DJ MÄRKTE EUROPA/Deutliche Erholung von Tiefs - Ölpreise bestimmen Handel
DOW JONES--Deutlich erholt von den Tagestiefs, aber mit roten Vorzeichen haben Europas Aktienmärkte zu Wochenbeginn den Handel beendet. Vor dem Hintergrund der anhaltenden beiderseitigen militärischen Gewalt im Iran-Krieg schossen die Ölpreise phasenweise um bis zu 30 Prozent nach oben. Der zuvor bereits stark gestiegene Preis der Nordseesorte Brent erreichte in der Spitze knapp 120 Dollar. Im Verlauf beruhigte sich die Lage aber deutlich, der Preis lag zuletzt bei 98,87 Dollar, ein Tagesplus von 6,7 Prozent.
Die haussierenden Energiepreise, aber auch Sorgen vor Störungen der Lieferketten schürten Stagflationsängste, zumal den Zentralbanken in einem solchen Szenario weitgehend die Hände gebunden sind. An den Märkten werden Erwartungen an Zinssenkungen daher zunehmend ausgepreist. Laut Medienberichten wollen die Finanzminister der G7-Staaten noch am Montag zusammenkommen, um über eine Freigabe der strategischen Ölreserven zu sprechen.
Der DAX verlor 0,8 Prozent auf 23.409 Punkte. Im Tagestief hatte der Index schon bei 22.928 Punkten gelegen. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,6 Prozent auf 5.685 Punkte abwärts. Am Devisenmarkt war der Dollar als sicherer Hafen gesucht, gab seine Gewinne im Verlauf aber wieder weitgehend ab. Der Euro notierte bei 1,1585 Dollar. Der Goldpreis konnte dagegen nicht von seinem Ruf als sicherer Hafen profitieren, der Preis für das Edelmetall fiel um 1,3 Prozent auf 5.103 Dollar, auch belastet vom zwischenzeitlich festen Dollar.
Solange die Straße von Hormus "dicht" ist, gibt es nach Einschätzung von Vermögensverwalter QC Partners praktisch keine Hoffnung auf einen Rückgang des Ölpreises. Viele Golfstaaten hätten ihre Produktionsmengen bereits massiv gedrosselt. Vom produzierten Öl komme ohne die Straße von Hormus deutlich weniger Öl nach Asien und Europa. "Statistiken zeigen: Kein einziger Öltanker hat die Straße von Hormus während der vergangenen sieben Tage in Richtung Westen passiert. Das gab es noch nie seit Beginn der Datenerhebung", so die QC-Experten.
Derweil wurde Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Khamenei als neuer Oberster Führer des Iran ernannt. Das deutete auf eine Fortsetzung der Politik der Hardliner hin und mithin auf einen längeren Krieg. Zugleich gibt es seitens der USA keinerlei Anzeichen für ein Einlenken. US-Präsident Donald Trump will offenbar eine "bedingungslose Kapitulation" des Iran und schloss auch einen möglichen Einsatz von US-Bodentruppen nicht aus. Den explodierenden Ölpreis stuft er derweil als "kleinen Preis ein, den es zu zahlen gilt".
"Das ist eine neue Eskalationsstufe. Aber ich gehe davon aus, dass wir heute Nacht die Hochs in Öl gesehen haben, auch wenn es in den nächsten Wochen extrem schwankungsintensiv bleiben wird", sagte XTB-Ananalyst Jens Klatt. Er verwies dazu auf die Zwischenwahlen in den USA im November. "Wenn die Republikaner bzw. der US-Präsident hier einen Sieg einfahren wollen, muss der Ölpreis zurück unter 100 Dollar - und zwar deutlich", ergänzte er.
Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg spielten in dem Umfeld keine Rolle genauso wenig wie sehr schwache Auftragseingänge der deutschen Industrie. Diese sind im Januar eingebrochen.
Die Aktien von Luftfahrtgesellschaften wurden im Handel als Hauptverlierer des eskalierenden Krieges im Nahen Osten gesehen. Diese würden gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: einerseits durch die erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs und andererseits durch den historisch rapiden Ölpreisanstieg. Lufthansa verloren 6,4 Prozent, Air France-KLM 3,9 Prozent oder IAG 1,6 Prozent. Für die Reiseaktie Tui ging es um 4,4 Prozent nach unten.
Unternehmensnachrichten, die die Kurse bewegten, waren rar. Roche sackten um 2,9 Prozent ab, belastet von der Nachricht eines Fehlschlags in einer Studie mit einer experimentellen Brustkrebs-Therapie. Im DAX zeigten sich Gea mit einem Minus von 2,1 Prozent nach der Vorlage endgültiger Geschäftszahlen. Die Geschäftszahlen enthielten nichts Überraschendes, das gelte auch für den Ausblick, hieß es. Die Aktionäre sollen für 2025 eine um 15 Cent höhere Dividende von 1,30 Euro je Aktie bekommen.
In einem sehr schwierigen Umfeld für die Börsen fiel das Debüt von Gabler eher durchwachsen aus. Die Aktie des U-Boot-Zulieferers schloss bei 43,80 Euro - ein Minus von 0,5 Prozent zum Emissionspreis von 44 Euro. Im Tageshoch hatte die Aktie allerdings schon bei 49,20 Euro gelegen.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.685,20 -0,6 -34,70 5.719,90 16,8 Stoxx-50 4.972,97 -0,4 -18,04 4.991,01 11,9 DAX 23.409,37 -0,8 -181,66 23.591,03 19,9 MDAX 28.875,10 -2,1 -607,68 27.039,42 15,3 TecDAX 3.565,41 -1,2 -42,07 3.091,28 4,8 SDAX 16.875,75 -2,1 -356,94 13.062,07 22,4 CAC 7.915,36 -1,0 -78,13 7.993,49 10,0 SMI 13.000,09 -0,7 -95,46 13.095,55 11,4 ATX 5.308,39 -1,8 -95,26 5.403,65 38,3 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 18:30 EUR/USD 1,1585 -0,3 -0,0033 1,1618 1,1595 EUR/JPY 183,25 -0,0 -0,0100 183,26 182,9200 EUR/CHF 0,9024 +0,1 0,0009 0,9015 0,9014 EUR/GBP 0,8652 -0,1 -0,0006 0,8658 0,8660 USD/JPY 158,16 +0,2 0,3700 157,79 157,7300 GBP/USD 1,3389 -0,2 -0,0022 1,3411 1,3388 USD/CNY 6,9066 +0,2 0,0101 6,8965 6,8965 USD/CNH 6,91 +0,1 0,0053 6,9047 6,9004 AUS/USD 0,7049 +0,3 0,0019 0,703 0,7014 Bitcoin/USD 68.972,29 +2,6 1.752,96 67.219,33 68.244,64 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 94,62 +4,1 3,72 90,9 Brent/ICE 98,87 +6,7 6,18 92,69 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 5.103,33 -1,3 -66,59 5.169,92 Silber 84,61 +0,3 0,28 84,33 Platin 2.158,78 +1,1 23,43 2.135,35 ===
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March 09, 2026 13:16 ET (17:16 GMT)
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