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Wer hätte das gedacht? GameStop, einst abgeschrieben als sterbender Videospielladen, steht möglicherweise vor der radikalsten Verwandlung seiner Geschichte. Chef Ryan Cohen träumt nicht klein: Er will den Börsenwert des Unternehmens verzehnfachen, und zwar nicht irgendwann, sondern bald. Dafür sitzt GameStop auf einem Bargeldberg von rund neun Milliarden US-Dollar. Geld, das Cohen gezielt einsetzen will. Ein großes Übernahmeziel ist bereits im Visier. Ob Cohen dabei an den legendären Investor Warren Buffett heranreicht, oder ob sein Plan spektakulär scheitert, hängt an einem einzigen Deal. Und der CEO weiß das genau. Sein eigenes Gehalt hat er direkt daran geknüpft. Vieles erinnert an Tesla und Elon Musk.
Von Meme-Aktie zur Investmentmaschine
Die Geschichte von GameStop liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch. Alles begann 1984 mit einem kleinen Softwarehändler namens Babbage's in Dallas, Texas. Über mehrere Umwege und Fusionen entstand daraus schließlich GameStop, das 2002 als GME an der New Yorker Börse notiert wurde. In den Nullerjahren kaufte der Konzern alles, was nicht niet- und nagelfest war: EB Games, Micromania, ThinkGeek. Zeitweise war GameStop der größte Videospielladen der Welt. Dann kam der Abschwung. Der boomende Online-Handel fraß den stationären Einzelhandel auf. Ab 2016 fiel der Börsenwert kontinuierlich. 2018 schrieb GameStop mit 673 Millionen US-Dollar Verlust - rote Zahlen wie noch nie. Hunderte Filialen wurden geschlossen. Das Unternehmen wirkte wie ein Auslaufmodell. Was dann 2021 passierte, versteht die Welt bis heute kaum vollständig. Kleinanleger, organisiert über die Plattform Reddit, kauften massenhaft GameStop-Aktien, um Hedgefonds mit Short-Positionen zu treffen, die auf fallende Kurse gewettet hatten. Der Kurs schoss in astronomische Höhen. Broker wie Robinhood sperrten zeitweise den Handel, für Kleinanleger, nicht für Großinvestoren. Das Chaos war perfekt. Netflix verfilmte das Ganze später als "Dumb Money". Und GameStop war weltweit in aller Munde.

Charttechnik
Der Aktienkurs hat sich seit dem Meme-Hoch von 2021 deutlich abgekühlt, bewegt sich aber weiterhin auf erhöhtem Niveau, verglichen mit den Tiefstkursen vor dem Squeeze. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 31,04 US-Dollar, erreicht im Mai 2025. Aktuell notiert die Aktie bei rund 24,50 US-Dollar, damit befindet sie sich im mittleren Bereich der Jahresspanne. Das 52-Wochen-Tief von um die 20 US-Dollar liegt schon deutlicher unter dem aktuellen Kurs. Charttechnisch bildet der Bereich um 24 bis 25 US-Dollar eine Art Zwischenunterstützung. Ein Ausbruch über 28 US-Dollar würde neue Kaufsignale generieren, die in Richtung 40 oder 50 Euro führen könnten, während ein Rutsch unter 20 US-Dollar die Lage deutlich eintrüben würde. Die Volatilität bleibt hoch, das ist bei GameStop wohl dauerhafter Normalzustand.
Was tun?
Ryan Cohen hat GameStop in kurzer Zeit operational deutlich verbessert. Im jüngsten Quartal erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 77,1 Millionen US-Dollar, gegenüber einem Minus von 3,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge kletterte um 7 Prozentpunkte. Das sind echte Fortschritte. Cohen plant aber auch eine große Übernahme mit dem Ziel, den Börsenwert auf 100 Milliarden US-Dollar zu verzehnfachen. Aktuell liegt er bei rund 10,50 Milliarden. Von Tesla hat Elon Musk ein ähnlich konstruiertes Vergütungspaket bekommen, das nur bei Erreichen bestimmter Marktkapitalisierungsziele zahlt und fällig wird. Bei Cohen läuft es genauso, er verdient massiv, aber nur wenn GameStop wirklich liefert. Das schafft Anreize, ist aber auch ein Zeichen für die enorme Fallhöhe. Die fundamentale Entwicklung zeigt eine Verbesserung, die Nachrichtenlage ist interessant, der Chart solide. Wer investiert, wettet aber letztlich auf einen einzigen großen Deal, und auf einen CEO, der weiß, dass er keine zweite Chance bekommt. Eine Spekulation für risikofreudige Anleger, aber kein Investment für Sicherheitsbedürftige.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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