DJ MARKT-AUSBLICK/Alles schaut aufs Öl
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--Börsianer sollten sich für eine weitere volatile Woche an den Aktienmärkten wappnen. Der Krieg im Nahen Osten dürfte auch in der kommenden Woche das Hauptthema bleiben. Dabei gab zuletzt eher die Reaktion der Ölpreise auf die militärische Eskalation den Takt vor als der Krieg selbst.
Die große Sorge ist, dass die steigenden Energiepreise auf die Inflation durchschlagen werden und somit erhoffte Zinssenkungen durch die Notenbanken unwahrscheinlicher machen oder zumindest in weite Ferne rücken. An den Zapfsäulen ist der Preiseffekt längst schmerzhaft zu spüren. Entsprechend ist an den Finanzmärkten wieder vermehrt vom Schreckgespenst Stagflation die Rede - also wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitiger Inflation.
Für steigende Kurse ist das ein schlechtes Umfeld. Allerdings zeigte die vergangene Woche auch, wie schnell der Wind drehen kann - zumindest vorübergehend -, sobald Spekulationen über eine Annäherung der Kriegsparteien die Runde machen oder die Ölpreise wieder fallen.
Dessen ungeachtet bleibt die Angst vor einer weiteren Dynamisierung des Kriegs, beispielsweise dadurch, dass weitere Staaten hineingezogen werden und sich aktiv beteiligen, im Extremfall durch einen Angriff Irans auf die Türkei möglicherweise auch die Nato.
Einstweilen dürften die Finanzmärkte also weiter von Gerüchten und Spekulationen bewegt werden. Das macht die Gemengelage undurchsichtig und schürt Verunsicherung. Dazu kommt, dass die USA offenbar mitbestimmen wollen, wie das nächste Regime im Iran aussieht, nachdem der Oberste Führer des Landes getötet worden ist. Das könnte den Krieg möglicherweise in die Länge ziehen.
Zünglein an der Waage bleiben die Ölpreise. Sollten sie weiter klettern, dürfte die Neigung zunehmen, sich von Aktien zu trennen. Denn die Gefahr ist real, dass ein Ölpreisschock die fragile Konjunkturbelebung in Europa wieder auflöst.
Und seitens der Europäischen Zentralbank wäre dann kaum Hilfe in Form von Zinssenkungen zu erwarten, weil diese die Inflation zusätzlich befeuern würden. Tatsächlich haben die Marktzinsen auf die Entwicklung bereits reagiert und am Markt wird inzwischen sogar über eine Zinserhöhung im laufenden Jahr spekuliert. Die deutsche Zehnjahresrendite liegt aktuell bei 2,85 Prozent, vor Ausbruch des Krieges waren es rund 2,65 Prozent.
Auch in den USA haben die Zinssenkungshoffnungen einen Dämpfer erhalten, hier stieg die Zehnjahresrendite von 3,96 auf 4,17 Prozent. Zuletzt trugen dazu aber auch gut ausgefallene Konjunkturdaten etwas bei. In der kommenden Woche stehen mit US-Verbraucherpreisen für Februar am Mittwoch und dem Index der privaten Konsumausgaben im Januar (PCE-Deflator) zwei wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda. Für letzteren erwarten Analysten einen auf 2,9 Prozent leicht nachlassenden Inflationsdruck im Jahresvergleich, der gleichwohl noch deutlich über dem Fed-Inflationsziel von 2 Prozent läge.
Unternehmensseitig geht die Zahlenflut weiter mit einer schwer durchschaubaren Mischung neuer und endgültiger Geschäftszahlen, wobei letztere die betreffenden Aktienkurse potenziell weniger bewegen dürften. Am Montag legt aus dem DAX Gea Zahlen vor, am Dienstag steht das Jahresergebnis von VW auf dem Programm, am Mittwoch folgen Henkel, Rheinmetall und Porsche. Am Donnerstag ist der Terminkalender wie üblich wieder besonders voll. Dann öffnen die DAX-Unternehmen RWE, BMW, Zalando, Hannover Rück, Brenntag und Daimler Truck die Bücher. Außerdem berichten über die Woche noch eine ganze Reihe weiterer deutscher und internationaler börsennotierter Unternehmen.
Zu jenen will sich ab Montag auch der U-Boot-Zulieferer Gabler zählen. Gabler platziert Aktien für 132,8 Millionen Euro, die zu je 44 Euro gezeichnet werden konnten. Die im Februar genannte Preisspanne hatte sich auf 37 bis 47 Euro belaufen. Bleibt zu hoffen, dass über das Wochenende keine neuen Entwicklungen den Börsengang noch vereiteln. Es wäre nicht der erste auf den letzten Drücker noch abgesagte Börsengang wegen eines kurzfristig ungünstigen Börsenumfelds.
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