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TEHERAN/TEL AVIV (dpa-AFX) - Nach Angriffen auf Anlagen der iranischen Gasindustrie am größten Gasfeld der Welt droht der Iran im Krieg mit Israel und den USA, seinerseits Gasfelder und Raffinerien in Golfstaaten zu attackieren. Die iranische Militärführung begründete dies damit, dass zivile und lebenswichtige Infrastruktur angegriffen worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Die Zeit begrenzter Gefechte sei vorbei. Das Kriegspendel bewege sich in Richtung eines "umfassenden Wirtschaftskriegs".
Sollten die Revolutionsgarden ihre Drohung wahr machen, Anlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar anzugreifen, würden diese noch weiter in den Krieg hineingezogen.
Angriff nahe dem größten Gasfeld der Welt
Medien berichteten unter Berufung auf israelische Regierungskreise, dass die Luftwaffe des Landes die Angriffe auf die Gasindustrie am Persischen Golf geflogen habe. Betroffen seien petrochemische Anlagen bei der Industriestadt Asalujeh, berichteten die Nachrichtenagenturen Tasnim und Mehr. Bei Asalujeh liegt mit "South Pars" das größte Gasfeld der Welt, das der Iran und Katar getrennt voneinander ausbeuten. Die Region ist zentral für den iranischen Energiesektor und deckt etwa 70 Prozent der heimischen Gasversorgung. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums warf Israel einen "gefährlichen und unverantwortlichen Schritt" inmitten der militärischen Eskalation vor.
Außenminister Johann Wadephul warnte vor einer Ausweitung des Kriegs. Er habe "ein wirkliches Eskalationspotenzial, was nicht nur diese Region, sondern die Welt insgesamt in eine allergrößte Krise stürzen kann", sagte der CDU-Politiker in Berlin.
Israel: Irans Geheimdienstchef getötet
Israel setzte seine Angriffe auf iranische Top-Funktionäre fort. Der Geheimdienstminister Ismail Chatib sei getötet worden, teilte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz mit. Aus dem Iran gab es zunächst keine Bestätigung. Außerdem hat Israels Führung nach Angaben von Katz die Tötung jedes ranghohen iranischen Vertreter genehmigt. Dafür sei keine weitere Genehmigung erforderlich.
Laridschani und sein Sohn werden beigesetzt
Israel hat im Iran-Krieg Dutzende führende Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, darunter Irans obersten Führer Ali Chamenei und Sicherheitschef Ali Laridschani. Zur Trauerfeier für Laridschani und seinen ebenfalls getöteten Sohn kamen Regierungsanhänger in Teheran zusammen. Irans Geheimdienst fahndet nun nach Regierungsgegnern. Teheran ging eigenen Angaben zufolge gegen Dutzende Netzwerke von Oppositionellen vor, insbesondere Anhänger des Schah-Sohns Reza Pahlavi, der im Ausland eine führende Rolle in der Opposition beansprucht.
Mindestens zwölf Tote in Beirut
Bei israelischen Luftangriffen in der Hauptstadt Beirut wurden nach libanesischen Angaben mindestens 12 Menschen getötet und 41 weitere verletzt. Am frühen Mittwochmorgen erschütterte eine Explosion das Stadtviertel Baschura: Laut einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur wurde ein Hochhaus getroffen und komplett in Trümmer gelegt. Zuvor hatte Israels Militär vor Angriffen gewarnt. Das Viertel war bereits in der vergangenen Woche Ziel von Luftangriffen gewesen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar, der sich längst zu einem Krieg im Nahen und Mittleren Osten ausgewachsen hat, sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 2.300 Zivilisten ums Leben gekommen. Mehr als 1.400 Tote seien im Iran gemeldet worden, fast 900 im Libanon und 20 in Israel, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Tausende Menschen in den drei Ländern seien verletzt worden.
Einschlag auf Gelände von iranischem AKW
Im Zuge der Angriffe Israels und der USA auf den Iran schlug nach Angaben aus Teheran ein Geschoss auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr ein. Das Kraftwerk selbst sei nicht beschädigt worden, teilten die iranischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Es habe auch keine Verletzten gegeben. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden.
USA setzen Bunkerbrecher gegen iranische Stellungen ein
Die US-Streitkräfte warfen nach eigenen Angaben bunkerbrechende Bomben auf besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus ab - einer strategisch wichtigen Meerenge, über die große Mengen Öl verschifft werden. Mehrere der Bomben mit einem Gewicht von jeweils knapp 2,3 Tonnen seien erfolgreich eingesetzt worden, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten mit. Demnach zielte der Angriff auf Stellungen mit Marschflugkörpern ab, die gegen Schiffe in der Meerenge eingesetzt werden sollten.
Diskussion um "unmittelbare Bedrohung"
In den USA war ein Regierungsmitarbeiter aus Protest gegen den Iran-Krieg zurückgetreten. US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard nahm dazu Stellung. Es obliege US-Präsident Donald Trump als Oberbefehlshaber zu beurteilen, was eine unmittelbare Bedrohung darstelle und was nicht, und ob er Maßnahmen ergreife, die er zum Schutz der eigenen Truppen, der amerikanischen Bevölkerung und des Landes für notwendig erachte, schrieb sie auf X.
Der Chef des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joseph Kent, hatte am Dienstag seinen Rücktritt bekanntgegeben, weil vom Iran aus seiner Sicht keine unmittelbare Bedrohung für die USA ausgegangen ist. Es sei offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten den Krieg auf israelischen Druck begonnen hätten./mrd/DP/zb
