München (ots) -
- Forschende der LMU München, des Natural History Museum in London und der University of Oxford haben an zwei jungpaläolithischen Fundstätten die ältesten DNA-Belege für Hunde entdeckt.
- Die identifizierten Proben sind rund 5.000 Jahre älter als die bisher ältesten genetischen Belege für Hunde.
- Die Ergebnisse ermöglichen eine Neubewertung früherer Funde und legen nahe, dass die Domestizierung von Hunden wesentlich früher begann als bisher angenommen.
Die Vorfahren der heutigen Haushunde begleiteten den Menschen schon lange - vermutlich bereits, bevor die ersten Nomaden sesshaft wurden. Wann genau die Domestizierung vom Wolf zum Hund begann, blieb jedoch bislang im Dunkeln. Ein internationales Team unter der Leitung der LMU München, des Natural History Museum in London und der University of Oxford hat nun einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Durch Analysen alter DNA entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die ältesten genetischen Belege von Hunden. Ihre im Fachjournal Nature veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass Hunde bereits Jahrtausende früher domestiziert wurden als bisher geglaubt.
Ältester direkter Nachweis von Hunden
Die Ursprünge der Domestizierung vom Wolf zum Hund anhand archäologischer Funde genau zurückzuverfolgen, ist schwierig. Dies liegt nicht nur an den begrenzten archäologischen Aufzeichnungen aus der Zeit vor der Landwirtschaft: Die Skelette von Wölfen und Hunden sind in diesen frühen Phasen morphologisch kaum voneinander zu unterscheiden, und Verhaltensunterschiede - ein entscheidendes Kriterium für die Domestizierung - zeichnen sich nicht in den Knochen ab.
In der neuen Studie analysierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 17 Forschungsinstituten daher alte Kern-DNA aus Proben der jungpaläolithischen Fundstätten Gough's Cave im Vereinigten Königreich (etwa 14.300 Jahre alt) und Pinarbasi in der Türkei (etwa 15.800 Jahre alt). Sie verglichen diese Daten mit den Genomen von über 1.000 modernen und antiken Hunden und Wölfen. Ihre Ergebnisse zeigten, dass es sich bei den Tieren der jungpaläolithischen Fundstätten tatsächlich um Hunde handelte. Zuvor datierten die frühesten eindeutigen Belege für Hunde nur 10.900 Jahre zurück - was diese Individuen zum ältesten direkten Nachweis für Hunde im archäologischen Befund macht. Den Forschenden zufolge deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass Hunde bereits Jahrtausende früher domestiziert worden sein könnten als bisher angenommen.
"Die genetische Identifizierung von zwei paläolithischen Hunden aus der Gough's Cave und Pinarbasi stellt einen Wendepunkt in unserem Verständnis der frühesten Hunde dar. Diese Exemplare ermöglichten es uns, weitere antike Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz zu identifizieren, was deutlich zeigt, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren", sagt Dr. William Marsh, Postdoktorand am Natural History Museum in London und Co-Erstautor der Studie.
Bereits vor 15.000 Jahren sehr unterschiedliche Abstammungslinien
Die neuen DNA-Daten zeigten zudem, dass die neu identifizierten Hunde enger mit den Vorfahren heutiger europäischer und nahöstlicher Rassen, wie Boxern und Salukis, verwandt waren als mit arktischen Rassen wie Siberian Huskies. Daraus schließen die Forschenden, dass die wichtigsten genetischen Linien der Hunde bereits im Jungpaläolithikum etabliert waren.
"Das bedeutet, dass vor 15.000 Jahren bereits Hunde mit sehr unterschiedlicher Abstammung in ganz Eurasien existierten, von Somerset bis Sibirien. Dies wirft die Möglichkeit auf, dass die Domestizierung bereits während der letzten Eiszeit stattfand - mehr als 10.000 Jahre vor dem Erscheinen anderer domestizierter Pflanzen oder Tiere", sagt Dr. Lachie Scarsbrook, Postdoktorand an der LMU und Co-Erstautor der Studie.
Welche Rolle diese Hunde in paläolithischen Gemeinschaften spielten, bleibt unklar. Die Forschenden vermuten jedoch, dass genetisch und kulturell unterschiedliche Jäger-Sammler-Gruppen Hunde aktiv ausgetauscht haben könnten. "Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen. Angesichts begrenzter Ressourcen impliziert ihre Haltung, dass sie einen Zweck erfüllten. Eine Möglichkeit ist, dass sie als hocheffizientes Alarmsystem dienten", erklärt der LMU-Paläogenetiker Professor Laurent Frantz, der die Studie gemeinsam mit Professor Ian Barnes (Natural History Museum, London) und Professor Greger Larson (University of Oxford) leitete.
Publikation:
W. A. Marsh, L. Scarsbrook et al.: Dogs were widely distributed across Western Eurasia during the Palaeolithic.
Nature 2026
https://doi.org/10.1038/s41586-026-10170-x
Kontakt:
Prof. Laurent Frantz
Lehrstuhl für Systemische Tiergenomik,
Tierärztliche Fakultät, LMU München
laurent.frantz@lmu.de
https://www.vetmed.lmu.de/animalgenomics/
Pressekontakt:
Claudia Russo
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
80802 München
Phone: +49 (0) 89 2180-2706
E-Mail: Claudia.Russo@lmu.de
Original-Content von: Ludwig-Maximilians-Universität München, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/60694/6243479
- Forschende der LMU München, des Natural History Museum in London und der University of Oxford haben an zwei jungpaläolithischen Fundstätten die ältesten DNA-Belege für Hunde entdeckt.
