der dringend notwendige Umbau ist zwar grundsätzlich bezahlbar, aber auf Dauer wird es nicht reichen, das Wachstum durch neue Schulden zu finanzieren. Daher sind fundamentale Weichenstellungen in der Strukturpolitik bitter nötig, um in einer alternden Gesellschaft wieder mehr Wachstumspotenzial freizusetzen. Das gilt mit Blick auf die Einzelstaaten ebenso wie auf die Europäische Union in Gänze. Am Rentenmarkt sind daher mehr Vorsicht und ein schärferer Blick angebracht. Die Transmission einer Krise funktioniert stärker über die Anleihe- als über die Aktienseite und hier besonders über die als sichere Häfen wahrgenommenen Staatsanleihen, vor allem US-Treasuries - denn hier besteht angesichts einer hohen Verschuldung und einer erratischen Finanzpolitik die Gefahr steigender Renditen, vor allem bei langen Laufzeiten. Wenn es in den USA rumpelt, merken das auch Investoren in deutschen Bundespapieren. Das bedeutet für europäische Anleger: Auch wenn die Richtung stimmt, kann es mal holpriger werden. Selektion auf der Staatsanleiheseite nimmt an Relevanz zu, auch innerhalb der Eurozone. Die Staaten werden mehr Anleihen ausgeben müssen, um die Investitionen zu finanzieren. Dadurch dürften die langfristigen Renditen weiter ansteigen. Exemplarisch hierfür war die Versteilerung der Zinsstrukturkurven bei Bundesanleihen im Zuge der Aufweichung der Schuldenbremse und angesichts neuer Sondervermögen. Die Zinsstrukturkurven bleiben also steil oder werden noch steiler. Anleger sollten folglich keine zu lange Duration wählen. Hinzu kommen länderspezifische Risiken: In Frankreich und in Italien stehen 2027 wichtige Wahlen an, die in das laufende Jahr hineinwirken. Deutschland bleibt hingegen trotz aller Unsicherheit ein vergleichsweise sicherer Hafen für Investoren in Europa. Die Bundesanleihen bieten allerdings auch geringere Renditen im Vergleich zu den anderen europäischen Staatstiteln. Daher gilt es für Anleiheinvestoren zu diversifizieren. Oft sind Unternehmensanleihen von Emittenten guter Bonität die bessere Wahl, weil sie ein vergleichbares Risiko wie Staatsanleihen haben, dafür aber einen Renditevorteil bieten. Gerade Investoren aus Europa sollten sich dabei an Papieren in Euro orientieren oder Währungsrisiken absichern: Die anhaltende Dollarschwäche droht andernfalls, die Erträge zunichtezumachen. Kann Europa beim Thema KI souverän werden? Kurz- und mittelfristig haben die USA bei diesem Thema die Nase vorn. Das liegt außer an der etablierten und stark ausdifferenzierten IT-Branche in den Vereinigten Staaten auch daran, dass das Silicon Valley nach wie vor die besten Köpfe der Szene anzieht. Doch auch hier herrschen mittlerweile veränderte Bedingungen. Die Zeit, in der ein Geschäftsmodell mit Bezug zur künstlichen Intelligenz (KI) ausgereicht hat, um Investorenaugen leuchten zu lassen, liegt definitiv hinter uns. Angesichts der hohen Bewertungen vieler Aktien mit KI-Bezug, vor allem aber wegen der Frage, ob sich die gigantischen Investitionen der Konzerne in KI-Rechenkapazitäten überhaupt lohnen werden, sind die Anleger skeptischer geworden. Der Markt unterscheidet deutlicher als zuvor: Zuletzt kamen vor allem Softwareaktien unter Druck, während sich beispielsweise Halbleitertitel sehr gut halten konnten. Das liegt daran, dass das Disruptionspotenzial von KI-Anwendungen zugenommen hat. Und auch wenn es in Europa fast keine echten IT-Titel gibt, so können Anleger über Surrogate, etwa bei eher konventionellen Chipherstellern, spezialisierten Industriewerten und Maschinenbauern oder Energietiteln am Boom teilhaben. Und spätestens, wenn die Trendthemen KI und Automatisierung ineinandergreifen, wird der Bedarf an Sensoren und die Nachfrage nach Steuerungssystemen für die Stromzufuhr enorm. Das sollte auch in der europäischen Tech-Branche für eine rege Nachfrage sorgen. Veröffentlichung einer Mitteilung, übermittelt durch EQS Group. |
