GENF (dpa-AFX) - Der Krieg gegen den Iran und die wachsenden Spannungen im Nahen Osten bedrohen nach Angaben der WTO das Wachstum des globalen Handels. Wenn der Konflikt anhält, die Energiepreise hoch blieben und damit Transportkosten steigen, dürfte dies das Wachstum in diesem Jahr um 0,5 Prozentpunkte senken, wie die Welthandelsorganisation (WTO) berichtet.
Ein möglicher Lichtblick: "Die Aussichten könnten sich noch verbessern, wenn der Konflikt schnell beendet wird und der Boom bei den Ausgaben für künstliche Intelligenz anhält", schreibt die WTO in ihrem halbjährlichen Handelsausblick.
Die WTO sieht den Warenhandel in einem optimistischen Szenario ohne Energiepreisschocks in diesem Jahr um 1,9 Prozent wachsen. Schlechter war die Lage zuletzt 2023: mit einem Rückgang des Welthandels um gut ein Prozent infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine.
Sollten aber die Preise für Öl und Gas das ganze Jahr hoch bleiben, würde dies das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte schmälern. Für 2027 wäre ohne Energiepreisschocks ein Wachstum von 2,6 Prozent drin, glaubt die WTO.
KI beflügelt Wachstum 2025
Die Bilanz für 2025 sei unerwartet positiv, so die WTO - und dies trotz der höchsten US-Zölle seit dem Zweiten Weltkrieg. Die WTO gibt das Wachstum im weltweiten Warenhandel für 2025 mit 4,6 Prozent an. Im Oktober hatte sie nur mit 2,4 Prozent gerechnet.
Das Prognoseinstitut McKinsey Global geht sogar von mehr als sechs Prozent Wachstum aus. Als Grund nennen beide unter anderem den Boom um Produkte mit Künstlicher Intelligenz (KI). Die WTO führt als Grund auch vorgezogene Bestellungen von Firmen angesichts der Zollsituation an.
China läuft Deutschland Rang ab
McKinsey macht zudem eine neue Rolle Chinas aus, das zunehmend Maschinen statt Konsumgütern exportiere: "China entwickelt sich damit zur "Fabrik der Fabriken" - einer Rolle, die traditionell von Deutschland besetzt wurde und die nun zunehmend von chinesischen Anbietern übernommen wird", heißt es dort.
Aus Sicht von McKinsey haben Deutschland und Europa die Chance vertan, als Ersatzlieferant einzuspringen, als die USA Importe aus China stark reduzierten. Asiatische Länder und Indien hätten hier schneller und flexibler reagiert./als/DP/nas
