
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Für Anlegerinnen und Anleger von Speicherchipherstellern wie Micron gab es in den vergangenen Monaten viel zu feiern. Jetzt nicht mehr, die Party vorbei!
Der Hype um Speicherchip-Hersteller ist vorbei
Innerhalb der Halbleiterbranche ist es in den vergangenen Monaten zu einem bemerkenswerten Führungswechsel gekommen. Gefragt waren nicht mehr die Anteile von Herstellern von KI-Beschleunigern wie AMD, Broadcom und Nvidia, sondern den deren Zulieferern aus der Speicherchipindustrie.
Egal ob Arbeits- oder Massenspeicher, die Aktien von Herstellern wie Micron, SanDisk und Western Digital verteuerten sich angesichts explodierender Speicherpreise in wenigen Monaten um mehrere hundert Prozent. Die hochgewichteten Anteile von Samsung und SK Hynix sorgten sogar im Alleingang dafür, dass der südkoreanische Leitindex KOSPI im vergangenen Jahr der am besten performende der westlichen Welt war.

Micron-Aktie: Ein Drittel ist schon weg! Erst der Anfang?
Doch nach aus dem Ruder gelaufenen Unternehmensbewertungen sowie technisch viel zu heiß gelaufenen Aktien ist die Kursparty vorbei. Micron und Co. sind in den vergangenen Tagen unter die Räder geraten, nachdem sich einerseits ein Ende der Preisspirale abzeichnet und andererseits Störungen in der Lieferkette drohen, nachdem mit Katar einer der weltweit wichtigsten Helium-Exporteure weitestgehend ausgefallen ist.
Ausgehend von ihrem noch vor Kurzem markierten Allzeithoch bei 471,34 US-Dollar hat die Micron-Aktie fast ein Drittel an Wert verloren - doch das muss längst nicht alles gewesen sein, wie der Blick in den Chart offenbart.

Die Trendwende ist in vollem Gange
Übergeordnet befindet sich die Micron-Aktie zwar noch in einem Aufwärtstrend, wie der Kurs oberhalb der bei rund 200 US-Dollar verlaufenden Aufwärtstrendlinie sowie oberhalb der 200-Tage-Linie anzeigt, doch kurzfristig ist es zu einem hochdynamischen Abwärtstrend gekommen, wie der Blick auf den weit unter die Nulllinie abgerutschten Trendstärkeindikator MACD anzeigt.
Dieser ist allerdings nicht als korrektiv, sondern als Wegbereiter eines neuen übergeordneten Trends einzuschätzen, nachdem es im Bereich zwischen 400 und 450 US-Dollar zu einer mehrwöchigen Top-Bildung gekommen ist, die von bearishen Divergenzen sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im Trendstärkeindikator MACD begleitet wurde.
Diese entfalten nun ihre Wirkung als Vorboten von Trendwenden, nachdem das Allzeithoch bei 471,34 US-Dollar nicht durch neue Hochs in den technischen Indikatoren bestätigt werden konnte und die Aktie gleichzeitig trotzdem überkauft war.
Es droht eine Halbierung oder sogar noch Schlimmeres
Die Abwärtsrisiken sind beträchtlich. Die nächsten Unterstützungen lauern erst im Bereich von 240 bis 250 US-Dollar, wo neben einer Horizontalunterstützung die 200-Tage-Linie als langfristige Trendlinie lauert. Sollte Micron auch durch diese Zone stürzen, müssten die Käuferinnen und Käufer bei 200 US-Dollar Zähne zeigen, um wenigstens mittel- und langfristige Aufwärtschancen zu retten.
Zur Oberseite würde sich das Chartbild hingegen erst wieder oberhalb von 400 US-Dollar aufhellen, wo der Sprung über die 50-Tage-Linie für ein prozyklisches Kaufsignal sorgen würde. Um auch die Top-Bildung zu neutralisieren, führt an einem neuen, technisch bestätigten Allzeithoch kein Weg vorbei. Hierfür liefert der Chart jedoch keine Anzeichen.
Fazit: Keine Gelegenheit zum Kauf
Zwar hat Micron für das kommende Quartal eine brachial starke Guidance abgegeben, die zu einer Revision der Gewinnerwartungen geführt hat. Doch vom vermeintlich günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 5,6 für 2026 sollten sich Anlegerinnen und Anleger nicht in die Irre führen lassen.
In der stark zyklischen Halbleiterbranche sind die Bewertungen immer dann besonders billig, wenn es gerade am besten läuft. Das optisch günstige Bewertungsniveau ist damit kein Argument für den Kauf, sondern im Gegenteil sogar ein Kontraindikator, da sich Chip-Aktien wie Rohstoffaktien verhalten und stark vom Preis ihrer Produkte abhängig sind. Am Speicher-Markt ist es in den vergangenen Tagen zu einem Preisplateau gekommen, was auf ein Top und damit auch einen Höhepunkt der Aktienkursentwicklung hindeutet.
Kurzfristig ist die Micron-Aktie mit Blick auf den RSI überverkauft. Das bedeutet jedoch keine neue Einstiegschance, sondern sollte von Anlegerinnen und Anlegern als Gelegenheit zum Ausstieg betrachtet werden, sollte es nochmal zu einer Gegenbewegung kommen. Die Party ist hier auf absehbar lange Zeit gelaufen.
Gastautor: Max Gross

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