Auch wenn heute ein dickes Minus im DAX auf der Frankfurter Anzeigetafel aufleuchtet, fallen die Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Eskalation im Nahen Osten alles in allem doch eher moderat aus. In Anbetracht der stark steigenden Energiepreise hätten die Kursverluste rund um den Globus durchaus höher ausfallen können. Investoren schauen jetzt explizit darauf, wie lange das höhere Preisniveau in den Rohölsorten anhalten und wie sich das Währungspaar Euro/US-Dollar weiter entwickeln wird.
US-Präsident Trump geht derzeit offiziell von einer potenziellen Dauer des militärischen Konflikts von vier bis fünf Wochen aus. Dies wäre für die europäische Konjunktur insgesamt verkraftbar. Rohölpreise zwischen 80 und 85 US-Dollar dürften vorerst keine größeren Verwerfungen hervorrufen. Erst wenn es zu dramatischeren Steigerungen auf über 100 US-Dollar kommen und dieses Preisniveau über mehrere Monate anhalten sollte, wäre das ein ernst zu nehmender Einflussfaktor für die konjunkturelle Entwicklung in Europa.
Auch in Asien hängen Länder wie Japan und China von externen Öllieferungen ab. Eine lang anhaltende Störung der Lieferketten würde damit die globale Konjunkturentwicklung ausbremsen und die Inflation erneut beflügeln. US-Unternehmen sind dagegen weniger direkt von der Eskalation im Nahen Osten betroffen. Die USA haben sich in den vergangenen Jahren durch das Fracking-Verfahren zu einem Nettoexporteur für Rohölprodukte entwickelt. Das lässt die wirtschaftliche Situation in den USA im Gegensatz zu Europa und China deutlich anders aussehen. Auch deshalb kann die Wall Street die vorbörslichen Verluste fast wieder ganz aufholen.
Der DAX wurde heute von den zyklischen Branchen und den Finanzwerten belastet. Auf der Gewinnerseite standen die Rüstungsaktien in Form von Rheinmetall und die defensiven Vertreter Deutsche Börse, RWE, Münchener Rück und Fresenius Medical Care. Noch sehen wir also krisentypische Marktreaktionen auf die geänderte Lage im Nahen Osten. Die Situation muss weiter beobachtet und darf keineswegs unterschätzt werden. Insbesondere die diplomatischen Positionierungen von Russland und China sind hier wichtige Einflussfaktoren.
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