
© Foto: von Árpád Czapp auf Unsplash
Die Aktie von Redcare Pharmacy hat in wenigen Tagen fast 30 Prozent verloren. Das klingt nach einer ganz großen Katastrophe und ja, für viele Anleger war und ist es das auch. Doch wer von den nicht Investierten einen kühlen Kopf behält, für den könnte die Lage möglicherweise anders aussehen. Das Unternehmen hat 2025 echte Fortschritte erzielt. Einen Rekordumsatz, deutlich verbesserter Gewinn, ein klares Wachstumsmodell. Der Kurssturz kam nicht wegen eines Skandals, sondern weil der Markt schlicht mehr erwartet hatte. Die große Gretchen-Frage ist jetzt: Hat die Aktie bereits einen Boden gefunden, oder fällt sie noch weiter?
Rekordjahr mit bitterem Nachgeschmack
Das Geschäftsjahr 2025 lief für Redcare Pharmacy richtig gut. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten überschritt erstmals die Milliarden-Marke. Das bereinigte EBITDA legte um 72 Prozent zu, die Kundenzahl wuchs auf knapp 14 Millionen. Auf den ersten Blick eine starke Vorstellung. Das Problem, wie so oft, der Markt hatte mehr erwartet. Der Ausblick für 2026 traf die Anleger wie ein "Kaltlufteinbruch". Statt weiter mit Tempo zu wachsen, rechnet das Unternehmen "nur noch" mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent, verglichen mit den 24 Prozent im Vorjahr, ein spürbarer Rückgang. Dazu senkte das Management das mittelfristige Margenziel von acht auf fünf Prozent. Firmenchef Olaf Heinrich begründet das unter anderem mit einer schleppenden Akzeptanz des E-Rezepts und zunehmendem Wettbewerb im OTC-Markt, wo Drogerieketten wie dm und künftig auch Rossmann mitmischen wollen. Das dürfte dann merklich auf die Margen drücken.
Charttechnik
Seit dem Zwischenhoch im November 2024 bei rund 170 Euro hat die Aktie mehr als 70 Prozent verloren. Zuletzt markierte sie bei unter 43 Euro ein neues Mehrjahres-Tief. Der Abstand zum 200er SMA ist mittlerweile enorm. Über 50 Prozent. Die Aktie ist somit in einem klaren, langfristigen Abwärtstrend. Auch der 50er SMA ist weit enfernt, wenn auch nicht so weit, wie der 200er, aber insgesamt bleibt zu sagen, dass die Aktie weit von jedem Gleichgewicht entfernt ist. Genau aber solche Übertreibungen nach unten erzeugen oft die Voraussetzung für einen technischen Rebound. Der RSI zeigt klare Signale einer überverkauften Aktie mit einem Wert von 23. Für Rebound-Trader wäre sicherlich ein gestaffelter Einstieg interessant: eine erste Position knapp unter 44 Euro, weitere Käufe bei einem Rückfall in Richtung 38 bis 34 Euro. Bei einer Erholung ist ein Lauf in Richtung 55 bis 60 Euro realistisch. Es ist kein blindes Greifen ins fallende Messer, sondern ein bewusstes Setzen auf eine Gegenbewegung. Dennoch sollte man den Stopp-Loss nicht vergessen.

Was tun?
Redcare Pharmacy steht nicht vor dem Aus. Die Aktie ist abgestürzt, weil Erwartungen korrigiert wurden und nicht weil das Geschäft zusammenbricht. Mit jedem Euro, den der Kurs fällt, wird die Bewertung günstiger. Neun von zwölf Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf, Kursziele über 80 oder gar 90 Euro zeigen das vorhandene Aufwärtspotenzial. Wer gestaffelt einsteigt, das Risiko begrenzt und einen Stopp setzt, könnte von einer Erholung in Richtung 55 bis 60 Euro profitieren. Für geduldige Anleger mit hoher Risikobereitschaft könnte Redcare
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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