DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires.
Lieferfristen halten Euroraum-Industrie-PMI über 50 Punkten
Der von S&P Global im verarbeitenden Sektor erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) ist im März hauptsächlich von höheren Lieferfristen über der Marke von 50 Punkten gehalten worden, ab der ein Wachstum angezeigt wird. S&P Global meldete in zweiter Veröffentlichung einen Anstieg auf 51,6 (Februar: 50,9) Punkte. In erster Veröffentlichung waren 51,7 Punkte gemeldet worden. "Dass die beiden gewichtigsten Teilindizes Auftragseingang (30 Prozent) und Produktion (25 Prozent) weiter im expansiven Bereich lagen, trug zwar dazu bei, dass der Hauptindex abermals über der 50-er Marke notierte, einen maßgeblichen Anteil daran hatte jedoch auch der inverse Teilindex Lieferzeiten", heißt es in der Mitteilung. Deutschlands Industrie-PMI stieg auf 52,2 (50,9), Frankreichs sank auf 50,0 (50,1) und Italiens erhöhte sich auf 51,3 (50,6) Punkte.
Euroraum-Arbeitslosenquote steigt wie erwartet auf 6,2 Prozent
Die Arbeitslosigkeit im Euroraum hat im Februar wie erwartet leicht zugenommen. Wie Eurostat mitteilte, stieg die Arbeitslosenquote auf 6,2 (Januar: 6,1) Prozent. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten diese Entwicklung erwartet. Laut der Mitteilung waren im Februar 10,919 Millionen Menschen ohne Arbeit, 93.000 mehr als im Januar, aber 124.000 weniger als im Februar 2025. Am niedrigsten war die Arbeitslosenquote in Bulgarien (3,2 Prozent), am höchsten in Finnland (10,4) Prozent. In Deutschland betrug sie 4,0 Prozent.
S&P Global: Deutscher Industrie-PMI von Lieferfristen verzerrt
Der von S&P Global im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands erhobene Einkaufsmanagerindex ist in zweiter Veröffentlichung auf 52,2 von 50,9 Punkten im Februar gestiegen, war dabei aber von längeren Lieferfristen nach oben verzerrt. In erster Veröffentlichung war ein Wert von 51,7 ermittelt worden. Ab 50 Zählern signalisiert das Konjunkturbarometer ein Wachstum, darunter eine Schrumpfung. Nach Angaben von S&P Global hatten die Indizes für Produktion und Auftragseingang einen positiven Einfluss auf den PMI, der stärkste Impuls kam jedoch vom Index der Lieferzeiten. "Dieser fließt invertiert in die Berechnung ein, da längere Vorlaufzeiten üblicherweise mit einer höheren Nachfrage einhergehen. In diesem Fall spiegelt die starke Verlängerung der Lieferzeiten jedoch größtenteils die durch den Nahostkrieg verursachten Materialengpässe wider, insbesondere bei Lieferungen aus Asien", heißt es in der Mitteilung.
Institute halbieren deutsche BIP-Prognose für 2026
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im laufenden und kommenden Jahr wegen des Energiepreisschocks durch den Iran-Krieg deutlich gesenkt. Wie aus der jetzt veröffentlichten Frühjahrsprognose hervorgeht, wurde die Prognose für den Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) sogar halbiert - auf 0,6 (Herbstprognose: 1,3). Für 2027 wird nun ein Zuwachs von nur noch 0,9 (1,4) Prozent erwartet. Die Prognosen beruhen auf der Annahme, dass die Straße von Hormus im zweiten Quartal wieder voll befahrbar sein wird und die Öl- und Gasexporte ab dem zweiten Halbjahr zu ihrem Vorkriegsniveau aufschließen.
VDMA: Auftragseingang im Maschinenbau sinkt im Februar deutlich
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland hat im Februar einen deutlichen Dämpfer in seinen Orderbüchern erhalten. Wie der Branchenverband VDMA mitteilte, sanken die Bestellungen real um 12 Prozent zum Vorjahr, wobei aus dem Inland 16 Prozent weniger Orders kamen und das Auslandsgeschäft ein Minus von 11 Prozent verbuchte. Lediglich die Aufträge aus den Euro-Partnerländern verzeichneten einen Zuwachs von 6 Prozent, während aus den Nicht-Euro-Ländern 17 Prozent weniger Bestellungen kamen. "Geopolitische Konflikte belasten unsere Geschäfte schon seit längerem und jetzt ist noch der Iran-Krieg dazugekommen, der für weitere Unsicherheit sorgt. Für das globale Investitionsklima sind all diese Auseinandersetzungen eine schwere Belastung, die sich deutlich bemerkbar macht", sagte VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt.
