HANNOVER (dpa-AFX) - Die Situation der Energieversorgung in Deutschland beunruhigt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Die hohen Preise an den Tankstellen würden zu Recht diskutiert, sagte der SPD-Politiker in einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".
Angesichts der ohnehin schon hohen Energiepreise sei die Sorge, dass der Krieg gegen den Iran nicht ohne Folgen bleiben werde, berechtigt. "Meine sehr dringende Bitte an den Bund: Alle Szenarien diskutieren, um möglichst wirkungsvoll gegensteuern zu können", sagte Lies.
Er sehe auch die Mineralölunternehmen in der Pflicht, etwas gegen die hohen Preise zu unternehmen."Wenn wir jetzt einen Teil der nationalen Ölreserve freigeben, erwarten wir natürlich positive Folgen. Alles andere wäre unanständig", erklärte der Politiker.
Diversifizierung der Gas-Bezugsquellen
Lies wies auch auf den aktuell relativ geringen Füllstand der Gasspeicher hin. "Normalerweise werden im Frühjahr und Sommer zu besseren Preisen die Gasspeicher aufgefüllt. Nun steigen diese Einkaufspreise." Daher sei Deutschland auf die Diversifizierung der Bezugsquellen für Gas über die LNG-Terminals, aber auch durch Lieferungen aus Norwegen oder den Niederlanden angewiesen, erklärte der SPD-Politiker.
Auch die heimische Gasförderung, zum Beispiel in der Nordsee, sei wichtig: "Wir brauchen Gas und wir sollten dringend dafür sorgen, dass es verlässlich da ist." Lies forderte auch ein drittes Terminal für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven an Land. Das habe mehrere Funktionen: Zunächst werde Erdgas importiert, später sollten es klimafreundliche Gase sein, sagte Lies.
Kritik an Atom-Diskussion
Jüngst bezeichnete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Atomausstieg als Fehler. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte den Bau von modernen Mini-Reaktoren. Lies kritisierte diese neuen Diskussionen um die Atomkraft. Diese würden die Menschen und die Industrie gleichermaßen verunsichern. "Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien sind wir auf dem richtigen Weg", sagte der Ministerpräsident. Strom von Windkraftanlagen auf hoher See sei grundlastfähig und habe riesige Akzeptanzvorteile./eks/DP/zb