- Die identifizierten Proben sind rund 5.000 Jahre älter als die bisher ältesten genetischen Belege für Hunde.
- Die Ergebnisse ermöglichen eine Neubewertung früherer Funde und legen nahe, dass die Domestizierung von Hunden wesentlich früher begann als bisher angenommen.
Die Vorfahren der heutigen Haushunde begleiteten den Menschen schon lange - vermutlich bereits, bevor die ersten Nomaden sesshaft wurden. Wann genau die Domestizierung vom Wolf zum Hund begann, blieb jedoch bislang im Dunkeln. Ein internationales Team unter der Leitung der LMU München, des Natural History Museum in London und der University of Oxford hat nun einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Durch Analysen alter DNA entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die ältesten genetischen Belege von Hunden. Ihre im Fachjournal Nature veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass Hunde bereits Jahrtausende früher domestiziert wurden als bisher geglaubt.
Ältester direkter Nachweis von Hunden
Die Ursprünge der Domestizierung vom Wolf zum Hund anhand archäologischer Funde genau zurückzuverfolgen, ist schwierig. Dies liegt nicht nur an den begrenzten archäologischen Aufzeichnungen aus der Zeit vor der Landwirtschaft: Die Skelette von Wölfen und Hunden sind in diesen frühen Phasen morphologisch kaum voneinander zu unterscheiden, und Verhaltensunterschiede - ein entscheidendes Kriterium für die Domestizierung - zeichnen sich nicht in den Knochen ab.
In der neuen Studie analysierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 17 Forschungsinstituten daher alte Kern-DNA aus Proben der jungpaläolithischen Fundstätten Gough's Cave im Vereinigten Königreich (etwa 14.300 Jahre alt) und Pinarbasi in der Türkei (etwa 15.800 Jahre alt). Sie verglichen diese Daten mit den Genomen von über 1.000 modernen und antiken Hunden und Wölfen. Ihre Ergebnisse zeigten, dass es sich bei den Tieren der jungpaläolithischen Fundstätten tatsächlich um Hunde handelte. Zuvor datierten die frühesten eindeutigen Belege für Hunde nur 10.900 Jahre zurück - was diese Individuen zum ältesten direkten Nachweis für Hunde im archäologischen Befund macht. Den Forschenden zufolge deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass Hunde bereits Jahrtausende früher domestiziert worden sein könnten als bisher angenommen.
"Die genetische Identifizierung von zwei paläolithischen Hunden aus der Gough's Cave und Pinarbasi stellt einen Wendepunkt in unserem Verständnis der frühesten Hunde dar. Diese Exemplare ermöglichten es uns, weitere antike Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz zu identifizieren, was deutlich zeigt, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren", sagt Dr. William Marsh, Postdoktorand am Natural History Museum in London und Co-Erstautor der Studie.
Bereits vor 15.000 Jahren sehr unterschiedliche Abstammungslinien
Die neuen DNA-Daten zeigten zudem, dass die neu identifizierten Hunde enger mit den Vorfahren heutiger europäischer und nahöstlicher Rassen, wie Boxern und Salukis, verwandt waren als mit arktischen Rassen wie Siberian Huskies. Daraus schließen die Forschenden, dass die wichtigsten genetischen Linien der Hunde bereits im Jungpaläolithikum etabliert waren.
"Das bedeutet, dass vor 15.000 Jahren bereits Hunde mit sehr unterschiedlicher Abstammung in ganz Eurasien existierten, von Somerset bis Sibirien. Dies wirft die Möglichkeit auf, dass die Domestizierung bereits während der letzten Eiszeit stattfand - mehr als 10.000 Jahre vor dem Erscheinen anderer domestizierter Pflanzen oder Tiere", sagt Dr. Lachie Scarsbrook, Postdoktorand an der LMU und Co-Erstautor der Studie.
Welche Rolle diese Hunde in paläolithischen Gemeinschaften spielten, bleibt unklar. Die Forschenden vermuten jedoch, dass genetisch und kulturell unterschiedliche Jäger-Sammler-Gruppen Hunde aktiv ausgetauscht haben könnten. "Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen. Angesichts begrenzter Ressourcen impliziert ihre Haltung, dass sie einen Zweck erfüllten. Eine Möglichkeit ist, dass sie als hocheffizientes Alarmsystem dienten", erklärt der LMU-Paläogenetiker Professor Laurent Frantz, der die Studie gemeinsam mit Professor Ian Barnes (Natural History Museum, London) und Professor Greger Larson (University of Oxford) leitete.
Publikation:
W. A. Marsh, L. Scarsbrook et al.: Dogs were widely distributed across Western Eurasia during the Palaeolithic.
Nature 2026
https://doi.org/10.1038/s41586-026-10170-x
Kontakt:
Prof. Laurent Frantz
Lehrstuhl für Systemische Tiergenomik,
Tierärztliche Fakultät, LMU München
laurent.frantz@lmu.de
https://www.vetmed.lmu.de/animalgenomics/
Pressekontakt:
Claudia Russo
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
80802 München
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