München (ots) -
Seit 1. Januar 2026 gibt es neue Bewertungsmaßstäbe für Nutri-Score, die bekannte Lebensmittel-Nährwert-Ampel. Lebensmittelhersteller, die das fünfstufige System mit den Noten A bis E nutzen, müssen jetzt verbindlich eine angepasste Berechnungsmethode anwenden. Die Änderungen bringen mehr Klarheit darüber, wie viel Zucker, Salz und Ballaststoffe in Lebensmitteln stecken. Die überarbeitete Bewertung orientiert sich noch stärker an aktuellen wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen. TÜV SÜD gibt einen Überblick und erklärt, was Verbraucher über den neuen Nutri-Score wissen müssen.
Welche Frischkäsezubereitung im Supermarktregal ist hinsichtlich ihres Nährwerts die bessere Wahl? Sind alle Chips ernährungsphysiologisch gleich "ungesund"? Und entspricht die Nährstoffzusammensetzung des Joghurts dem, was die Aufmachung an Vitalität suggeriert? Der Nutri-Score ist eine erweiterte Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen. Er soll Verbraucherinnen und Verbrauchern ohne besonderes Ernährungswissen am Verkaufsregal die Entscheidung zwischen den Produkten einer Kategorie erleichtern. Von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet, bewertet er die Zusammensetzung vor allem mit Blick auf ernährungsbedingte Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Jetzt näher an den aktuellen Ernährungsempfehlungen
Um die Nährwertkennzeichnung an die neuesten wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen anzupassen, wurde die Berechnung des Nutri-Scores umfassend überarbeitet. Die neue, präzisere Berechnungsmethode bewertet Lebensmittel in mehreren Punkten strenger als bisher - insbesondere stark verarbeitete Produkte mit hohem Salz-, Zucker- oder Süßstoffgehalt schneiden dadurch oft schlechter ab. Dies soll Lebensmittelproduzenten dazu bewegen, bei der Entwicklung und Verbesserung ihrer Rezepturen die Gesundheit der Konsumierenden stärker in den Fokus zu nehmen.
Die wesentlichen Änderungen in der Bewertungsmethode:
- Strengere Grenzen: Zucker und Salz schlagen bei der Berechnung der Punkte schneller negativ zu Buche. Damit Hersteller Zucker für das Geschmackserlebnis nicht einfach durch Süßstoffe ersetzen, bewertet der Nutri-Score jetzt auch den Einsatz von Süßstoffen negativ. Produkte wie Softdrinks und Müsli schneiden dadurch oft schlechter ab als bisher.
- Pluspunkte für Proteine und Ballaststoffe: Produkte mit einem hohen Anteil an Protein oder Ballaststoffen können nach der neuen Wertung einen besseren Score erzielen. Das wirkt sich insbesondere bei Milchprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten positiv aus, sofern Zucker und Salz sparsam dosiert sind. Die sogenannten roten Fleischsorten erhalten allerdings maximal zwei Punkte für Eiweiß, was auf der Skala meist C oder niedriger bedeutet. Bei Ballaststoffen wurde der Mindestgehalt für eine positive Bewertung angehoben.
- Neue Kategorie für Öle und Nüsse: Gesunde pflanzliche Fette und Nüsse, die viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, haben nun einen besseren Nutri-Score. Damit wurde ein zentraler Schwachpunkt des alten Berechnungssystems beseitigt, bei dem der naturgemäß hohe Fettgehalt dieser Produkte zu einer schlechten Einstufung geführt hatte. Das betrifft zum Beispiel Olivenöl.
- Geänderte Getränke-Regel: Milchgetränke und Pflanzendrinks gelten nicht länger als allgemeine Lebensmittel, sondern werden jetzt wie alle anderen Flüssigkeiten strenger als Getränke berechnet: Ein A im Nutri-Score erhält nur Wasser, fettarme Milch wird dagegen in der Regel mit B, Vollmilch mit C bewertet.
Freiwillige Lebensmittelampel: Aushängeschild für durchdachte Lebensmittelrezepturen
Seit seiner Einführung 2020 kennzeichnen immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Lebensmittelerzeugnisse freiwillig mit dem Nutri-Score. Neben der Freiwilligkeit ist auch die Optik der Lebensmittelampel seither unverändert: die fünfstufige Skala vom dunkelgrünen A, das für eine ernährungsphysiologisch eher günstige Nährstoffzusammensetzung steht, bis zum roten E, das eine eher ungünstige Produktwahl kennzeichnet.
