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US-Präsident Donald Trump bleibt sich treu und rudert, wenn es für ihn zu brenzlich wird zurück. Der Markt reagiert vorerst erleichtert - doch für wie lange?
Trump überrascht den Markt - und stoppt den Ausverkauf
Seit Wochen fallende Aktienmärkte, explodierende Energiepreise und statt weiteren Zinssenkungen plötzlich Wetten auf steigende Zinsen schon im Sommer - einmal mehr scheint der Druck auf US-Präsident Donald Trump nur wenige Monate vor den Midterm-Wahlen zu groß geworden zu sein.
Der reagierte daher wie üblich, wenn ihm ein von ihm selbst verursachtes Problem über den Kopf gewachsen ist und ruderte im Konflikt mit dem Iran zurück! Es habe am Wochenende "produktive Gespräche" gegeben, weswegen er die Frist zur Öffnung der Straße von Hormus um 5 Tage verlängern werde.
Zwar dementierte die Islamische Republik über die Nachrichtenagentur Fars die Darstellung von Trump - doch die nach einem Strohhalm lechzenden Anlegerinnen und Anleger kauften den Markt binnen weniger Minuten nach oben. Dem am Montagmorgen noch tief im Minus notierenden Aktienmarkt ist damit eine spektakuläre Wende gelungen. In der Spitze legte der deutsche Leitindex DAX um mehr als 1.600 Punkte zu. Bei Anlegerlieblingen wie Siemens Energy kam es zu zweistelligen Intraday-Reversals.

Keine rasche Rückkehr zur Normalität zu erwarten
Doch die Erholung zum Wochenauftakt könnte auf tönernen Füßen stehen. Bereits in den vergangenen Tagen zeigte sich eine wachsende Kluft zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Sollte Israel mit den angeblichen Friedensbemühungen nicht zufrieden sein, könnte es die Verhandlungen jederzeit im wahrsten Sinne des Wortes torpedieren.
Dazu kommt, dass selbst eine rasche Einstellung der Kampfhandlungen kaum eines der in den vergangenen Wochen entstandenen Probleme beheben würde: Nachdem in der Golfregion zahlreiche Förder-, Weiterverarbeitungs- und Transportanlagen für Öl und Gas beschädigt wurden, könnte es noch Monate - in Einzelfällen sogar Jahre - dauern, bis die Kapazitäten von vor dem Krieg wieder vollständig hergestellt sind. Bis es auf dem weltweiten Energiemarkt zu einer Normalisierung kommt, dürfte als einige Zeit ins Land gehen.
Bis dahin dürfte die Inflation wieder ansteigen, was Notenbanken unter Zugzwang setzt. In den vergangenen Wochen mussten Anlegerinnen und Anleger jede Hoffnung auf Zinssenkungen vorerst begraben. Der ohnehin schwierige Pfad vieler Zentralbanken zwischen fragiler Konjunktur auf der einen Seite und Inflationsgefahren auf der anderen ist jetzt noch etwas schmaler und geldpolitischer Erfolg damit noch schwieriger geworden.

Viele Märkte jetzt in technischen Schwierigkeiten
Dazu kommt, dass die Verkaufslawinen der vergangenen Wochen auch die Chartbilder nicht nur vieler Einzelaktien, sondern auch von Gesamtmarktindizes schwer getroffen haben. Reihenweise sind Basiswerte unter wichtige Unterstützungen abgestürzt, sodass es zu zahlreichen Verkaufssignalen gekommen ist.
Im deutschen Leitindex DAX ist die Lage besonders prekär, weil hier nicht nur die 50-Tage-Linie, sondern auch die 200-Tage-Linie, welche langfristige Trends bestimmt, aufgegeben wurde. Womit gleich zwei Verkaufssignale vorliegen. Ein drittes könnte bald dazukommen, da die Durchschnittslinien ein sogenanntes Death Cross befürchten lassen.
Mut macht aktuell nur, dass es zumindest im Relative-Stärke-Index (RSI) zu einer Bodenbildung gekommen ist. Ob diese ausreicht, um eine dauerhafte Trendwende zu erzwingen, darf angesichts der schwachen Gesamtlage bezweifelt werden. Die anhaltende Schwäche der SAP-Aktie (neues Mehrjahrestief zum Wochenauftakt), die auf eine Indexgewichtung von 9,4 Prozent kommt, ist dabei nicht hilfreich.

Fazit: Nicht gleich schon wieder All-In gehen!
US-Präsident Donald Trump sorgt am Montag einmal mehr für einen Taco-Trade und eine spektakuläre Kurswende der weltweiten Finanzmärkte.
Die durch den Iran-Krieg aufgeworfenen Schwierigkeiten dürften aber selbst bei einem zum aktuellen Zeitpunkt überraschenden Verhandlungserfolg wenigstens mittelfristig erhalten bleiben, sodass es für eine Wette auf eine nachhaltige Kurserholung noch zu früh ist.
Wer in den vergangenen Wochen Cash beiseitegelegt hat, sollte daher mit Umsicht agieren und dieses jetzt nicht auf einmal investieren. Dort, wo bereits eine Bodenbildung in Sicht ist, sollte in Tranchen gekauft werden, wo es noch nach fallendem Messer aussieht, sollte lieber abgewartet werden - der Markt ist angesichts seiner technisch inzwischen schlechten Verfassung nur eine schlechte Nachricht von neuen Verlusten entfernt.
Gastautor: Max Gross
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