
© Foto: Christian Wiediger auf Unsplash
Rekordumsatz, höhere Dividende, prominente Neukunden in der Formel 1, und trotzdem bricht der Kurs ein. Die Adidas-Aktie steckt in einer Krise, die viele Anleger ratlos zurücklässt. Auf der einen Seite glänzt das Unternehmen mit starken Zahlen aus 2025 und einem neuen Großdeal mit Red Bull. Auf der anderen Seite drücken US-Zölle, Währungsgegenwind und eine enttäuschende Prognose für 2026 den Kurs auf Mehrjahrestief. Mehr als 40 Analysten beobachten die Aktie, und sind sich nicht einig. Die Mehrheit von ihnen sieht Aufwärtspotenzial, andere bleiben vorsichtig. Charttechnisch sieht es jedoch düster aus, doch der Markt könnte auch schnell drehen. Was ist wirklich los bei Adidas, und wie geht es weiter?
Kaufchance oder Totalausfall?
Wer Adidas-Aktionär ist, hatte 2026 bisher wenig Freude. Seit Jahresbeginn hat das Papier über deutlich verloren. Der Kurs dümpelt um die 130-Euro-Marke, ein Niveau, das vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hätte. Im Jahr 2025 stand die Aktie noch bei über 263,80 Euro in der Spitze. Seitdem ist viel passiert. Und das meiste davon war nicht schön. Den Auslöser für den Absturz lieferte das Unternehmen selbst.
Anfang März veröffentlichte Adidas seinen Ausblick für 2026, und der fiel deutlich schlechter aus als erwartet. Statt der von Analysten erhofften 2,72 Milliarden Euro operativen Gewinns peilt das Management nur rund 2,3 Milliarden an. Der Hauptgrund sind US-Zölle und ungünstige Wechselkurse. Diese belasten das Ergebnis mit geschätzten 400 Millionen Euro. Da Adidas den Großteil seiner Produkte in Asien fertigt, trifft diese Belastung das Geschäftsmodell direkt. Die Aktie verlor an einem einzigen Tag rund acht Prozent und erholt hat sie sich seitdem kaum und wenn dann nur sporadisch. Dabei sind die Zahlen aus 2025 eigentlich beeindruckend. Rekordumsatz von 24,8 Milliarden Euro, operativer Gewinn um 54 Prozent gesteigert, Bruttomarge auf 51,6 Prozent geklettert. Starke Vergangenheit also, aber eine trübe Gegenwart.
Für etwas Aufwind sorgen zumindest drei aktuelle Meldungen. Das neue blaue DFB-Auswärtstrikot für die WM 2026 übertrifft seit dem Verkaufsstart die Absatzzahlen des EM-Trikots von 2024 deutlich. Bitter dabei: Es ist das letzte Turnier mit Adidas am DFB-Rücken. Ab 2027 übernimmt Nike den Ausrüsterjob, für rund 100 Millionen Euro jährlich, doppelt so viel wie Adidas zuletzt zahlte. Dazu kommt ein exklusiv gemeldeter Großdeal mit Red Bull in der Formel 1. Ab 2027 soll Adidas das Team von Weltmeister Max Verstappen ausrüsten, laut Bild für rund 27 Millionen Euro pro Saison. Damit hätte Adidas-Chef Björn Gulden gleich drei Formel-1-Teams unter Vertrag, neben Mercedes und Audi.

Charttechnik
Der Chart spricht eine klare Sprache, und die ist alles andere als ermutigend. Ein herber Verlust seit dem 2025er Hoch bis zum jetzigen Kurs bei um die 130 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei rund 169 Euro und ist deutlich entfernt. Ein technischer Boden ist noch nicht in Sicht. Wer auf klassische Unterstützungsmarken schaut, findet aktuell wenig Halt. Die nächste relevante Zone liegt irgendwo zwischen 110 und 120 Euro. Sogar ein Rückfall unter 100 Euro ist charttechnisch nicht ausgeschlossen. Das klingt brutal, ist aber die harte Realität, wenn die negative Stimmung anhält. Gleichzeitig aber gibt es ein wichtiges Gegenargument: Der Relative-Stärke-Index, kurz RSI, ist schon seit einiger Zeit tief in der überverkauften Zone. Das bedeutet: Der Verkaufsdruck ist enorm hoch, und technisch gesehen ist die Luft nach unten dünner geworden. Solche Situationen können sich schnell und unerwartet drehen. Ein plötzlicher Rebound ist damit jederzeit möglich, ausgelöst durch gute Quartalszahlen, einen positiven Kommentar oder einfach nachlassenden Verkaufsdruck. Wer zu früh einsteigt, kann sich aber auch die Finger verbrennen. Denn überverkauft kann noch eine ganze Weile überverkauft bleiben.
Was tun?
Die Lage bei Adidas ist kompliziert. Die Grundsubstanz des Unternehmens ist intakt. Die Zahlen aus 2025 sprechen für sich, das Markenimage ist stark, und mit dem Red-Bull-Deal sowie dem WM-Trikot gibt es kurzfristig positive Signale. Mittelfristig plant das Management für 2027 und 2028 wieder deutliches Gewinnwachstum. Die Q1-Zahlen am 29. April könnten zeigen, ob die Zollbelastungen das Unternehmen tatsächlich so hart treffen wie befürchtet, oder ob die Prognose Luft nach oben lässt. Fundamental ist die Aktie nach Meinung der meisten Analysten unterbewertet. Deutlich mehr als die Hälfte empfehlen den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 200 Euro, rund 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Aber der Markt sieht das gerade anders. Solange die Stimmung gedrückt bleibt und charttechnisch kein klarer Boden erkennbar ist, bleibt ein Einstieg ein Risiko. Wer neu einsteigen will, könnte auf ein stabileres Chartbild warten und den 29. April im Blick behalten. Adidas ist kein Totalausfall, aber auch noch keine "sichere Bank".
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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