
© Foto: Fotis Fotopoulos auf Unsplash (Symbolbild)
Dreizehn Wochen lang war es ein Ritual, auf das sich Anleger verlassen konnten. Jede Woche ein neuer Bitcoin-Kauf, jede Woche ein Signal von Michael Saylor auf Social Media. Dann, Stille. Ausgerechnet jetzt, wo die Aktie über 60 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau notiert und den 50er und 200er SMA längst gerissen hat, bricht Strategy das Muster. Gleichzeitig verkaufen Insider Aktien, das Unternehmen legt ein Milliardenkapitalprogramm auf, und die Analystenmeinungen sind so uneinheitlich wie selten zuvor. Was läuft wirklich bei dem Unternehmen, das sich zur weltgrößten Bitcoin-Schatzkammer aufgeschwungen hat? Und was bedeutet das für Anleger, die noch drin sind, oder gerade überlegen einzusteigen?
Der Aufstieg zum weltgrößten Bitcoin-Halter
Strategy, das früher unter dem Namen MicroStrategy firmierte, ist längst kein gewöhnliches Softwareunternehmen mehr. Wer die Aktie kauft, kauft im Grunde eine Art Bitcoin-Wette. Das Unternehmen hält inzwischen rund 762.000 Bitcoin, das entspricht etwa 3,4 Prozent aller jemals in Umlauf gebrachten BTCs weltweit. Kein anderes börsennotiertes Unternehmen kommt an diese Zahl heran. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei knapp über 75.000 US-Dollar pro Bitcoin. Auf kurze Sicht drückt dies gewaltig auf die Bilanz. Denn der Bitcoin-Kurs hat zuletzt deutlich nachgegeben. Die Folge ist, dass das Unternehmen erhebliche Buchverluste ausweist. Im letzten Quartalsbericht für das vierte Quartal 2025 stand ein Verlust von 42,93 US-Dollar je Aktie, im Vorjahr waren es noch -3,03 US-Dollar. Der Umsatz stieg zwar leicht um knapp 2 Prozent auf rund 123 Millionen US-Dollar. Doch das operative Kerngeschäft mit Software bleibt klein. Die eigentliche Story dreht sich um Bitcoin, und nur um Bitcoin. Finanziert wird das alles über Kapitalmaßnahmen. Im März 2026 schnürte Strategy ein gewaltiges Paket: Insgesamt 44,1 Milliarden US-Dollar sollen über Aktienplatzierungen und neue Vorzugsaktien eingesammelt werden. Die neuen "STRD"-Vorzugsaktien bieten eine monatliche Dividende von derzeit 11,5 Prozent Jahresrendite und richten sich vor allem an einkommensorientierte Anleger. Rund 80 Prozent dieser Papiere befinden sich bereits in den Händen von Privatanlegern.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart ist aktuell eher enttäuschend. Die Aktie notiert bei rund 12 US-Dollar und hat damit in den letzten zwölf Monaten über 60 Prozent an Wert verloren. Das 52-Wochen-Hoch lag im Juli 2025 noch bei 455 US-Dollar. Davon ist man weit entfernt. Die Aktie ist längst unter wichtige Unterstützungslinien gefallen. Auch die übergeordnete Trendstruktur zeigt klar nach unten. Das 52-Wochen-Tief wurde im Februar 2026 bei ca. 107 US-Dollar markiert. Dieser Bereich ist jetzt die entscheidende Unterstützungszone. Hält sie nicht, droht weiterer Abgabedruck. Auf der anderen Seite haben Investoren der früheren Stunden noch Gewinne im Depot. Aber das auch bis jetzt unter extremen Schwankungen. Der RSI liegt bei 27 und damit im überkauften Bereich. Technisch könnte daher eine Gegenbewegung möglich sein, muss aber nicht zwangsläufig passieren.
Was tun?
Wer jetzt überlegt, ob Strategy in sein Depot gehört, sollte sich eine Frage ehrlich beantworten. Wie gut sind meine Nerven und wie viel Schwankung halte ich wirklich aus? Strategy ist kein normales, ruhiges Investment. Es ist ein gehebeltes Instrument auf den Bitcoin-Kurs, mit allem, was dazugehört. Fundamental liefert das operative Softwaregeschäft kaum Wachstum. Der Verlust je Aktie im letzten Quartal spiegelt die Bitcoin-Schwäche direkt wider. Gleichzeitig glaubt die Mehrheit der Analysten weiterhin an die Aktie, mit einem durchschnittlichen Kursziel von über 300 US-Dollar. Das klingt positiv. Auch das Kapitalrahmenprogramm über 44 Milliarden US-Dollar zeigt, dass das Management weiter an den Plan glaubt. Die Kommunikationspause beim Bitcoin-Kauf könnte tatsächlich nur ein taktisches Manöver sein, um die neuen Vorzugsaktien ins Rampenlicht zu rücken. Die Insiderverkäufe wurden als Steuerdeckung aus vorab festgelegten Handelsplänen eingestuft, daher wohl kein großes Alarmsignal, aber ein Punkt, den man im Auge behalten sollte. Unterm Strich: Die Aktie bleibt ein Hochrisiko-Investment mit erheblichem Potenzial nach oben, aber ebenso nach unten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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