DJ MARKT-AUSBLICK/Trump bleibt unberechenbar - Börsen-Karussell dreht sich weiter
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Setzten die Börsianer in den vergangenen Tagen noch auf ein baldiges Ende des Kriegs im Nahen Osten, hat die Rede von US-Präsident Donald Trump an die Nation diese Hoffnung wieder zunichte gemacht. Trump wiederholte die jüngsten Drohungen, iranische Kraftwerke zu bombardieren, während er darauf beharrte, dass sich die Straße von Hormus "ganz natürlich" öffnen werde. Immerhin sei der Iran darauf angewiesen, sein Öl zu verkaufen. Die Aktienmärkte gehen daraufhin auf Talfahrt und der Preis der Ölsorte Brent, der am Vortag zeitweise noch unter 100 Dollar das Fass notierte, steht am Freitagmorgen wieder bei 108 Dollar. An den Anleihemärkten geht es mit den Renditen wieder nach oben.
"Es kam, wie es kommen musste. Trumps Kriegsführung im Iran bleibt undurchsichtig und seine Worte haben nur Halbwertszeiten von ein paar Stunden bis wenigen Tagen.... Die Friedenshoffnungen sind dahin und die Börsen rund um den Globus legen den Rückwärtsgang ein.", kommentiert CMC.
Damit nicht genug. Erneut hat Trump damit gedroht, die Nato zu verlassen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte wird für nächste Woche zu einem Besuch in Washington erwartet, dort wird er vermutlich versuchen, die Wogen zu glätten. Die Deutsche Bank weist zwar darauf hin, dass die politischen Hürden für einen formellen Austritt der USA aus dem Verteidigungsbündnis hoch liegen, da dies eine Zweidrittelmehrheit im Senat oder die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes durch den Kongress erfordern würde. Das ist aber nur ein schwacher Trost. Was bleibt ist der Eindruck einer chaotischen US-Politik mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und Börsen. Das Schlagzeilenrisiko an den Märkten bleibt hoch.
An den amerikanischen Tankstellen ist der Energiepreisschock bereits seit Anfang März sichtbar, und nächste Woche werden die Statistiker mit den Verbraucherpreisen auch erstmals zeigen, wie sehr insgesamt das Preisniveau in den USA angezogen hat. Stärkster Inflationstreiber dürfte laut der Commerzbank Benzin sein, das um saisonübliche Schwankungen bereinigt sich um etwa 20 Prozent gegenüber Februar verteuert hat. "Die teurere Energie hat sich aber wahrscheinlich noch nicht auf breiter Front in höheren Preisen für andere Waren und Dienstleistungen niedergeschlagen, außer vielleicht in Ansätzen bei Flugreisen. Dies ist aber wohl nur eine Frage der Zeit", heißt es. Die Analysten schätzen, dass die US-Verbraucherpreise im März gegenüber Februar um 0,9 Prozent zugelegt haben und gegenüber März 2025 um 3,3 Prozent.
Bei früheren Episoden geopolitischer Volatilität unter der Trump-Regierung kam es immer zu einer starken Erholung risikobehafteter Vermögenswerte - ein Muster, das als "Taco"-Trade (Trump always chickens out) bezeichnet wird. "Das aktuelle Szenario ist jedoch komplexer. Einen Krieg zu beenden ist nicht so einfach wie Zölle zurückzunehmen. Je länger der Konflikt dauert, desto größer ist das Risiko nachhaltiger Schäden: verzögerte Energieinvestitionen, gestörte Schifffahrt, steigende Versicherungskosten, sinkendes Unternehmensvertrauen und verschobene Expansionspläne", sagt Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management. Falls die erwarteten Zinserhöhungen Realität werden, könnten strengere Finanzbedingungen das Wachstum weiter bremsen und die Konsumaktivität dämpfen.
Für Anleihe-Investoren ist die aktuelle Lage nach Einschätzung von Walsh besonders schwierig. Die Renditekurven spiegelten mittlerweile die Erwartungen von Zinserhöhungen wider, nicht von Senkungen. Die "Zentralbanken verfolgen eine offensivere Haltung. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England möchten Fehler aus der Vergangenheit vermeiden und sind entschlossen, Inflationsrisiken entschlossen zu adressieren. Zwar hat die Eindämmung des Lohndrucks Priorität, aber der schwache Arbeitsmarkt könnte eine Lohnspirale wie 2022-2023 verhindern."
Derweil macht die Societe Generale (SocGen) zunehmend Risiken an den Kreditmärkten aus. Bislang sei die Spread-Ausweitung verhalten ausgefallen. Eine geringe Transparenz der Asset-Qualität erschwere es aber, frühe Warnzeichen zu erkennen. Die SocGen verweist aber auf einen Anstieg der Inanspruchnahme von PIK-Darlehen (Payment-in-Kind), welche die Barzahlung von Zinsen aufschieben und potenziell die Notlage von Kreditnehmern verschleiern. Unterdessen erhöhe eine Erholung der M&A-Aktivitäten die Nachfrage nach neuen Anleiheemissionen - zu einem Zeitpunkt, an dem steigende Staatsdefizite bereits ein höheres Angebot an Staatsanleihen für die Zukunft implizierten.
An den Aktienmärkten spricht das Umfeld für anhaltend volatile Zeiten. Technisch schaffte der DAX am Vortag den Anstieg über den Langfristwiderstand bei 23.051 Punkten, kann dieses Niveau nach der Trump-Rede aber nicht halten. Komplett abschreiben will Charttechniker Marcel Mußler den DAX aber noch nicht, er sei nur in eine neutrale Zone eingetreten. Solange der Index über dem Abwärtstrend bei 22.800 Punkten verbleibe, brenne noch nichts an. "Erst dieser Ausbruch würde das Chartbild erheblich weiter verschlechtern. Dann gerät auch sofort der ... Aufwärtstrend bei 22.430 in den Fokus, und das mit guten Aussichten, nach Ostern auch nicht mehr lange zu halten", so Mußler.
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