
© Foto: fn Symbolbild
Der norwegische Wasserstoffspezialist Nel ASA hat 2025 den schmerzhaftesten Einschnitt seiner Geschichte hinter sich gebracht. Die Zahlen sehen zunächst katastrophal aus, doch wer genauer hinschaut, erkennt ein Unternehmen, das den Mut aufbringt, radikal umzubauen, bevor es vielleicht zu spät ist. Während alte Technologien gnadenlos abgeschrieben wurden, explodierten die Auftragseingänge regelrecht. Ein südkoreanischer Weltkonzern hat sich eingekauft, die EU stellt Fördermillionen bereit, und eine neue Elektrolyseur-Plattform soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Was wirklich hinter den Zahlen steckt, erklären wir Ihnen hier.
Nel ASA: Harter Schnitt, und warum das gut sein könnte
Nel ASA hat 2025 einen klaren Schlussstrich gezogen. Der Jahresumsatz sank um 31 Prozent auf rund 963 Millionen Norwegische Kronen. Im vierten Quartal wuchs der Nettoverlust auf 870 Millionen Kronen an, nach nur 64 Millionen im Vorjahr. Das sind Zahlen, bei denen seriöse Investoren eher das Weite suchen. Doch schaut man genauer hin, erkennt man, dass rund 800 Millionen Kronen dieses Verlustes aus rein buchhalterischen Abschreibungen stammen. Nel hat seine erste Elektrolyseur-Generation bewusst aus der Bilanz gestrichen, Maschinen, Patente, Produktionslinien. Das Unternehmen räumt auf, um freie Bahn für das zu haben, was als nächstes kommt. Mit rund 1,6 Milliarden Kronen an liquiden Mitteln sitzt Nel dabei auf einem soliden Polster, ohne kurzfristig frisches Kapital einsammeln zu müssen.
Charttechnik
Noch Mitte 2023 kostete ein Nel-Anteilsschein noch über 1,20 Euro. Heute sind es knapp 0,21 Euro. Trotzdem gibt es erste technische Zeichen einer Stabilisierung. Die Aktie hat sich zwischen 0,18 und 0,20 Euro gefangen und zuletzt eine kleine Aufwärtstrend entwickelt, wenn auch nur sehr, sehr zaghaft. Damit der Kurs wirklich Fahrt aufnehmen kann, muss Nel zunächst die 0,22 Euro zuverlässig überwinden, danach wäre 0,25 Euro die nächste Hürde. Vorsicht: Der RSI kletterte zuletzt auf 74, das deutet auf eine kurzfristig überkaufte Situation hin. Ein Rücksetzer auf 0,19 bis 0,21 Euro wäre deshalb möglicherweise ein günstigerer Einstiegsmoment.

Was tun?
Nel ASA steckt mitten irgendwo zwischen Resignation und Aufbruch. Das ist unbehaglich, aber nicht zwingend schlecht. Die Auftragseingänge des vierten Quartals 2025 stiegen um 364 Prozent auf 686 Millionen Kronen. Samsung E&A hat sich mit knapp über 9 Prozent beteiligt und Nel zum bevorzugten Wasserstoffpartner erklärt. Das ist keine bloße Gefälligkeit, sondern strategisches Industrieinteresse. Die neue Druckalkali-Plattform soll noch im ersten Halbjahr 2026 auf den Markt kommen, die EU fördert den Aufbau mit bis zu 135 Millionen Euro. Berenberg bewertet die Aktie aktuell mit "Hold". Wer langfristig denkt und auf einen Durchbruch im Wasserstoffsektor setzt, findet bei Nel einen sicherlich interessanten, hochspekulativen Wert vor. Ein gezielter Erstkauf nach einem Rücksetzer auf knapp unter 0,20 Euro, mit einem strikten Stopp-Loss knapp unter 0,17 Euro, erscheint möglich. Größere Positionen sollte man sich eventuell bis nach den April-Zahlen aufsparen, dann zeigt sich, ob aus dem Versprechen ein belastbarer Aufwärtstrend wird.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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