LONDON (dpa-AFX) - Der britische Schnaps- und Guinness-Hersteller Diageo leidet noch stärker unter einer schwachen Nachfrage in China und den USA. Unter seinem neuen Chef Dave Lewis strich das Management die Erwartungen an das neue Geschäftsjahr bis Ende Juni ein weiteres Mal zusammen. Der Umsatz dürfte auf vergleichbarer Basis um zwei bis drei Prozent sinken, teilte der Spirituosenkonzern mit Marken wie Johnnie Walker am Mittwoch in London mit. Für die Diageo-Aktie ging es daraufhin steil abwärts.
Am Nachmittag lag das Papier an der Londoner Börse mit rund zehn Prozent im Minus bei 1.688 britischen Pence und war größter Verlierer im britischen Leitindex FTSE 100 . Damit wurde es zwar noch rund fünf Prozent höher gehandelt als zum Jahreswechsel, ist aber nicht einmal mehr halb so viel wert wie vor drei Jahren.
Seit Januar führt der frühere Chef der Supermarktkette Tesco die Geschicke von Diageo. Der Konzern leidet auf mehrere Arten noch immer unter den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Damals waren die Menschen wegen der Ansteckungsgefahr und geschlossener Restaurants und Bars in Massen zu Hause geblieben und hatten Geld für teure Alkoholika ausgegeben. Nach der Krise stiegen jedoch die Lebenshaltungskosten deutlich, sodass viele Verbraucher stark aufs Geld schauen und bei solchen Ausgaben sparen.
Die bisherige Diageo-Spitze hatte für das laufende Geschäftsjahr zuletzt noch einen stagnierenden Umsatz für möglich gehalten. Lewis glaubt nicht, dass das klappt und geht nun von einem klaren Rückgang aus.
Um die Bilanz des Konzerns in dieser Situation zu stärken, streicht der Verwaltungsrat die Ausschüttungen an die Aktionäre zusammen. Die Dividende solle auf ein angemesseneres Niveau sinken, hieß es zur Begründung. Künftig sollen 30 bis 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden. Zudem soll es pro Jahr mindestens 50 Cent je Aktie als Dividende geben. Für das abgelaufene erste Geschäftshalbjahr bis Ende Dezember gibt es 20 Cent nach 40,5 Cent für die erste Hälfte des vorangegangenen Geschäftsjahrs.
In den Monaten Juli bis Dezember 2025 ging Diageos Umsatz auf vergleichbarer Basis um fast drei Prozent auf knapp 10,5 Milliarden US-Dollar (8,9 Mrd Euro) zurück. Eine starke Entwicklung in Europa, Lateinamerika mit der Karibik und in Afrika sei von einer schwächeren Entwicklung in Nordamerika und einer anhaltenden Schwäche in China aufgezehrt worden, sagte Konzernchef Lewis.
Der operative Gewinn sank vor Sondereffekten ebenfalls um fast drei Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Dollar. Negativ wirkten sich auch Zölle aus. Der Überschuss legte hingegen um knapp zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar zu. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Management vor Sondereffekten mindestens einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau./stw/nas/he