Kritik am Nutri-Score
Allerdings gibt es auch Kritik am System. Demnach vereinfache der Nutri-Score zu stark und verzerre teilweise die ernährungsphysiologische Qualität. Produkte, die früher im grünen Bereich lagen, erhalten trotz unveränderter Rezeptur mit den heutigen Kriterien eine schlechtere Bewertung. Und weil der Nutri-Score keine Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker berücksichtigt, ist die Biobranche benachteiligt, da sie etwa Zucker nicht so einfach ersetzen kann wie Nicht-Bio-Produzenten. Zudem wird beanstandet, dass der Nutri-Score nicht EU-weit gilt und auch die Freiwilligkeit der Nutzung innerhalb eines Landes zu Wettbewerbsverzerrungen führen würde. Außerdem sei die gesundheitliche Wirksamkeit der Ampel nicht belegt. Teile der Lebensmittelindustrie befürworten statt der Nährwert-Ampel einen ganzheitlichen Ansatz etwa mit Fokus auf Ernährungsbildung.
"Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen immer bewusster ein und wissen eine klare und verständliche Lebensmittelkennzeichnung zu schätzen. Der Nutri-Score trägt durchaus zur Transparenz am Supermarktregal bei", sagt Dr. Andreas Daxenberger, Lebensmittelexperte bei TÜV SÜD. "Einem schlechteren Score durch die überarbeitete Berechnungsmethode können Hersteller mit gut durchdachten Rezepturen entgegenwirken - auch wenn das erhebliche Änderungen in den Abläufen bedeutet. Denn ein hoher Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Ballaststoffen oder Proteinen kann die negativen Punkte für strenger bewertete Zutaten in der Gesamtrechnung teilweise ausgleichen."
Angesichts von Produktmängeln und Rückrufaktionen ist für Verbraucherinnen und Verbraucher neben der Lebensmittelkennzeichnung auch eine qualitätskonforme Produktionskette ein wichtiges Kriterium für ihre Kaufentscheidung und Markentreue. TÜV SÜD unterstützt Unternehmen in Lebensmittelproduktion und -vertrieb durch Zertifizierungen nach freiwilligen Qualitätssicherungsstandards, z. B. nach dem International Food Standard (IFS). "Diese Standards ergänzen - wie die Teilnahme am ebenfalls freiwilligen Nutri-Score - gesetzliche Regelungen um wichtige Qualitätsaspekte", so Dr. Andreas Daxenberger.
Weitere Informationen zu Lebensmittelqualität gibt es unter https://ots.de/RyeApQ .
Hinweis für Redaktionen: Die Pressemeldung und das Bild gibt es im Internet unter tuvsud.com/presse (https://www.tuvsud.com/de-de/presse-und-medien).
Pressekontakt:
Laura Albrecht
TÜV SÜD
Public Relations
Westendstr. 199, 80686 München
Telefon: +49 89 5791-2935
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Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/38406/6242998
Seit 1. Januar 2026 gibt es neue Bewertungsmaßstäbe für Nutri-Score, die bekannte Lebensmittel-Nährwert-Ampel. Lebensmittelhersteller, die das fünfstufige System mit den Noten A bis E nutzen, müssen jetzt verbindlich eine angepasste Berechnungsmethode anwenden. Die Änderungen bringen mehr Klarheit darüber, wie viel Zucker, Salz und Ballaststoffe in Lebensmitteln stecken. Die überarbeitete Bewertung orientiert sich noch stärker an aktuellen wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen. TÜV SÜD gibt einen Überblick und erklärt, was Verbraucher über den neuen Nutri-Score wissen müssen.
Welche Frischkäsezubereitung im Supermarktregal ist hinsichtlich ihres Nährwerts die bessere Wahl? Sind alle Chips ernährungsphysiologisch gleich "ungesund"? Und entspricht die Nährstoffzusammensetzung des Joghurts dem, was die Aufmachung an Vitalität suggeriert? Der Nutri-Score ist eine erweiterte Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen. Er soll Verbraucherinnen und Verbrauchern ohne besonderes Ernährungswissen am Verkaufsregal die Entscheidung zwischen den Produkten einer Kategorie erleichtern. Von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet, bewertet er die Zusammensetzung vor allem mit Blick auf ernährungsbedingte Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Jetzt näher an den aktuellen Ernährungsempfehlungen
Um die Nährwertkennzeichnung an die neuesten wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen anzupassen, wurde die Berechnung des Nutri-Scores umfassend überarbeitet. Die neue, präzisere Berechnungsmethode bewertet Lebensmittel in mehreren Punkten strenger als bisher - insbesondere stark verarbeitete Produkte mit hohem Salz-, Zucker- oder Süßstoffgehalt schneiden dadurch oft schlechter ab. Dies soll Lebensmittelproduzenten dazu bewegen, bei der Entwicklung und Verbesserung ihrer Rezepturen die Gesundheit der Konsumierenden stärker in den Fokus zu nehmen.
Die wesentlichen Änderungen in der Bewertungsmethode:
- Strengere Grenzen: Zucker und Salz schlagen bei der Berechnung der Punkte schneller negativ zu Buche. Damit Hersteller Zucker für das Geschmackserlebnis nicht einfach durch Süßstoffe ersetzen, bewertet der Nutri-Score jetzt auch den Einsatz von Süßstoffen negativ. Produkte wie Softdrinks und Müsli schneiden dadurch oft schlechter ab als bisher.
