Berlin (ots) -
Der Nutzen vieler individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) ist nicht belegt - einige gelten sogar als schädlich. Dazu zählt auch der weitverbreitete Ultraschall der Eierstöcke. Anlässlich des Frauentages am 8. März äußert sich die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, dazu mit Blick auf das Thema Frauengesundheit kritisch.
"Frauen nehmen Vorsorgeuntersuchungen häufiger in Anspruch als Männer. Solange es sich dabei um evidenzbasierte Angebote handelt - die dann auch von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden - ist das gut und richtig so. Aber leider werden gerade die gesundheitsbewussten Frauen von Ärztinnen und Ärzten auch als attraktive Zielgruppe gesehen, um Geld mit zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen zu verdienen - die nicht nur jeglicher Evidenz entbehren, sondern zum Teil auch mehr schaden als nützen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Ultraschalluntersuchung zur "Früherkennung" von Eierstockkrebs. Seit Jahren ist das eine der am häufigsten verkauften IGeL-Leistungen in Deutschland, die gern bei der jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung angepriesen wird. Das große Problem dabei: Gerade dieser IGeL-Leistung fehlt nicht nur jeder Nutzennachweis, sondern sie wird durch den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes, auf sehr fundierter Datenbasis, sogar als negativ in ihrer Wirkung bewertet. Denn diese Untersuchung kann das Risiko, an Eierstockkrebs zu sterben, nicht senken.
Stattdessen werden bei etwa drei von hundert Frauen als Folge von Fehlalarmen durch diesen Ultraschall völlig gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke entfernt. Bei diesen unnötigen Operationen drohen dann schwere Komplikationen - in zwei großen Studien wurde die Komplikationsrate auf 3,5 bis zu 15 Prozent beziffert.
Trotzdem gibt es Fachgesellschaften, die nicht müde werden zu betonen, dass diese IGeL-Leistung im Einzelfall dennoch sinnvoll sein kann - und rühren weiter die Werbetrommel. Angesichts der hohen Verkaufszahlen dieses Ultraschalls der Eierstöcke kann aber keineswegs die Rede davon sein, dass diese Untersuchung auch nur in diesen vermeintlich sinnvollen Einzelfällen angeboten wird. Diese Argumentation basiert schlicht nicht auf Fakten.
Und noch ein Hinweis: Wenn Praxen weiterhin wirkungslose, aber finanziell lukrative IGeL-Leistungen während ihrer regulären Sprechzeiten anbieten, blockieren sie damit Kapazitäten für die medizinisch wirklich notwendigen und sinnvollen Behandlungen. Die AOK-Gemeinschaft fordert darum: Praxen sollten IGeL-Leistungen künftig nur noch in gesondert ausgewiesenen Sprechstunden anbieten dürfen. Damit werden schneller Termine für GKV-Versicherte frei und die langen Wartezeiten werden reduziert. Gleichzeitig gibt das Patientinnen auch Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie die IGeL-Leistung wirklich wollen. Denn viele Patientinnen fühlen sich zu schnellen Entscheidungen gedrängt, befürchten vielleicht sogar Nachteile bei ihrer normalen Behandlung, wenn sie eine kostenpflichtige Zusatzleistung ablehnen.
Das Thema Frauengesundheit muss in jedem Fall stärker in den Fokus rücken. In Forschung und Versorgung, evidenzbasiert und sinnvoll. IGeL-Leistungen ohne Evidenz und mit mehr Schaden als Nutzen haben jedenfalls nichts mit Frauengesundheit zu tun."
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de
Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/8697/6230057
Der Nutzen vieler individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) ist nicht belegt - einige gelten sogar als schädlich. Dazu zählt auch der weitverbreitete Ultraschall der Eierstöcke. Anlässlich des Frauentages am 8. März äußert sich die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, dazu mit Blick auf das Thema Frauengesundheit kritisch.
"Frauen nehmen Vorsorgeuntersuchungen häufiger in Anspruch als Männer. Solange es sich dabei um evidenzbasierte Angebote handelt - die dann auch von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden - ist das gut und richtig so. Aber leider werden gerade die gesundheitsbewussten Frauen von Ärztinnen und Ärzten auch als attraktive Zielgruppe gesehen, um Geld mit zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen zu verdienen - die nicht nur jeglicher Evidenz entbehren, sondern zum Teil auch mehr schaden als nützen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Ultraschalluntersuchung zur "Früherkennung" von Eierstockkrebs. Seit Jahren ist das eine der am häufigsten verkauften IGeL-Leistungen in Deutschland, die gern bei der jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung angepriesen wird. Das große Problem dabei: Gerade dieser IGeL-Leistung fehlt nicht nur jeder Nutzennachweis, sondern sie wird durch den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes, auf sehr fundierter Datenbasis, sogar als negativ in ihrer Wirkung bewertet. Denn diese Untersuchung kann das Risiko, an Eierstockkrebs zu sterben, nicht senken.
Stattdessen werden bei etwa drei von hundert Frauen als Folge von Fehlalarmen durch diesen Ultraschall völlig gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke entfernt. Bei diesen unnötigen Operationen drohen dann schwere Komplikationen - in zwei großen Studien wurde die Komplikationsrate auf 3,5 bis zu 15 Prozent beziffert.
Trotzdem gibt es Fachgesellschaften, die nicht müde werden zu betonen, dass diese IGeL-Leistung im Einzelfall dennoch sinnvoll sein kann - und rühren weiter die Werbetrommel. Angesichts der hohen Verkaufszahlen dieses Ultraschalls der Eierstöcke kann aber keineswegs die Rede davon sein, dass diese Untersuchung auch nur in diesen vermeintlich sinnvollen Einzelfällen angeboten wird. Diese Argumentation basiert schlicht nicht auf Fakten.
Und noch ein Hinweis: Wenn Praxen weiterhin wirkungslose, aber finanziell lukrative IGeL-Leistungen während ihrer regulären Sprechzeiten anbieten, blockieren sie damit Kapazitäten für die medizinisch wirklich notwendigen und sinnvollen Behandlungen. Die AOK-Gemeinschaft fordert darum: Praxen sollten IGeL-Leistungen künftig nur noch in gesondert ausgewiesenen Sprechstunden anbieten dürfen. Damit werden schneller Termine für GKV-Versicherte frei und die langen Wartezeiten werden reduziert. Gleichzeitig gibt das Patientinnen auch Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie die IGeL-Leistung wirklich wollen. Denn viele Patientinnen fühlen sich zu schnellen Entscheidungen gedrängt, befürchten vielleicht sogar Nachteile bei ihrer normalen Behandlung, wenn sie eine kostenpflichtige Zusatzleistung ablehnen.
Das Thema Frauengesundheit muss in jedem Fall stärker in den Fokus rücken. In Forschung und Versorgung, evidenzbasiert und sinnvoll. IGeL-Leistungen ohne Evidenz und mit mehr Schaden als Nutzen haben jedenfalls nichts mit Frauengesundheit zu tun."
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
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