
© Foto: Agê Barros auf Unsplash
Die Deutsche Bank steht zur Zeit charttechnisch mit dem Rücken zur Wand. Der Kurs hängt gefährlich nah am 200er SMA und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Fällt diese Marke, droht ein Rutsch, der so manchen Anleger kalt erwischen könnte. Dazu kommen politische Risiken, die der Bankchef selbst öffentlich benennt, ein Skandal um den toten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und Kursziele, die einem den Atem verschlagen. Wer jetzt in der Deutschen Bank investiert ist oder einen Einstieg überlegt, sollte genau hinsehen. Denn was auf den ersten Blick wie eine günstig bewertete Bankaktie aussieht, könnte sich als teure Falle entpuppen.
Bankchef mahnt
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist derzeit viel unterwegs mit Botschaften, die nicht unbedingt Optimismus verbreiten. In einem Interview forderte er eine ehrliche Debatte über längere Lebensarbeitszeiten und mehr Einsatz der Gesellschaft insgesamt. Deutschland leiste sich im Schnitt zwei- bis dreimal so viele Krankheitstage wie die Schweiz. Das sei so nicht tragbar, sagte Sewing. Was er damit meint ist, dass der Standort schwächelt, und das spürt man auch an den Märkten. Gleichzeitig warnt er vor den wirtschaftlichen Folgen steigender Nationalismus-Tendenzen. Sollte bei den Landtagswahlen erstmals ein AfD-Ministerpräsident hervorgehen, befürchtet Sewing negative Signale an internationale Investoren und eine mögliche Blockade im Bundesrat. Das klingt nicht nach einem Banker, der entspannt in die Zukunft schaut. Obendrauf kommt ein Thema, das die Bank eigentlich lieber vergessen würde: Jeffrey Epstein. Neue Dokumente zeigen, dass die Deutsche Bank kurz vor der Aufnahme des verurteilten Sexualstraftäters als Kunden aktiv versucht hat, dessen wichtigsten Bankverbindungsmann von J.P. Morgan abzuwerben. Ein Mann namens Paul Barrett, der als Hauptansprechpartner Epsteins bei der US-Großbank galt. Strafrechtlich vielleicht nicht relevant, aber imagetechnisch ist es ein weiterer Schatten, der auf das Institut fällt.

Charttechnik
Jetzt zum Kern des Problems. Die Deutsche-Bank-Aktie kostet aktuell rund 30,60 Euro. Das klingt erstmal nicht schlimm. Aber wer auf den Chart schaut, dem fällt sofort auf: Der Kurs hat schon den 50-Tage-Durchschnitt bei 32,30 Euro unterschritten. Und jetzt nähert sich der Kurs dem 200er SMA bei 29,53 Euro, der letzten echten Verteidigungslinie. Dieser gleitende Durchschnitt ist in der technischen Analyse so etwas wie ein Sicherheitsnetz und solange eine Aktie darüber notiert, gilt der langfristige Trend als intakt. Aber wenn er bricht, dann wird es ungemütlich. Und bei der Deutschen Bank sieht es nicht gut aus. Schon ein kleiner weiterer Abverkauf könnte diese Marke reißen. Was dann? Charttechnisch wäre der nächste relevante Halt erst tiefer unten. Ein Rückgang auf 25 Euro ist kein unrealistisches Szenario. Und wenn die Stimmung dreht, etwa durch politische Eskalation in Deutschland oder Turbulenzen an den Märkten sind auch 20 Euro nicht völlig aus der Welt. Das klingt drastisch. Aber Rückgänge dieser Art sind historisch gesehen möglich und gewiss keine Seltenheit. Der RSI jedenfalls lässt mit einem Wert von 43 noch Potenzial nach unten zu und er tendiert schon seit den letzten Wochen eher negativ.
Was tun?
Das KGV der Deutschen Bank für 2026 liegt bei rund 9, was absolut ok ist. Die Dividendenrendite liegt bei knapp 4 Prozent, auch ok. Und der Gewinn pro Aktie soll 2026 auf 3,38 Euro steigen, auch prima. Aber und das ist ein großes Aber: fundamentale Daten helfen nicht viel, wenn der Chart kollabiert. Die meisten großen Investoren orientieren sich an technischen Marken. Und wenn der 200er SMA fällt, werden viele automatisch verkaufen. Das kann eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die mit Fundamentaldaten nichts mehr zu tun hat. Hinzu kommen politische Unsicherheiten, die Sewing selbst benennt, der aufflammende Epstein-Skandal und eine allgemeine Nervosität gegenüber Bankaktien in einem Umfeld steigender Zollunsicherheiten. Wer die Aktie bereits hält, sollte den 200er SMA bei rund 29,50 Euro als harte Grenze sehen. Fällt der Kurs darunter, ist ein Ausstieg ernsthaft in Betracht zu ziehen. Wer einsteigen will, sollte sich noch gedulden und abwarten, ob sich der Kurs stabilisiert. Ein Schnäppchenkauf vor einer möglichen Trendwende kann teuer werden. Die Risiken sind aktuell da und nicht zu ignorieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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