
© Foto: appshunter.io auf Unsplash (Symbolbild)
Jahrelang galt PayPal als unantastbar. Der Name stand für digitales Bezahlen schlechthin. Ein Platzhirsch, den niemand so schnell vom Thron stoßen würde. Doch was sich in den vergangenen Wochen abgespielt hat, klingt weniger nach Branchenriese, sondern mehr nach einem klassischen Absturz. Verfehlte Quartalsziele, ein abrupter Führungswechsel, Sammelklagen wegen Wertpapierbetrugs und der Rauswurf aus dem S&P 100. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast ein Viertel ihres Wertes verloren und wer genau hinschaut, erkennt, dass das erst der Anfang sein könnte. Denn hinter dem Kurssturz stecken keine Einmaleffekte, sondern strukturelle Probleme, die sich seit Monaten aufgebaut haben.
Vom Wachstumsstar zum Problemfall
Der Auslöser war ein simpler Quartalsbericht, aber seine Wirkung war alles andere als simpel. Anfang Februar veröffentlichte PayPal die Zahlen für das vierte Quartal 2025. Der Umsatz landete bei 8,7 Milliarden US-Dollar und verfehlte die Analystenerwartungen. Schlimmer noch, denn das Wachstum im Kerngeschäft, dem Branded-Checkout, kollabierte auf magere 1 Prozent. Gleichzeitig strich das Unternehmen seine langfristigen Finanzziele für 2027 ersatzlos. Kein Ausblick, keine Orientierung, kein Vertrauen. Die Börse reagierte mit einem Kurseinbruch von über 20 Prozent an einem einzigen Tag. Zum 1. März 2026 übernahm Enrique Lores, ehemaliger HP-Chef, die Führung. Sein Vorgänger Alex Chriss musste nach nur zweieinhalb Jahren gehen. Für Anleger ist ein so abrupter Wechsel selten ein gutes Zeichen, er signalisiert nicht Neuanfang, sondern Verunsicherung. Zusätzlich haben sich in den USA mehrere Sammelklagen formiert. Der Vorwurf: Das alte Management soll Wachstumsaussichten beschönigt und die wachsende Konkurrenz bewusst kleingeredet haben.

Charttechnik
Wer sich den Chart anschaut, dem wird, sofern er investiert ist, nicht ganz wohl. Der Kurs notiert aktuell um die 45 US-Dollar, knapp über einem charttechnisch kritischen Bereich. Am 13. Februar markierte die Aktie ein 52-Wochen-Tief bei 38,46 US-Dollar. Die seitdem folgende Erholung wirkt wenig überzeugend. Die laufende Konsolidierung könnte den Kurs noch einmal in Richtung 50 US-Dollar treiben, ein typisches Pullback-Niveau. Klingt zunächst gut, ist es aber nicht zwingend. Erfahrene Marktteilnehmer nutzen solche Bewegungen eher zum Abbau von Positionen. Hält der Kurs die 40-US-Dollar-Marke nicht dauerhaft, öffnet sich darunter ein charttechnisches Vakuum. Die nächste relevante Unterstützungszone liegt erst bei 27 bis 28 US-Dollar. Der Rauswurf aus dem S&P 100 zum 23. März verschärft die Lage: Indexfonds müssen umschichten, das erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck.
Was tun?
Die Antwort fällt nicht leicht, aber sie fällt ziemlich eindeutig aus.
Fundamental hat PayPal ein ernstes Problem. Der Gewinn je Aktie lag 2025 bei 5,41 US-Dollar, aber ohne Wachstum verliert ein Technologiewert seinen wichtigsten Bewertungstreiber. Laut TipRanks empfehlen nur 5 von 34 Analysten die Aktie zum Kauf, 25 raten zum Halten, 4 zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp über 50 US-Dollar, kein Signal für eine starke Aufwärtsbewegung. Das Kerngeschäft schwächelt, die langfristigen Ziele sind gestrichen, der neue CEO muss sich erst beweisen. Lichtblicke wie die OpenAI-Partnerschaft oder der Stablecoin PYUSD sind langfristige Wetten, keine kurzfristigen Kurskatalysatoren. Wer die Aktie hält, sollte sich fragen, ob er einen weiteren Rückgang auf vielleicht 27 bis 28 US-Dollar verkraften würde.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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