
© Foto: fn Symbolbild
Jahrelang war Plug Power vor allem für viele Investoren eins - eine Enttäuschung. Immer wieder verpasste das Unternehmen seine eigenen Ziele, verlor Führungspersonal, brannte Milliarden an Cash durch, und lieferte dennoch kaum etwas Vernünftiges oder Nachhaltiges. Doch Ende 2025 schien sich etwas zu verschieben. Das vierte Quartal brachte Zahlen, mit denen kaum jemand gerechnet hatte: erstmals seit Jahren eine positive Bruttomarge, ein Umsatzwachstum von fast 13 Prozent und ein Verlust je Aktie, der deutlich besser ausfiel als erwartet. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit einer Sammelklage und gesetzlichem Gegenwind rund um staatliche Förderprogramme. Die Frage, die Anleger jetzt bewegt: Ist das das Comeback, oder wieder nur ein kurzes Aufflackern? Wir schauen für Sie genau hin.
Starke Quartalszahlen nach langer Durststrecke
Man muss ehrlich sein: Plug Power hat es seinen Aktionären in den vergangenen Jahren nicht leicht gemacht. Versprechen wurden gegeben, Versprechen wurden gebrochen. Führungskräfte kamen und gingen. Der Aktienkurs dümpelte zeitweise bei unter 1 US-Dollar. Umso bemerkenswerter ist, was das Unternehmen nun für das Geschäftsjahr 2025 melden konnte. Der Umsatz kletterte auf knapp 710 Millionen US-Dollar, ein Plus von fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch was wirklich aufhorchen lässt, ist die Entwicklung im vierten Quartal. Erstmals seit mehreren Jahren erzielte Plug Power eine positive Bruttomarge. Im gleichen Quartal des Vorjahres stand noch ein Bruttoverlust von rund 233 Millionen US-Dollar in den Büchern. Dieser Schwenk ins Positive ist kein Zufall. Das Unternehmen hat unter dem Programm "Project Quantum Leap" kräftig gespart und umstrukturiert. Lieferverträge wurden neu verhandelt, Kosten bei Service und Produktion gesenkt, und auch der Preismix bei den verkauften Produkten verbesserte sich spürbar. Obendrauf wurde ein Streit mit Walmart beigelegt, der das Unternehmen im schlimmsten Fall über 42 Millionen zusätzliche Aktien hätte kosten können. Das ist vom Tisch, gut für alle bestehenden Aktionäre. Und der operative Mittelabfluss? Der sank im Jahresvergleich um über 26 Prozent. Plug Power verbrennt noch immer Cash, aber deutlich weniger als zuvor. Mit gut 368 Millionen US-Dollar an freier Liquidität am Jahresende und einem geplanten Erlös aus einem Asset-Deal von über 275 Millionen US-Dollar ist die Liquiditätssituation stabiler als seit Langem.
Charttechnik
Wer sich den Chart von Plug anschaut, sieht zunächst einen traurigen Candlestick-Verlauf von oben links nach rechts unten. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 4,04 Euro, erreicht Anfang Oktober 2025, bevor der abrupte Abgang von CEO Andrew Marsh und Präsident Sanjay Shrestha das Papier innerhalb eines Tages um mehr als 6 Prozent einbrechen ließ. Das Tief? 0,62 Euro im Mai 2025. Von dort kämpfte sich die Aktie langsam zurück. Im März 2026 notiert sie bei rund 1,80 bis 2,00 Euro, ein Niveau, das charttechnisch bedeutsam ist. Die Marke von 2 Euro gilt als psychologisch wichtige Hürde. Gelingt es dem Kurs, sich nachhaltig darüber zu etablieren, könnten die nächsten Ziele bei 2,50 bis 2,80 Euro liegen, so sehen es auch einige Analysten. Der Aufwärtstrend der letzten Wochen ist intakt. Wer auf Rücksetzer wartet, könnte einen Einstieg im Bereich 1,80 bis 1,95 Euro ins Auge fassen. Das Handelsvolumen hat zuletzt wieder angezogen, was auf zunehmendes Interesse hindeutet. Kurzum: Die Charttechnik zeigt eine Erholung, aber noch kein klares Ausbruchssignal. Der RSI hat aber noch Platz nach oben und liegt erst bei entspannten 58 Punkten.

Was tun?
Die Antwort fällt nicht ganz einfach. Plug Power ist kein Investment für jedermann, vor allem nicht dann wenn man schwache Nerven hat. Das zeigt schon der Blick auf die nackten Fundamentaldaten: ein Nettoverlust von über zwei Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 und ein negatives EPS von -2,31 US-Dollar je Aktie. Dazu kommt eine Sammelklage, die Anfang 2026 eingereicht wurde. Die Klage dreht sich um angeblich zu optimistische Aussagen zur staatlichen Kreditgarantie des US-Energieministeriums in Höhe von 1,66 Milliarden US-Dollar, und zu Plänen für den Bau von Wasserstoffproduktionsanlagen, die dann doch nicht wie geplant umgesetzt wurden. Auf der anderen Seite: Die operativen Fortschritte sind nicht wegzudiskutieren. Eine positive Bruttomarge nach Jahren der Verluste stimmt optimistisch. Das Management hat konkrete Maßnahmen umgesetzt, und die Ergebnisse zeigen sich in den Zahlen. Analysten sehen das Kursziel im Schnitt bei über 2,80 US-Dollar, das ist spürbares Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs. Plug Power könnte sich als kleine Beimischung für risikobewusste Anleger eignen. Eine große Wette auf diesen Titel wäre jedoch verfrüht. Der nächste Meilenstein kommt am 13. Mai 2026, dann präsentiert Plug Power die Zahlen für das erste Quartal 2026.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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