
© Foto: Josh Withers auf Pexels (Symbolbild)
Volkswagen steckt mitten in einem der größten Umbrüche seiner Geschichte. Der Konzern verbrennt Milliarden, baut Stellen ab und will gleichzeitig mit einer Flut neuer Elektroautos angreifen. Das klingt widersprüchlich und ist es auch. Denn während die Wolfsburger vollmundig von Elektro-Offensiven sprechen, halbierte sich der Nettogewinn 2025 fast auf die Hälfte. Die Zulieferer klagen, die Energie wird teurer, und der wichtigste Anteilseigner schaut lieber auf seine eigene Dividende. Trotzdem gibt es Lichtblicke: ein elektrischer Polo, neue China-Modelle, ein Großspeicher in Salzgitter. Kommt der Wandel noch schnell genug? Dieser Bericht zeigt, wo der Konzern wirklich steht, was die Charttechnik sagt und ob die Aktie jetzt eine Chance zum Einstieg bietet.
Elektro-Offensive
Der legendäre Polo wird elektrisch. Ende April startet der Bestellprozess für den ID. Polo, der Marktstart folgt im Herbst 2026. Doch es gibt einen Haken. Die günstige Version, die knapp unter 25.000 Euro kosten soll, ist zum Start gar nicht bestellbar. Zunächst gibt es nur die rund 30.000 Euro teure Variante mit großer Batterie. Die erschwinglichere Option kommt später. Kritiker sehen darin einen klassischen Marketingtrick. Technisch ist der ID. Polo gut aufgestellt: drei Motorvarianten, zwei Batteriegrößen, bis zu 450 km Reichweite in der stärksten Ausführung. Bewusst verbaut VW diesmal wieder physische Tasten, eine direkte Reaktion auf die anhaltende Kritik an der Bedienung früherer ID-Modelle. Parallel dazu läuft die China-Strategie auf Hochtouren. Mit dem FAW-Joint-Venture plant VW ab 2026 gleich elf neue Modelle, sechs davon rein elektrisch. Die Entwicklungskosten sollen durch eine neue Plattform um bis zu 40 Prozent sinken. Intern hat der Konzern 2027 als Wendepunkt für seine China-Aktivitäten ausgerufen. Ob das hält, ist offen, chinesische Hersteller setzen VW sowohl zuhause als auch in Europa zunehmend unter Druck. Abseits des Autogeschäfts hat Energietochter Elli in Salzgitter einen ersten Großspeicher mit 20 Megawatt ans Netz gebracht, betrieben mit konzerneigenen PowerCo-Batterien. Ein kleines Signal, dass VW über das klassische Autogeschäft hinausdenkt.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart macht die letzten Monate wenig Freude. Die VW-Aktie notiert aktuell deutlich unter dem Jahresanfangsniveau und kämpft damit, Boden wieder gutzumachen. Zuletzt zog der Kurs auf rund 88 Euro an, nachdem er bis auf fast 83 Euro abgerutscht war. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 109,15 Euro, davon ist der Kurs noch weit entfernt. Dazu kommt ein mögliches Todeskreuz: Der 50-Tage-Durchschnitt ist kurz davon den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten zu durchkreuzen. Das ist ein klassisches Warnsignal und zeigt, dass der mittelfristige Trend weiter abwärts gerichtet ist. Noch ist es nicht passiert, aber es ist kurz davor. Auch der Gesamtmarkt hilft aktuell wenig. Einzig der RSI deutet einen Rebound nach oben an. Er liegt 31 Punkten und lugt seit langem mal wieder über der Überverkauftzone heraus.
Was tun?
Die Richtung scheint zum Teil zu stimmen: Neue Elektromodelle, schlanker aufgestellte Strukturen, erste Schritte in die Energiespeicherung. Andererseits sind die Zahlen ernüchternd. Der Nettogewinn brach 2025 von 12,4 auf 6,9 Milliarden Euro ein, die Dividende wurde erneut gekürzt, und für 2026 erwartet der Konzern bestenfalls drei Prozent Umsatzwachstum. Fundamental ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 7 und einer recht hohen Dividendenrendite optisch günstig bewertet. Doch günstig allein reicht nicht, wenn der Gegenwind anhält. Zulieferer in der Krise, steigende Energiekosten, schwächelnde Kaufkraft, das sind keine kurzfristigen Kursbremsen. Für langfristig orientierte Anleger mit Geduld könnte die Aktie auf dem aktuellen Niveau interessant werden, sobald erste positive Signale aus dem China-Geschäft oder belastbare Absatzzahlen des ID. Polo vorliegen. Wer kurzfristig denkt, könnte die Entwicklung besser noch von der Seitenlinie verfolgen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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