FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Iran-Krieg mit dem Ölpreisschock hat die Verbraucherpreise in Deutschland auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren getrieben. Im März lag die Inflationsrate bei 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitteilte. Das ist der höchste Stand der Teuerung seit Januar 2024, als 2,9 Prozent gemessen wurden. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 1,9 Prozent betragen.
Einschätzungen von Ökonomen zum Anstieg der Inflation im Überblick:
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank
"Ausschließlich den Energiepreisen ist der Anstieg der Inflationsrate im März zuzuschreiben. Das wird in den kommenden Monaten nicht so bleiben, wenn steigende Energiekosten auch in andere Preise weiter gewälzt werden. Dadurch wird die Inflation vorübergehend sogar über drei Prozent steigen. Vom Ausmaß dieser weiteren Preissteigerungen wird die Europäische Zentralbank abhängig machen, wie stark sie die Leitzinsen im Jahresverlauf erhöht. Würden sich die Lieferketten im Persischen Golf in den kommenden Wochen wieder normalisieren, dann ginge die Inflationsrate im weiteren Jahresverlauf auch wieder zurück."
Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz
"Mit zunehmender Dauer des Konflikts steigt zudem das Risiko von Zweitrundeneffekten auch bei Dienstleistungen, insbesondere über den Arbeitsmarkt. Dabei sind die mittelfristigen Inflationserwartungen der entscheidende Faktor - und damit auch der zentrale Anker für die Geldpolitik. Die EZB wird ihre Zinspolitik dann anpassen, wenn sich diese Erwartungen spürbar nach oben bewegen. Bislang ist davon noch wenig zu sehen. Doch mit anhaltend hohen Energiepreisen wächst dieses Risiko."
Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank
"Es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, dass sich dieses Bild in den kommenden Monaten ändern wird, wenn die Energiekosten der Unternehmen so hoch bleiben wie derzeit und zudem einige Vorprodukte und Endprodukte drohen teurer oder sogar knapp zu werden. Dann dürfte auch die Kernteuerungsrate sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum wieder anziehen und die EZB vor die Entscheidung stellen, ob sie dieser Entwicklung mit Zinserhöhungen entgegentritt. Wir gehen davon aus, dass die Notenbank bei ihrer Sitzung Ende April, wenn die Umfrageergebnisse und die Preisdaten für April zumindest teilweise vorliegen werden, ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte anheben wird."
Sebastian Becker, Analyst bei der Deutschen Bank
"Sofern die Ölpreise nicht weiter zulegen, dürften weite Teile des Energiepreisschocks bereits in der aktuellen Inflationsrate abgebildet sein. Allerdings könnte ein später noch folgender Preisanstieg bei Gas und Strom die Teuerung perspektivisch weiter befeuern. Und zu 'schlechter Letzt' steigt mit jedem Tag, an dem die Energiepreise hoch bleiben, auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Energiepreisschock sich tiefer in den gesamten Warenkorb frisst. Vor allem die Nahrungsmittelpreise, die eng an der Entwicklung der Energiepreise hängen, könnten schon bald deutlich anziehen."
Christoph Swonke, Analyst bei der DZ Bank
"Der seit mehr als vier Wochen dauernde Iran-Krieg hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Durch den Konflikt ist der Transport von rund einem Fünftel des globalen Ölangebots durch die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Auch andere Rohstoffe - etwa für Düngemittel oder die Halbleiterproduktion - durchfahren die Meerespassage im Normalfall. Solange ein Ende der Kampfhandlungen nicht absehbar ist, dürften die Energiepreise weiter kräftig zulegen. Bei einer längerfristigen Krisendauer sind zudem Preissteigerungen bei Transportdienstleistungen und Nahrungsmitteln zu erwarten."
Ulrich Wortberg, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen
"Der Anstieg der Inflationsrate war zu erwarten, nachdem der mittlerweile mehr als vier Wochen währende Iran-Krieg zu einem massiven Energiepreisschub beigetragen hat. So sind die Benzinreise im März gegenüber Ende Februar um gut 15 Prozent gestiegen, bei Diesel fällt der Anstieg noch deutlicher aus. Auch die Inflationsrate für die Eurozone dürfte nach oben getrieben werden."
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