
© Foto: Tim Dennert auf Unsplash
In der Aktie von Europas größtem Reisekonzern sind die Käuferinnen und Käufer um Schadensbegrenzung bemüht. Kann die Bodenbildung gelingen?
Explodierender Öl-Preis schickt Reise-Aktien in den Keller
Die eskalierenden Öl- und Gaspreise setzen den Aktienmarkt gehörig unter Druck. Besonders stark vom Abverkauf betroffen sind Unternehmen, deren operative Kosten unmittelbar betroffen sind. Dazu gehören beispielsweise Reiseveranstalter und Anbieter von Kreuzfahrten: Zwar sichern sich die Unternehmen am Optionsmarkt gegen Preisschwankungen ab, nichtsdestotrotz sind Flugbenzin und Schiffsdiesel gewichtige Ausgabenposten. Ein höherer Ölpreis ist also gleichbedeutend mit sinkenden Margen.
Das haben in den vergangenen Wochen auch die Anlegerinnen und Anleger des deutschen Reiseanbieters TUI zu spüren bekommen. Obwohl die Aktie mit viel Schwung in das neue Börsenjahr gestartet ist und Europas größter Touristikkonzern inzwischen operativ so erfolgreich wie selten zuvor wirtschaftet, notieren die Anteile auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch steht am Freitag ein Verlust von mehr als 30 Prozent zu Buche.

TUI-Aktie: Gegenwehr oder Absturz auf neue Tiefs?
Die anhaltenden Verluste werden für die Aktie zu einem immer größeren Problem, weil sie nicht nur eine kurzfristige Korrektur, sondern einen nachhaltigen Trendwechsel befürchten lassen. Das gefährdet die jahrelange Aufbauleistung, welche von den Käuferinnen und Käufern für eine Bodenbildung der Aktie gefordert war. Wie groß ist die Gefahr aktuell?

Der Iran-Krieg war nicht die einzige Ursache für den Absturz
Schon vor dem Beginn des Iran-Krieges handelte die Aktie mit wachsenden technischen Schwierigkeiten. Im Bereich von 9,50 Euro ist es zu einer markanten Top-Bildung gekommen. Die ist das Ergebnis bearisher Divergenzen, nachdem die technischen Indikatoren der Aktie nicht mehr auf neue Hochs folgen konnten.
Mit dem Abrutschen unter die 50-Tage-Linie lieferte TUI ein erstes Verkaufssignal. Im Bereich der 200-Tage-Linie kam es zwar zu Kaufinteresse, das fiel jedoch dem Iran-Krieg zum Opfer. Dass die wichtige Unterstützungslinie schließlich per Gap-Down aufgegeben wurde, ist technisch ein besonders schlechtes Zeichen. Die Supports bei 7,50 und 7,00 Euro hatten dem nichts entgegenzusetzen.
Die Bullen bemühen sich um eine Bodenbildung
Trotz der eskalierenden Auseinandersetzungen im Nahen Osten mit dem gegenseitigen Beschuss von Öl- und Gasanlagen traf die TUI-Aktie in dieser Woche auf erneutes Kaufinteresse. Gefragt war die Aktie im Bereich von 6,60 Euro bis 7,00 Euro.
Damit konnte zwar noch keine wichtige Unterstützung zurückgewonnen oder gar ein Widerstand überwunden werden, die geringfügige Erholung genügte jedoch für erste Entspannungssignale in den technischen Indikatoren.
Eine Gegenbewegung ist möglich, aber technisch schwierig
Der Relative-Stärke-Index hat auf überverkauften Niveaus einen Boden gefunden und somit für erste bullishe Divergenzen gesorgt. Der Trendstärkeindikator MACD zeigt zwar einen hochdynamischen Abwärtstrend an, der Sprung über die (rote) Signallinie ist aber ebenfalls ein Zeichen für nachlassenden Verkaufsdruck. Solche Crossings genügen nach starken Abwärtsbewegungen häufig bereits für eine Aktienkurserholung.
Im Kursverlauf zeigt sich außerdem ein fallender Keil, der bereits verlassen werden konnte. Solche Keilformationen bieten nach starken Abwärtsbewegungen die Chance auf eine Trendwende. Hierfür sollte TUI nach Möglichkeit jedoch nicht nachhaltig unter die jüngsten Tiefstände fallen. Ist das doch der Fall, dürften die Verlaufstiefs bei 6,20 Euro und schließlich auch 5,40 Euro angelaufen werden. Der Grund dieser Vermutung ist, dass der RSI auf Wochen- (33,1) und Monatsbasis (42,9) noch nicht im überverkaufen Bereich angelangt ist.
Fazit: Grauenhafter Chart, aber attraktive Unternehmensbewertung
Die TUI-Aktie befindet sich nach dem steilen Abwärtstrend der vergangenen Wochen auf dünnem Eis. Einerseits liegen in der technischen Indikation erste zaghafte Entspannungssignale vor, andererseits könnte die ausgeprägte Schwäche für weitere Verluste mit neuen Tiefs, die dann wiederum als Verkaufssignale zu bewerten wären, sorgen.
Aus fundamentaler Perspektive ist die Aktie inzwischen ein echtes Schnäppchen. Das KGVe für 2026 liegt bei 4,9, während eine Dividendenrendite von 3,2 Prozent erwartet wird. Das ist in der Reisebranche konkurrenzlos günstig. Hält das Unternehmen seine Versprechen ein und kann 2026 weiter zulegen, ist auch das Gewinnwachstum mit einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0,3 äußerst attraktiv.
Solange die geopolitischen Spannungen und mit ihnen der Ölpreis nicht weiter eskalieren, liegt zwar ein schwacher Trend, fundamental aber eine hervorragende Einstiegschance vor.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




