DJ MÄRKTE USA/Uneinheitlich - Widersprüchliche Meldungslage bremst Erholung
DOW JONES--Nach einer zweitägigen Talfahrt im Zuge des Iran-Krieges kommt es am Montag an den US-Börsen zu einer Gegenbewegung. Diese wird aber als äußerst fragil und wenig nachhaltig charakterisiert. Gegen Mittag (Ortszeit New York) gewinnt der Dow-Jones-Index 0,6 Prozent auf 45.448 Punkte. Der S&P-500 legt um 0,1 Prozent zu. Die Nasdaq-Indizes tendieren jedoch knapp behauptet. Stützend wirken nachgebende Anleiherenditen. Der Markt hängt aber weiterhin an den Schlagzeilen rund um den Iran-Krieg, und die liefern eigentlich weiterhin keine Kaufargumente.
Die Meldungslage bleibt wie schon in den Tagen zuvor widersprüchlich. US-Präsident Donald Trump hat sich zwar zuversichtlich über eine mögliche Verhandlungslösung mit dem Iran gezeigt und spricht davon, dass man ernsthaft mit einem "neuen, vernünftigeren Regime" über ein Kriegsende verhandele. Zugleich schließt er allerdings eine Bodenoffensive nicht aus. Seit Tagen verstärken die USA die Präsenz ihrer Bodentruppen in der Region. Gleichzeitig feuert der Iran weiterhin Raketen und Drohnen auf Israel und die unbeteiligten Golfstaaten.
"Es gibt immer noch keine Anzeichen für ein klares Ende des Konflikts, und angesichts der verschiedenen Schlagzeilen bleiben Anleger besorgt über eine neue Eskalation. Bei allem, was passiert ist, werden die Auswirkungen auf den Markt immer gravierender", gibt Makrostratege Henry Allen von der Deutschen Bank keine Entwarnung für den Markt. Abzulesen ist die Verunsicherung am auf hohem Niveau verharrenden Ölpreis. Ein Barrel der Nordseesorte Brent notiert aktuell bei etwa 113 Dollar und damit nicht weit entfernt von seinem Höchststand seit dem Ausbruch des Irankrieges von knapp 120 Dollar.
Nach der Straße von Hormus gerät nun die Meerenge Bab al-Mandab in den Blick. Eine Störung dieses Seeweges könnte Rohöllieferungen zu einer Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung zwingen, was die Transitzeiten verdoppelte und die Kosten in die Höhe triebe, so Analystin Muyu Xu von Kepler. Die Meerenge ist eine schmale Passage, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet.
Die Renditen von US-Staatsanleihen geben von ihren erhöhten Niveaus nach. Die Anleger richten ihren Fokus allmählich sowohl auf die Wachstumsrisiken durch den Krieg als auch auf Inflationssorgen. Stark gestiegene Energiepreise haben dazu geführt, dass die Märkte aufgrund von Inflationssorgen ihre Erwartungen an Zinssenkungen in den USA zurückgeschraubt haben. Die US-Notenbank wird jedoch sowohl die Wachstums- als auch die Inflationsrisiken abwägen müssen. Aktuell überwiegen offenbar die Wachstumssorgen, denn die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihe fällt um 11 Basispunkte auf noch immer sehr hohe 4,33 Prozent.
Der Dollar bleibt als Fluchthafen für verunsicherte Anleger attraktiv, der Dollar-Index gewinnt 0,4 Prozent. Dank nachgebender Marktzinsen ist Gold gesucht, die Feinunze verteuert sich um 1 Prozent. Wegen Dollar-Stärke und hoher Anleiherenditen hatte das Edelmetall kaum vom Kriegsgeschehen in Nahost profitiert. Nun könnte es als vermeintlich sicherer Hafen wiederentdeckt werden, heißt es.
Ein Auftritt von US-Notenbankpräsident Jerome Powell stützt nicht. Demnach tendiert die Federal Reserve aktuell dazu, die Zinsen stabil zu halten und den Energieschock durch den Krieg im Iran vorerst zu ignorieren. Powell warnte jedoch, dass die Fed nicht untätig bleiben könne, falls steigende Preise im Laufe der Zeit die Inflationserwartungen der Öffentlichkeit verändern sollten.
Der hohe Ölpreis treibt die Aktienkurse von Branchenunternehmen wie Exxon Mobil (+1,3%) oder Chevron (+0,6%). Die Aussicht auf einen längeren Ausfall von Düngemittellieferungen aus Nahost stützt derweil CF Industries (+0,5%) und Nutrien (+1,8%).
Unter den Einzelwerten gewinnen Eli Lilly 1 Prozent. Der Pharmakonzern hat ein Abkommen zur Wirkstoffforschung mit InSilico unterzeichnet, einem KI-getriebenen US-Biotechnologieunternehmen. Das in Hongkong börsennotierte Unternehmen teilte mit, dass der Deal einen Wert von bis zu 2,75 Milliarden US-Dollar haben könnte.
Alcoa steigen um 11,1 Prozent, nachdem zwei Aluminiumhersteller im Nahen Osten von iranischen Treffern berichtet haben. Dies schürt die Befürchtung, dass die Versorgung durch den andauernden Konflikt gestört werden könnte - die Preise steigen.
Sysco brechen um 14,1 Prozent ein. Der Großhändler für Lebensmittel und Gastronomiebedarf übernimmt für 29 Milliarden Dollar den bislang in Familienbesitz befindlichen Wettbewerber Jetro Restaurant Depot.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag DJIA 45.448,14 +0,6 +281,50 45.166,64 S&P-500 6.376,61 +0,1 +7,76 6.368,85 NASDAQ Comp 20.910,09 -0,2 -38,27 20.948,36 NASDAQ 100 23.090,51 -0,2 -42,27 23.132,77 US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 3,81 -0,10 3,90 3,81 5 Jahre 3,96 -0,11 4,06 3,96 10 Jahre 4,33 -0,11 4,42 4,33 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 18:46 EUR/USD 1,1453 -0,5 -0,0055 1,1508 1,1508 EUR/JPY 182,6 -1,0 -1,8100 184,41 184,5600 EUR/CHF 0,9162 -0,4 -0,0032 0,9194 0,9180 EUR/GBP 0,8683 +0,1 0,0005 0,8678 0,8676 USD/JPY 159,42 -0,6 -0,8900 160,31 160,3500 GBP/USD 1,3185 -0,5 -0,0071 1,3256 1,3261 USD/CNY 6,9119 0,0 0,0003 6,9116 6,9116 USD/CNH 6,9172 -0,0 -0,0010 6,9182 6,9204 AUS/USD 0,6852 -0,3 -0,0018 0,687 0,6866 Bitcoin/USD 67.294,26 +1,1 732,30 66.561,96 65.635,62 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 103,08 +3,5 3,44 99,64 Brent/ICE 112,53 -0,0 -0,04 112,57 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.537,95 +1,0 45,47 4.492,48 Silber 70,68 +1,6 1,09 69,59 Platin 1.899,21 +1,9 36,32 1.862,89 ===
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