Der Nahostkonflikt ist längst mehr als ein regionaler Konflikt - er wirkt wie ein globaler Wirtschaftsschock mit Sprengkraft für Inflation, Finanzmärkte und Energiepolitik. Knapp ein Fünftel des weltweiten Ölhandels und bis zu 30% der Öl- und Gasmengen passieren die Straße von Hormus; ihre faktische Blockade trifft das Herz der Weltkonjunktur. Energiepreise als Brandbeschleuniger Mit den Luftangriffen und der Verminung zentraler Schifffahrtsrouten ist der Strom von Tankern durch Hormus weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Folge: Der Ölpreis hat die Marke von 100 US-Dollar deutlich überschritten, in manchen Szenarien wird bereits über 150 Dollar spekuliert. Für Europa bedeutet das einen kräftigen Inflationsschub; Schätzungen gehen davon aus, dass ein solches Niveau die Teuerung um mehr als einen Prozentpunkt nach oben treiben und das Wachstum um rund einen halben Punkt drücken könnte. In Asien, wohin über 80% des durch Hormus verschifften Öls fließen, sind die Risiken noch größer: China, Indien, Japan und Südkorea hängen in hohem Maß an diesen Lieferungen und sind entsprechend verwundbar. Die USA stehen dank ihrer Schieferölproduktion etwas stabiler da, doch auch dort treiben höhere Spritpreise die Inflation und belasten die Realeinkommen. Grenzen der strategischen Reserven Die politische Standardreaktion - Öl aus den strategischen Reserven freizugeben - stößt dieses Mal schnell an Grenzen. Die IEA-Mitglieder haben den größten Reserveeinsatz ihrer Geschichte beschlossen: 400 Millionen Barrel, knapp ein Viertel ihrer verfügbaren Bestände. Doch diese Menge kann den täglichen Ausfall aus Hormus, der im zweistelligen Millionen-Barrel-Bereich liegt, rechnerisch nur wenige Wochen kompensieren. Wenn überhaupt, dann maximal für die rund vier Wochen, die US-Präsident Donald Trump anfangs für die etwaige Dauer des Konflikts genannt hatte. Genau deshalb reagieren die Märkte nicht ...Den vollständigen Artikel lesen ...
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