OLDENBURG (dpa-AFX) - Der Iran-Krieg dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert die Ölpreise weiter in die Höhe treiben und die Weltwirtschaft bremsen. "Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Situation im Iran sind gravierend", sagte Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Je länger die Auseinandersetzung anhalte, "desto gravierender werden auch die wirtschaftlichen Folgen sein".
Grund ist vor allem der bereits jetzt steigende Ölpreis. "Es ist damit zu rechnen, dass er weiter steigt", so Kemfert im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Je länger die Zuspitzung andauert, desto höher können die Preise steigen", so die Expertin. "Und je höher die Preissprünge da sind, desto gravierender sind auch die Folgen auch für die Handelswege in der ganzen Welt."
Problem sei dabei vor allem mögliche Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. "Denn bis zu 20 Prozent der weltweiten Nachfrage gehen über diese Handelsrouten", so Kemfert. Geliefert werde von dort zwar vor allem nach Asien. Ein Engpass dort habe aber Auswirkungen auf den Weltmarkt und lasse global die Preise steigen. "Es ist eine Lage, wie wir sie noch nie erlebt haben." Denn anders als bei früheren Krisen seien derzeit eine ganze Reihe wichtiger Ölproduzenten betroffen.
Mit Versorgungsengpässen rechnet Kemfert hierzulande erst einmal aber nicht. "Deutschland ist ganz gut aufgestellt, weil es die Öl- und Gasbezüge diversifiziert hat, aus vielen Ländern Öl und Gas bezieht." Aktuell seien wir gut versorgt. Doch: "Wir werden mit steigenden Preisen rechnen müssen an der Tankstelle und auch beim Heizen", so die Expertin "Preissprünge können passieren." Grund zur Panik bestehe aber nicht. "Hamsterkäufe oder Ähnliches sind überhaupt gar nicht angebracht."/fjo/DP/nas
