DJ EZB stellt umfassende Zahlungsverkehrsstrategie vor
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine umfassende Strategie für die Entwicklung des Zahlungsverkehrs im Euroraum in Zeiten eines rasanten technologischen Wandels vorgestellt. Wie die EZB mitteilte, ergänzt die Strategie die Bargeldstrategie, erweitert die für den Massenzahlungsverkehr und deckt nun auch Großbetrags-, Firmenkunden- und grenzüberschreitende Zahlungen ab. Bei Bedarf soll sie weiter angepasst werden.
Die Strategie berücksichtigt laut EZB-Mitteilung die schrittweise Einführung neuer Technologien wie Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technologie. Sie stelle sicher, dass Innovationen möglich seien und zugleich Zentralbankgeld der Anker für Vertrauen und Stabilität bleibe. "Zahlungen sind für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, und sie verändern sich rasant", sagte EZB-Direktor Piero Cipollone. Die EZB arbeite daran, dass Massen-, Großbetrags- oder Firmenkundenzahlungen sowohl im Inland als auch grenzüberschreitend zuverlässig, schnell, wettbewerbsfähig und offen für Innovationen blieben.
Die Strategie verfolgt vier strategische Hauptziele: Erstens soll die Schlüsselrolle von Zentralbankgeld auf den Märkten für Massen- und Großbetragszahlungen erhalten bleiben. Dies sichere die Wirksamkeit der Geldpolitik, die Finanzstabilität und das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme. Zweitens soll das europäische Zahlungssystem robuster und autonomer werden. Drittens fördere sie einen stärker integrierten, innovativen und wettbewerbsfähigen Zahlungsverkehr für Menschen und Unternehmen. Viertens unterstützt sie nach EZB-Aussage die internationale Rolle des Euro.
Potenzial der Tokenisierung soll genutzt werden
Die Strategie empfiehlt demnach, das innovative Potenzial der Tokenisierung zu nutzen. Sie skizziert die Position des Eurosystems zu tokenisierten Abwicklungswerten. Bei der Abwicklung von Großbetragstransaktionen sollte Zentralbankgeld im Mittelpunkt bleiben. Es sollte durch private Abwicklungswerte wie tokenisierte Einlagen und Stablecoins ergänzt werden. Diese müssen EU-gesteuert, auf Euro lautend sowie angemessen konzipiert und reguliert sein. Die Strategie fordert zudem Standardisierung, Automatisierung und Prozessintegration im Firmenkundenzahlungsverkehr. So können Unternehmen von effizienten und innovativen Lösungen profitieren.
In Bezug auf den Massenzahlungsverkehr hebt die Strategie die Rolle des digitalen Euro hervor. Er könne eine Schlüsselrolle bei der Förderung der Entwicklung paneuropäischer privater Massenzahlungslösungen spielen. Dies unterstreiche die Komplementarität zwischen beiden.
Die Strategie führt laut der Mitteilung alle wichtigen Initiativen des Eurosystems zusammen. Dazu gehörten der digitale Euro, die Arbeiten an "Pontes" und "Appia" sowie Verbesserungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Sie bildeten einen umfassenden Rahmen. Dieser stelle sicher, dass sich Zentralbankgeld an das digitale Zeitalter anpasse. Gleichzeitig unterstütze er Initiativen des Privatsektors sowohl im Großbetrags- als auch im Massenzahlungsverkehr.
Die EZB will der Mitteilung zufolge sicherstellen, dass Euro-Bargeld weiterhin weithin verfügbar, zugänglich und akzeptiert bleibt. "Im Rahmen ihres Bekenntnisses zum Bargeld entwickelt die EZB eine neue Serie von Euro-Banknoten. Diese werden ein neues Design aufweisen", so die EZB. Zudem unterstütze sie rechtliche Initiativen, die darauf zielten, den Status von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel zu stärken.
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March 31, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
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