DJ MARKT-AUSBLICK/Nahost-Krieg und Inflationssorgen dürften weiter belasten
DOW JONES--Auch die kommende Börsenwoche dürfte im Zeichen des Kriegs im Nahen Osten stehen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum an den Iran nochmals verlängert, um Friedensverhandlungen mehr Zeit einzuräumen, gleichzeitig erwägt er jedoch Vertretern des Verteidigungsministeriums zufolge die Entsendung von 10.000 zusätzlichen Bodentruppen in die Region.
Trump will die Angriffe auf den iranischen Energiesektor - angeblich auf Bitten Teherans - nun bis zum 6. April aussetzen. Damit habe das Risiko einer weiteren Eskalation des Konflikts über das Wochenende zumindest abgenommen, meint Christoph Rieger von der Commerzbank. Die Reaktion der Börsen am Freitag zeige jedoch, dass eine Einigung der Kriegsparteien in den kommenden zehn Tagen wenig wahrscheinlich sei. Vielmehr werde die Verlängerung des Ultimatums dahingehend interpretiert, dass Trump nur Zeit gewinnen wolle, um noch mehr Truppen an den Golf zu entsenden.
Die iranische Seite hat derweil noch keine Bereitschaft signalisiert, auf die Forderungen der USA einzugehen. Auch ist nicht klar, ob überhaupt Verhandlungen stattfinden. Angesichts der verworrenen Nachrichtenlage rund um den Konflikt dürfte es daher auch in der kommenden Woche an den Börsen volatil zugehen, zumal die Ölpreise weiter steigen und sich den Hochs nähern, die sie unmittelbar nach Beginn der israelischen und US-Angriffe auf den Iran erreicht hatten.
Die kräftig gestiegenen Ölpreise hatten zuletzt schon Konjunktur- und Inflationssorgen befeuert - und damit auch die Befürchtung steigender Zinsen. Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum dürfte sich im März wegen des Nahost-Kriegs deutlich eingetrübt haben - wie sehr, das wird der Wirtschaftsstimmungsindex Esi am Montag zeigen. Im Fokus der Aufmerksamkeit von Analysten und Marktteilnehmern dürften die von den Unternehmen erfragten Preiserwartungen stehen. Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nach dem starken Anstieg der Ölpreise erklärt, dass sie genau darauf achten würden, wie sich die Abgabepreise der Unternehmen entwickeln.
Konkrete Anhaltspunkte dafür, inwieweit die Entwicklung am Ölmarkt die allgemeine Teuerung beeinflusst, dürften die vorläufigen März-Daten zu den Verbraucherpreisen in Deutschland und der Eurozone liefern, die am Montag bzw Dienstag veröffentlicht werden sollen. Volkswirte gehen davon aus, dass der Inflationsdruck stark zugenommen hat. Nachdem die Teuerungsrate zuletzt bei rund 1,9 Prozent lag, wird nun genau beobachtet, ob die gestiegenen Energiekosten und Dienstleistungspreise einen neuerlichen Anstieg provozieren und damit die EZB-Zinshoffnungen bremsen.
Einen Einblick in die globale Verbraucherstimmung dürften am Dienstagabend nach Börsenschluss die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal von Nike geben. Analysten erwarten angesichts schwächelnder Nachfrage in Kernmärkten einen deutlichen Gewinnrückgang, der als Gradmesser für den gesamten Einzelhandel gelten könnte.
Der wichtigste Impuls für die Wall Street folgt am Freitag mit dem US-Arbeitsmarktbericht für März. Da die Federal Reserve ihre Geldpolitik stark von der Robustheit des Arbeitsmarktes abhängig macht, könnten die Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payrolls) über die Richtung der US-Märkte im zweiten Quartal entscheiden. Ein zu starker Stellenaufbau würde die Inflationssorgen befeuern, während ein deutlicher Rückgang Rezessionsängste schüren könnte - die Börsen hoffen daher auf eine Punktlandung, die den Spielraum für weitere Zinssenkungen offen hält. Die wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe der zurückliegenden Wochen zeugten jedoch von einer immer noch recht guten Beschäftigungslage in den USA.
Kontakt: maerkte.de@dowjones.com
DJG/cln/ros
(END) Dow Jones Newswires
March 27, 2026 08:08 ET (12:08 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
