
© Foto: Tibe De Kort auf Pexels (Symbolbild)
Palantir wächst wie kaum ein anderes Technologieunternehmen. 70 Prozent Umsatzplus in einem einzigen Quartal, milliardenschwere Regierungsaufträge und eine KI-Plattform, die mittlerweile tief im US-Verteidigungssystem verwurzelt ist. Aber während einige Investoren Anteile aufstocken, verkaufen Firmeninsider Aktien im Wert von über 140 Millionen US-Dollar. Wie passt das zusammen? Die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis jenseits der 200 lässt selbst überzeugte Wachstumsinvestoren Schnappatmung bekommen. Und ausgerechnet in Großbritannien, einem der wichtigsten Auslandsmärkte, wächst der politische Widerstand gegen das Unternehmen. Ist Palantir ein Ausnahmeunternehmen, das seinen Preis wert ist, oder läuft die Bewertung der Realität längst davon? Ein Blick hinter die Zahlen lohnt sich.
Rüstung, KI und kommerzielles Wachstum
Palantir hat sich still und leise zu einem der wichtigsten Softwareanbieter für die US-Regierung entwickelt. Das Unternehmen liefert Analysetools, die Geheimdienste, Militär und Behörden bei komplexen Entscheidungen unterstützen. Kern des Geschäfts sind zwei Plattformen: Gotham für staatliche Stellen und Foundry für kommerzielle Kunden. Beide laufen inzwischen mit KI-Funktionen aus der hauseigenen Artificial Intelligence Platform, kurz AIP. Der neueste Coup: Palantir wird gemeinsam mit Anduril Industries Kernsoftware für das amerikanische Raketenabwehrsystem "Golden Dome" entwickeln. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 185 Milliarden US-Dollar. Analysten von Rosenblatt schätzen, dass allein auf Palantir mehrere Milliarden über die Projektlaufzeit entfallen könnten. Dazu kommt die offizielle Einstufung des "Maven Smart System" als Beschaffungsprogramm des Pentagon, die staatliche Finanzierung ist damit bis Ende September 2026 gesichert. Gleichzeitig brummt das kommerzielle Geschäft. Im vierten Quartal 2025 legte der Umsatz im US-Kommerzbereich um satte 137 Prozent zu. Der Gesamtumsatz kletterte auf 1,41 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 70 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag ebenfalls über den Erwartungen. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 peilt Palantir einen Gesamtumsatz von rund 7,19 Milliarden US-Dollar an. Auch international tut sich einiges. In Großbritannien arbeitet mittlerweile fast ein Fünftel der weltweiten Belegschaft. Die Stadt Coventry nutzt Palantirs Software für Sozial- und Sonderpädagogikdienste, die britische Finanzaufsicht FCA prüft damit Daten von 42.000 Unternehmen auf Finanzkriminalität. Doch Datenschutzbedenken und Palantirs Nähe zur Rüstungsindustrie sorgen für politischen Gegenwind.

Charttechnik
Anfang 2024 noch bei unter 20 Dollar, schoss der Kurs nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2024 regelrecht hoch und erreichte im November 2025 ein Allzeithoch von über 207 US-Dollar. Seitdem ist der Lack etwas ab. Aktuell notiert die Aktie bei rund 143 US-Dollar, was einem Rückgang von gut 30 Prozent gegenüber dem Jahreshoch entspricht. Damit liegt der Kurs unterhalb der beiden wichtigen gleitenden Durchschnitten (50- und 200-Tage-Linien). Ebenso hat sich ein soganntes Todeskreuz gebildet, indem der 50er den 200er von oben nach unten durchschnitten hat. Dies ist eher ein negatives Setup. Der Relative-Stärke-Index liegt bei knapp 43 Punkten , weder überkauft noch überverkauft, einfach neutral. Der Markt läuft seitwärts und wartet ab. Erste Unterstützung findet die Aktie um die 140 US-Dollar, darunter könnte es zügig in Richtung 120 US-Dollar fallen. Nach oben wäre ein Tagesschluss über 160 US-Dollar ein erstes positives Signal, das die Zone um 180 US-Dollar ins Spiel bringen würde.
Was tun?
Die Wachstumszahlen sind beeindruckend, die strategische Positionierung im KI- und Verteidigungsbereich ist Wirklichkeit. Der Milliarden-Auftrag für "Golden Dome", das gesicherte Maven-Programm und das explodierende Kommerz-Geschäft sprechen für Palantir. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von knapp 200 US-Dollar, einige wie Wedbush gehen bis 230 US-Dollar. Aber: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 200 vergibt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Insider, die in drei Monaten Aktien für über 140 Millionen US-Dollar verkaufen, sind nicht unbedingt ein beruhigendes Signal. Der NHS-Vertrag in Großbritannien hängt in der Schwebe. Und charttechnisch fehlt noch die Überzeugung, solange die Aktie unter ihren wichtigen Durchschnitten notiert, bleibt das Bild eingetrübt. Ein Volleinstieg auf aktuellem Niveau erscheint angesichts der Bewertung und der offenen Risiken jedoch wenig ratsam. Geduld zahlt sich hier vielleicht eher aus.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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