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Die neuerliche Eskalation geopolitischer Spannungen sorgt nicht nur für fallende Aktienmärkte, sondern auch stark steigende Energiepreise - ein möglicherweise dauerhaftes Problem.
Lage im Mittleren Osten eskaliert erneut
Am Samstagmorgen haben israelische Streitkräfte gemeinsam mit den USA Angriffe auf Militäranlagen im Iran und die iranische Staatsführung unternommen. Etliche hochrangige Regierungsvertreter, darunter Ali Chamenei, der das Land seit 1989 reagierte, sind inzwischen tot. Die islamische Republik reagierte mit Gegenangriffen nicht nur auf Israel und US-Militärbasen in der Region, sondern auch auf andere Golf-Staaten, um den Konflikt zu eskalieren und einen Flächenbrand herbeizuführen.
Auch die Straße von Hormuz wurde für den Schiffsverkehr gesperrt. Diese Verbindung ist für den globalen Energiemarkt die wichtigste, da sie die Durchfahrtsstraße für rund ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasexporte ist. Die Folgen sind nach dem Wochenende unmittelbar zu spüren. Der Preis für ein Barrel Brent hat sich zeitweise um mehr als 10 Prozent verteuert, während Erdgas am Henry Hub in den USA rund 4,5 Prozent im Plus liegt.
Tanken zum Wochenauftakt deutlich teurer
In der Folge hat sich auch das Tanken verteuert. An vielen Zapfsäulen mussten Pendlerinnen und Pendler am Montagmorgen deutlich mehr bezahlten als noch am Freitag vor den Angriffen. Nach Angaben des ADAC betragen die Aufschläge zum Wochenauftakt im Mittel rund 2 Cent pro Liter E10, während Diesel um etwas mehr als einen Cent gestiegen ist.
Doch das könnte erst der Anfang deutlich größerer Steigerungen gewesen sein, denn am europäischen Energiemarkt sind die Preise aufgrund der hohen Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen und Mittleren Osten besonders stark gestiegen.

Europäische Energiepreise explodieren
Gasöl, ein wichtiges Vorprodukt in der Herstellung von Dieselkraftstoffen und Heizöl, legte am Handelsplatz in London zeitweise um mehr als 20 Prozent auf ein 2-Jahres-Hoch zu.
Gleichzeitig verteuerte sich europäisches Erdgas an der niederländischen Terminbörse um mehr als ein Viertel auf über 40 Euro je Megawattstunde. Ähnliche Preisniveaus wurden zuletzt vor einem Jahr erreicht. Der Terminkontrakt für Heizöl kletterte um mehr als 12 Prozent und damit ebenfalls auf ein neues 52-Wochen-Hoch.
Anhaltend hohe Bedrohungslage zu befürchten
Schnelle Besserung ist hier keine in Sicht. Erstens verbessert sich die charttechnische Ausgangslage für viele fossile Energieträger und zweitens dürften die Spannungen auch nach dem Tod von Religionsführer Chamenei anhalten. US-Präsident Donald Trump stellte eine wochenlange Operation in Aussicht.
Militärisch dürfte der Iran zwar kaum in der Lage sein, eine Sperrung der Straße von Hormuz langfristig durchzusetzen, doch das ist auch gar nicht nötig: Schon die Drohung von Angriffen genügt, um Versicherer und Reedereien vor einer Durchfahrt abzuschrecken.
Wie der Krieg in der Ukraine gezeigt hat, sind Ölförder- und Verarbeitungsanlagen außerdem ein leichtes Ziel für ballistische Raketen und Drohnen. Von diesen verfügt der Iran sowohl nach eigenen Angaben als auch nach Einschätzung internationaler Expertinnen und Experten noch über Tausende, was neben dem Transport auch die Produktion gefährdet.
Fazit: Keine schnelle Besserung zu erwarten
Damit steht die Welt vor einem mindestens kurz- bis mittelfristigen Energiepreisschock, der zu einem erneuten Inflationsanstieg und anhaltend hohen Preisen nicht nur an der Zapfsäule, sondern auch im Supermarkt führen könnte.
Absicherungsmöglichkeiten sind der Kauf von Öl- und Energieaktien, der Kauf von Solaranlagen und Balkonkraftwerken sowie der Umstieg auf Elektromobilität und Wärmepumpen. Aufgrund der voranschreitenden Energiewende dürften die Stromkosten weniger schnell steigen als die Kosten für Strom und Gas.
Mit Blick auf die Aktienmärkte sollten Anlegerinnen und Anleger vorsichtig agieren. Die Aussichten für weitere Zinssenkungen haben sich schlagartig verschlechtert, während die Bewertungs- und Liquiditätsrisiken weiterhin hoch sind.
Gastautor: Max Gross
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