BERLIN (dpa-AFX) - Bundesbauministerin Verena Hubertz wirbt für die Idee einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Damit könnte der Bund künftig selbst in großem Stil bezahlbare Wohnungen dort bauen, wo sie am dringendsten benötigt würden, erklärte die SPD-Politikerin beim Wohnungsbau-Tag in Berlin.
"Keine Idee ein Tabu"
Sie stellte sich damit hinter eine Idee von SPD-Chef Lars Klingbeil, die dieser in einer Reformrede am Mittwoch vorgeschlagen hatte. Allerdings müsste für die Umsetzung das Grundgesetz geändert werden. "Das ist nicht einfach", räumte Hubertz laut ihrem vorab verbreiteten Redetext ein. Die schwarz-rote Koalition bräuchte für eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag nach jetzigem Stand Stimmen von Grünen und Linken, wenn sie nicht auf die AfD angewiesen sein will.
"Aber in einer Zeit, in der Wohnen zunehmend zur existenziellen Frage wird, darf keine Idee ein Tabu sein", betonte Hubertz. "In dieser Zeit ist ein solcher Vorschlag nicht tollkühn, sondern sogar zwingend."
Branchenverband kritisiert Vorstoß
Klingbeil hatte die Idee mit der Knappheit und den hohen Preisen von Wohnraum in großen Städten begründet. Die Wohnungs- und Baubranche sieht ihn allerdings skeptisch. Die Gründung einer solchen staatlichen Gesellschaft würde viel zu lange dauern, sagte Wolfgang Schubert-Raab vom Zentralverband Deutsche Baugewerbe.
Martin Dornieden vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen bezeichnete den Ansatz als komplett falsch. Staatliche Unternehmen hätten erfahrungsgemäß höhere Kosten. "Die Idee ist zwar ganz nett, aber sie ist falsch", sagte Dornieden./vsr/DP/stk