Trump: Erwäge ernsthaft Rückzug der USA aus der Nato
US-Präsident Donald Trump erwägt nach eigenen Worten "ernsthaft" einen Rückzug der USA aus der NATO. In einem Interview mit der Zeitung Telegraph kritisierte er die Reaktion des Militärbündnisses auf den Krieg mit Iran scharf und bezeichnete die Nordatlantikpakt-Organisation als "Papiertiger". Er sagte, ein Austritt aus dem jahrzehntealten Verteidigungspakt sei nun "unwiderruflich". Seine Äußerungen erfolgen inmitten eines tiefer werdenden Zerwürfnisses mit den europäischen Verbündeten. Diese hatten seine Aufforderung abgelehnt, sich während des Konflikts an den militärischen Bemühungen zur Öffnung der Straße von Hormus zu beteiligen.
Großbritannien beruft Treffen zur Straße von Hormus ein
Großbritannien wird Ende der Woche Militärplaner aus mehreren Nationen empfangen. Dabei solle besprochen werden, wie die Straße von Hormus nach einem Ende der Kämpfe am besten wieder geöffnet werden könne, sagte der britische Premierminister Keir Starmer. "Ich muss ehrlich zu den Menschen sein - es wird nicht einfach", sagte er in Bezug auf die Wiedereröffnung der Meerenge. Er sagte, die Militärplaner Großbritanniens würden auch darüber diskutieren, wie die Meerenge nach dem Ende der Kämpfe offengehalten werden könne. "Die Freiheit der Schifffahrt im Nahen Osten liegt im nationalen Interesse Großbritanniens."
EU erhöht wegen Iran-Krieg Angebot an CO2-Zertifikaten
Die EU lässt ein größeres Angebot von CO2-Emissionen zu in ihrem Emissionshandelssystem zu. Damit soll die Stabilität angesichts eines durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Anstiegs der Energiepreise gewährleistet werden. Im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) müssen Unternehmen, deren Betrieb klimaschädliches Kohlendioxid ausstößt, für jede emittierte Tonne ein Zertifikat erwerben. Das seit 2005 bestehende System umfasst eine Marktstabilitätsreserve. Diese soll sicherstellen, dass die Preise für diese Emissionszertifikate weitgehend stabil bleiben. Unternehmen erhalten derweil eine bestimmte Menge an kostenlosen Zertifikaten, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu erhalten. Die Zertifikate werden auf Auktionen verkauft und können auch zwischen den Verursachern gehandelt werden.
Dolenc: EZB-Zinserhöhung im April keine ausgemachte Sache
Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Monat als Reaktion auf die stark gestiegene Inflation ist nach den Worten des neuen EZB-Ratsmitglieds Primoz Dolenc nicht ausgemacht. "Wir können heute nicht sagen, ob wir bis zum 30. April ausreichende Informationen haben werden", sagte der neue Gouverneur der slowenischen Notenbank der Nachrichtenagentur Reuters. Bis dahin würden zusätzliche Informationen vorliegen, etwa über die Lage an den Energiemärkten und die mögliche Dauer des Konflikts. Die Wirtschaft der Euro-Zone befinde sich möglicherweise bereits auf dem von der EZB skizzierten Negativpfad.
BoE: Auf weitere Phase "intensiver Volatilität" vorbereiten
Investoren sollten sich nach Aussage der Bank England (BoE) auf weitere Phasen intensiver Volatilität im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten vorbereiten. In einer Erklärung teilte das Financial Policy Committee der Zentralbank mit, dass der Konflikt die Sorgen um Staatsanleihen, Märkte für "Private Credit" und US-Technologieunternehmen, die sich auf Künstliche Intelligenz (KI) konzentrieren, verstärkt habe. "Erhöhte Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit haben es den Märkten erschwert, die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten einzupreisen, was die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß starker Marktverschiebungen als Reaktion auf neue Informationen erhöht", teilte die BoE mit.
GB/Einkaufsmanagerindex verarbeit. Gewerbe März 51,0 - S&P Global
GB/Einkaufsmanagerindex verarbeit. Gewerbe März PROG: 51,4 - S&P Global
GB/Einkaufsmanagerindex verarbeit. Gewerbe Feb war 51,7 - S&P Global
US/MBA Market Index Woche per 27. März -10,4% auf 278,3 (Vorwoche: 310,7)
US/MBA Purchase Index Woche per 27. März -2,6% auf 159,4 (Vorwoche: 163,6)
US/MBA Refinance Index Woche per 27. März -17,3% auf 946,4 (Vorwoche: 1.145)
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April 01, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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