- Pluspunkte für Proteine und Ballaststoffe: Produkte mit einem hohen Anteil an Protein oder Ballaststoffen können nach der neuen Wertung einen besseren Score erzielen. Das wirkt sich insbesondere bei Milchprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten positiv aus, sofern Zucker und Salz sparsam dosiert sind. Die sogenannten roten Fleischsorten erhalten allerdings maximal zwei Punkte für Eiweiß, was auf der Skala meist C oder niedriger bedeutet. Bei Ballaststoffen wurde der Mindestgehalt für eine positive Bewertung angehoben.
- Neue Kategorie für Öle und Nüsse: Gesunde pflanzliche Fette und Nüsse, die viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, haben nun einen besseren Nutri-Score. Damit wurde ein zentraler Schwachpunkt des alten Berechnungssystems beseitigt, bei dem der naturgemäß hohe Fettgehalt dieser Produkte zu einer schlechten Einstufung geführt hatte. Das betrifft zum Beispiel Olivenöl.
- Geänderte Getränke-Regel: Milchgetränke und Pflanzendrinks gelten nicht länger als allgemeine Lebensmittel, sondern werden jetzt wie alle anderen Flüssigkeiten strenger als Getränke berechnet: Ein A im Nutri-Score erhält nur Wasser, fettarme Milch wird dagegen in der Regel mit B, Vollmilch mit C bewertet.
Freiwillige Lebensmittelampel: Aushängeschild für durchdachte Lebensmittelrezepturen
Seit seiner Einführung 2020 kennzeichnen immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Lebensmittelerzeugnisse freiwillig mit dem Nutri-Score. Neben der Freiwilligkeit ist auch die Optik der Lebensmittelampel seither unverändert: die fünfstufige Skala vom dunkelgrünen A, das für eine ernährungsphysiologisch eher günstige Nährstoffzusammensetzung steht, bis zum roten E, das eine eher ungünstige Produktwahl kennzeichnet.
Kritik am Nutri-Score
Allerdings gibt es auch Kritik am System. Demnach vereinfache der Nutri-Score zu stark und verzerre teilweise die ernährungsphysiologische Qualität. Produkte, die früher im grünen Bereich lagen, erhalten trotz unveränderter Rezeptur mit den heutigen Kriterien eine schlechtere Bewertung. Und weil der Nutri-Score keine Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker berücksichtigt, ist die Biobranche benachteiligt, da sie etwa Zucker nicht so einfach ersetzen kann wie Nicht-Bio-Produzenten. Zudem wird beanstandet, dass der Nutri-Score nicht EU-weit gilt und auch die Freiwilligkeit der Nutzung innerhalb eines Landes zu Wettbewerbsverzerrungen führen würde. Außerdem sei die gesundheitliche Wirksamkeit der Ampel nicht belegt. Teile der Lebensmittelindustrie befürworten statt der Nährwert-Ampel einen ganzheitlichen Ansatz etwa mit Fokus auf Ernährungsbildung.
"Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen immer bewusster ein und wissen eine klare und verständliche Lebensmittelkennzeichnung zu schätzen. Der Nutri-Score trägt durchaus zur Transparenz am Supermarktregal bei", sagt Dr. Andreas Daxenberger, Lebensmittelexperte bei TÜV SÜD. "Einem schlechteren Score durch die überarbeitete Berechnungsmethode können Hersteller mit gut durchdachten Rezepturen entgegenwirken - auch wenn das erhebliche Änderungen in den Abläufen bedeutet. Denn ein hoher Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Ballaststoffen oder Proteinen kann die negativen Punkte für strenger bewertete Zutaten in der Gesamtrechnung teilweise ausgleichen."
Angesichts von Produktmängeln und Rückrufaktionen ist für Verbraucherinnen und Verbraucher neben der Lebensmittelkennzeichnung auch eine qualitätskonforme Produktionskette ein wichtiges Kriterium für ihre Kaufentscheidung und Markentreue. TÜV SÜD unterstützt Unternehmen in Lebensmittelproduktion und -vertrieb durch Zertifizierungen nach freiwilligen Qualitätssicherungsstandards, z. B. nach dem International Food Standard (IFS). "Diese Standards ergänzen - wie die Teilnahme am ebenfalls freiwilligen Nutri-Score - gesetzliche Regelungen um wichtige Qualitätsaspekte", so Dr. Andreas Daxenberger.
Weitere Informationen zu Lebensmittelqualität gibt es unter https://ots.de/RyeApQ .
Hinweis für Redaktionen: Die Pressemeldung und das Bild gibt es im Internet unter tuvsud.com/presse (https://www.tuvsud.com/de-de/presse-und-medien).
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