
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT)
Aus dem Anlegerliebling und KI-Darling Microsoft ist ein Ärgernis für Investoren geworden. Ein Drittel des früheren Börsenwertes ist schon futsch!
Software-Aktien auch weiterhin im freien Fall
Mit Blick auf die Aktienkurse ist selbst nach vielen Wochen noch immer kein Ende der sogenannten Software- beziehungsweise SaaS-Apokalypse in Sicht. Werte wie Adobe, Microsoft und SAP erreichen fast täglich neue Tiefs, sogar zum Teil Mehrjahrestiefs, und liefern damit immer neue Verkaufssignale.
Die Furcht vor einer KI-Disruption sitzt inzwischen tief, während die einst großzügigen Bewertungsvielfachen innerhalb der Branche zurechtgestutzt werden. Der Wandel zu einem nutzungs- und nicht mehr Nutzer-basierten Abrechnungsmodell lässt ein verlangsamtes Geschäftswachstum befürchten.

Microsoft kämpft mit gleich mehreren Belastungsfaktoren
Bei Microsoft kommt erschwerend die umfangreiche Beteiligung am KI-Pionier OpenAI hinzu. Half diese noch im vergangenen Jahr dazu, den Aktienkurs auf ungeahnte Höhen zu schrauben, wird das Aktienpaket inzwischen zu einer Belastung.
Gegenüber Mitbewerbern wie Alphabet und Anthropic mit ihren Konkurrenzprodukten Gemini und Claude wirkt ChatGPT technologisch inzwischen abgehängt. Der anhaltend hohe Cashburn von OpenAI stellt außerdem den Unternehmenswert in Frage.
Den kann beziehungsweise muss Microsoft jedoch bilanzieren. Sinkt der Wert von OpenAI, muss Microsoft einen optisch niedrigeren Gewinn ausweisen, während gleichzeitig die massiven KI-Investitionen auf den Erträgen lasten. Das hat die Aktie gegenüber ihrem Allzeithoch inzwischen fast ein Drittel an Wert gekostet.
Das Fehlen von Gegenwehr ist besorgniserregend
Angesichts der massiven Kursverluste wettet eine wachsende Zahl von Anlegerinnen und Anlegern auf einen Turnaround der Anteile. Gleichzeitig steigt die Frustration, da bislang keine ernsthafte Gegenwehr der Bullen zu beobachten ist.
Aus technischer Perspektive ist es tatsächlich besorgniserregend, dass es in den vergangenen Monaten noch nicht mal zu einem Anstiegsversuch über die 50-Tage-Linie gekommen ist. Damit hat das durch das Death Cross Mitte Januar ausgelöste Verkaufssignal und die Top-Bildung im Bereich von 500 bis 550 US-Dollar voll eingeschlagen.
Aufgrund ausgeprägter Schwäche: Die Kursverluste dürften anhalten
Im Bereich von 400 US-Dollar zeigte sich zwischenzeitliches Kaufinteresse, im Februar war es im Relative-Stärke-Index (RSI) sogar zu ersten bullishen Divergenzen gekommen, die Hoffnung auf eine Trendwende aufkeimen ließen.
Die mussten jedoch mit dem nach dem Beginn des Iran-Krieges schwachen Gesamtmarktumfeld begraben werden. Inzwischen nimmt die Microsoft-Aktie Kurs auf die Unterkante des Abwärtstrendkanals. Von der ist selbst das 52-Wochen-Tief bei rund 350 US-Dollar nicht mehr weit entfernt.
Frische Kaufsignale liegen derzeit in weiter Ferne
Mit Blick auf die technischen Indikatoren sollten Investoren Kursverluste in diesen Bereich zunächst fest einplanen. Der Trendstärkeindikator MACD ist bereits wieder unter seine rote Signallinie gerutscht, was einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend anzeigt. Gleichzeitig ist der RSI im überverkauften Bereich, was zwar auch für die Möglichkeit einer kurzfristigen Gegenbewegung spricht, zunächst vor allem aber ein Zeichen ausgeprägter Schwäche ist.
Erste prozyklische Kaufsignale lägen hingegen erst wieder oberhalb von 400 US-Dollar beziehungsweise eigentlich sogar der 50-Tage-Linie bei rund 416 US-Dollar vor. Für einen Anstieg in diesen Bereich sind aktuell jedoch keine Indizien zu finden.
Fazit: Die Zeit für einen Einstieg ist noch nicht gekommen
Auch aus fundamentaler Perspektive bietet die Microsoft-Aktie keinen unmittelbaren Grund für einen Anstieg. Zwar liegen zahlreiche Kennziffern inzwischen um 25 bis 30 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel, was eine Unterbewertung der Anteile nahelegt.
Andererseits hat Microsoft nach den monatelangen Verlusten mit einem KGVe 2026 von 22,3 und einen Kurs-Cashflow-Verhältnis von 16,9 eine branchenübliche Bewertung erreicht. Hier wurde also erstmal "nur" die jahrelang gewährte Bewertungsprämie gekappt.
Für Anlegerinnen und Anleger liegen daher weder technisch noch fundamental Gründe vor, sich auf dem gegenwärtigen Kurs- und Bewertungsniveau zu engagieren. Wer bei Microsoft investieren möchte, sollte entweder höhere Kurse für prozyklische Kaufsignale oder noch tiefere für eine höhere Sicherheitsmarge mit Blick auf die Bewertung abwarten.
Gastautor: Max Gross
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