TEHERAN (dpa-AFX) - Nach fast drei Wochen Krieg herrscht bei vielen Iranerinnen und Iranern Verunsicherung und Frust. Eigentlich ist März eine der schönsten Zeiten im Iran. Am Freitag beginnt das persische Neujahrsfest Norus. Doch die Basare und Einkaufspassagen sind leer. Viele Händler sitzen frustriert in ihren Läden, wie Bewohner aus der Hauptstadt Teheran erzählen. Andere haben die Hoffnung aufgegeben und ihre Geschäfte bereits geschlossen.
Viele Familien harren in ihren Wohnungen aus. "Meine Frau und ich wissen nicht, was wir machen sollen", sagt Dschawad, ein 72 Jahre alter Rentner. "Wie lange soll das noch so weitergehen? Keiner hat eine Antwort!" Der frühere Bankangestellte sagt, er befürworte eigentlich militärische Gewalt für einen Machtwechsel. "Auch nach drei Wochen Krieg ist das Regime noch da, Land und Volk aber sind am Ende", sagt er. "Wenn sie nun auch die Polizeiwachen und Öl- und Gasfelder angreifen, kommt es zu einem wahren Chaos. Keine Sicherheit mehr, noch mehr Kriminalität und irgendwann auch kein Strom."
"Ich habe keine Hoffnung mehr in dieses Land"
Sana geht eigentlich noch zur Schule. Die 18-Jährige hatte gehofft, dass es schnell zu einem Sturz der Regierung kommt. Gut drei Wochen nach Kriegsbeginn bestimmen jedoch Sorgen und Hoffnungslosigkeit ihren Alltag. "Dieses Land wird vollständig zerstört", sagt sie. Während die Schulen geschlossen bleiben, versucht sie sich täglich mit Büchern und Anime abzulenken. Nach dem Krieg will sie auswandern. "Ich habe keine Hoffnung mehr in dieses Land", sagt sie.
Amin ist ein Jahr jünger. Er hat keine Angst, wenn die Kampfjets über die Häuserdächer donnern, wie er erzählt. Trotz der Bombardierungen in der Hauptstadt trifft er sich mit Freunden noch zum Fußballtraining, geht in Parks und spielt Videogames. "Meine Generation ist furchtlos und wächst mit dem Krieg auf", erzählt er. "Aber was mich wirklich beunruhigt, ist die Zukunft. All die Pläne, die ich für mein Leben hatte, stehen jetzt unter dem schweren Schatten des Krieges", erzählt er enttäuscht. "Am Ende ist es unsere Generation, die die Kosten dieses Krieges tragen muss", sagt der 17-Jährige.
Banafscheh lebt im Westen der Hauptstadt und Millionenmetropole Teheran. Wenn der Tod führender Staatsmänner verkündet wird, empfindet sie Schadenfreude. Sie ist der Meinung, man müsse den Krieg aushalten. "Das Regime wäre ja nicht freiwillig mit schönen Worten gegangen, daher musste man mit ihm die Sprache sprechen, die es kennt. Und das ist Gewalt", sagt die 41-Jährige. Die Alternative wäre, sich mit der Staatsführung abzufinden. "Wenn wir Änderungen wollen, dann sind diese harten Zeiten halt der Preis", sagt sie./arb/DP/jha
