DJ MARKT-AUSBLICK/Iran-Krieg dürfte Börsen weiter fest im Griff halten
DOW JONES--Der Iran-Krieg und seine Folgen dürften die Börsen vorerst weiter fest im Griff haben. Die drastisch gestiegenen Ölpreise haben Konjunktur- und Inflationssorgen geweckt. Gespannt blicken Anleger daher den zahlreichen Zentralbanksitzungen entgegen, die in der kommenden Woche anstehen. So tagen unter anderem die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England, die Schweizerische Nationalbank und die Reserve Bank of Australia (RBA).
In Reaktion auf die Angriffe israelischer und US-Streitkräfte auf den Iran hat Teheran seinerseits Ziele in Israel und anderen Ländern der Region angegriffen, dazu Minen in der Straße von Hormus gelegt und Schiffe attackiert, die diesen wichtigen Transportweg für Öl passierten. Die Meerenge, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte laufen, ist damit faktisch blockiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat wegen des Kriegs ihre Prognose des Ölangebots 2026 deutlich gesenkt. Zwar hat die IEA eine rekordhohe Mengen an Ölreserven freigegeben, auch haben etliche Länder Preisobergrenzen etwa für Kraftstoffe beschlossen, um die Belastung für Wirtschaft und Bevölkerung zu lindern, doch haben diese Maßnahmen bisher den Ölpreisanstieg kaum gebremst, wie Analystin Ipek Ozkardeskaya von Swissquote anmerkt.
Ein schnelles Ende des Krieges scheint derzeit nicht in Sicht. Hatte US-Präsident Donald Trump zu Beginn der Woche noch angekündigt, dass der Krieg "sehr bald" beendet sein werde, so räumte er nun ein, dass er mehr besorgt darüber sei, dass der Iran Atomwaffen bauen könnte, als über die hohen Ölpreise.
Mit Ausnahme der RBA, von der am Markt weithin mit einer Zinserhöhung gerechnet wird, dürfte nach Meinung von Beobachtern zunächst keine der genannten Zentralbanken an der Zinsschraube drehen. Mit Blick auf den weiteren geldpolitischen Kurs werden sich die Währungshüter jedoch voraussichtlich vorsichtiger äußern. So dürfte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am kommenden Donnerstag einräumen, dass die EZB nicht mehr "in a good place" ist, wenn es um die Bewahrung mittelfristiger Preisstabilität geht.
Auch in den USA haben sich durch den Iran-Krieg die Rahmenbedingungen für die Herstellung von Preisstabilität und Vollbeschäftigung nicht gerade verbessert. Während sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt etwas eingetrübt hat, ist die Inflation immer noch zu hoch, um die von Präsident Trump geforderte Zinssenkung vorzunehmen. Umgekehrt stünden aber auch keine Zinserhöhungen auf der Agenda, schreibt Christoph Balz von der Commerzbank mit Blick auf den Zinsentscheid am Mittwoch. Die Fed wolle sicherlich abwarten, wie lange sich der Iran-Krieg und die Verwerfungen an den Energiemärkten hinzögen. Sollte sich die Lage bald beruhigen und die längerfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben, dürfte sie den Preisschock als Einmaleffekt ansehen, der die Inflation nur vorübergehend erhöht.
Die Bank of England dürfte am Donnerstag angesichts des Krieges die Zinssenkung, mit der die Märkte aufgrund der zuletzt gesunkenen Inflation noch vor kurzem fest gerechnet hatten, verschieben. Denn der Ölpreisschock trifft Großbritannien besonders hart, da das Land rund 40 Prozent seines Öls und bis zu 60 Prozent seines Erdgases importiert.
Konjunkturseitig steht am Dienstag in Deutschland der ZEW-Index im Blick. Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Konjunkturerwartungen im März eingetrübt haben. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das ifo-Institut haben ihre Prognosen des deutschen Wirtschaftswachstums 2026 in dieser Woche schon gesenkt.
Im Zuge der Bilanzsaison werden die Märkte noch einige Unternehmensergebnisse verarbeiten müssen, in Deutschland meist aus der zweiten und dritten Reihe. Aus dem DAX wird nur Vonovia am Donnerstag über den Verlauf des Geschäftsjahrs 2025 berichten. Spannend könnte schon am Dienstag die Kapitalmarktveranstaltung von Sartorius werden, auf der der neue CEO Michael Grosse einen neuen Ausblick auf die Jahre 2026 bis 2030 geben dürfte.
Die Deutsche Bank zieht derweil eine insgesamt positive Bilanz der Berichtssaison. Die Gewinne der DAX-Unternehmen seien im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 17 Prozent gestiegen und hätten die Erwartungen um 3 Prozent übertroffen.
Zum Abschluss der Woche dürfte der Große Verfalltermin Bewegung in den Markt bringen. Er könnte vor dem Hintergrund des Iran-Krieges spannender werden als sonst. Viele Anleger befänden sich, trotz aller negativer Ereignisse, noch in der Komfortzone und seien entweder in die sicheren Häfen abgewandert oder aber abgesichert, heißt es von CMC Markets. Nun müsse sich zeigen, wie lange diese Situation Bestand haben könne.
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March 13, 2026 05:17 ET (09:17 GMT)
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