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Nach erneut schwachen Quartalszahlen ist die Aktie von Nike auf den niedrigsten Stand seit mehr als 11 Jahren abgestürzt. Ein Kauf ist sie deshalb noch immer nicht.
Nike: Unaufhaltsamer Absturz einer Sport- und Börsenikone
Innerhalb der Sportartikelbranche galt Nike lange als Inbegriff des Erfolgs. Das hat sich nicht nur in der Geschäftsentwicklung, sondern auch bei der Aktie niedergeschlagen, die sich zu einem der erfolgreichsten Wertpapiere im US-Leitindex Dow Jones gemausert hatte.
Doch seit den Ende 2021 erzielten Allzeithochs ist der Wurm drin. Das Unternehmen wächst nicht mehr, sondern schrumpft und ist dabei steigendem Wettbewerbsdruck durch erfolgreichere Konkurrenten, nicht zuletzt Adidas, ausgesetzt Außerdem hat die Verarbeitungsqualität nachgelassen, was das Vertrauen der Kundinnen und Kunden und damit auch den Markenwert zerstört hat.

Operativer Turnaround kommt nicht in die Gänge
Zwar versucht der neue CEO Elliot Hill das Unternehmen umzukrempeln und das Geschäftsmodell neu auszurichten. Statt dem Direktvertrieb, soll nun der Großhandel wieder eine wichtigere Rolle spielen. Doch der Konzernumbau stößt auf Herausforderungen und dürfte länger als von Investoren erhofft andauern.
Das haben die am Dienstagabend vorgelegten Quartalszahlen bewiesen, die gemeinsam mit dem Ausblick schwach ausfielen, woraufhin die Aktie auf ein neues Mehrjahrestief abgerutscht ist. Selbst auf diesem Kurs- und Bewertungsniveau ist Nike aber noch immer kein Kauf - auch weil die Adidas-Aktie zu einem besseren Preis mehr zu bieten hat.
Trotz Fußball-WM: Umsatzrückgang erwartet
Gegenüber dem Vorjahresquartal kletterten die Erlöse um magere 0,1 Prozent auf 11,28 Milliarden US-Dollar, während der Gewinn pro Aktie mit 0,35 US-Dollar um 19 Cent niedriger ausfiel als noch vor 12 Monaten. Das zeigt, dass Nike weiter mit Margendruck und Belastungen nicht zuletzt auch durch die Trump-Zölle zu kämpfen hat. Der auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallende Nettogewinn schrumpfte um 35 Prozent auf 520 Millionen US-Dollar.
Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Für das kommende Quartal erwartet Nike einen Umsatzrückgang um 2 bis 4 Prozent, während Expertinnen und Experten lediglich mit einem Rückgang um 1,9 Prozent gerechnet hatten. Die Schwäche auf dem chinesischen Markt wird zur Dauerbelastung für das Unternehmen, hier ist sogar ein Rückgang um 20 Prozent erwartet. Die neue Strategie geht zwar insofern auf, als dass die Erlöse aus dem Großhandelsgeschäft um 5 Prozent gestiegen sind, dadurch fielen die Margen aber weiter.

Schrecken ohne Ende: 11-Jahres-Tief nach Earnings-Crash
Am Markt zeigten sich Anlegerinnen und Anleger ebenso entnervt wie enttäuscht. Die Aktie brach am Mittwoch um 15,5 Prozent ein und erwischte damit nicht nur einen der schlechtesten Handelstage seit langer Zeit, sondern fiel auch auf den niedrigsten Stand seit mehr als 11 Jahren. Solche Mehrjahrestiefs gelten als starke Verkaufssignale.
Mit Blick in den Chart macht aktuell nur wenig Hoffnung. Die Talfahrt der Aktie ist nach dem Death Cross im vergangenen Herbst in vollem Gange und wurde mit dem Unterschreiten der Unterstützung bei 60 US-Dollar noch beschleunigt. Im Trendstärkeindikator MACD liegen zwar bullishe Divergenzen vor, das gilt allerdings schon seit 4 Jahren, daher ist nicht zu erwarten, dass diese ausgerechnet jetzt zu einer Trendwende der Aktie führen sollen.
Selbst nach -75 Prozent ist die Aktie immer noch zu teuer
Obwohl Nike gegenüber seinem Allzeithoch rund 75 Prozent an Wert eingebüßt hat, ist die Unternehmensbewertung im Branchenvergleich noch immer viel zu hoch. Das demonstriert, wie stark sich die Ertragslage des Konzerns in den zurückliegenden Jahren verschlechtert hat. Für 2026 steht ein KGVe von 34,4 zu Buche.
Das liegt nicht nur um 135 Prozent über dem Branchendurchschnitt, sondern ist viel zu viel für ein Unternehmen, das nicht mehr wächst, sondern schrumpft. Das einzige, aktuell für die Aktie sprechende Argument ist die mir knapp 3,1 Prozent überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite. Noch ist die Ausschüttung von 2,3 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr durch den Nettoertrag (GJ 2025: 3,22 Milliarden US-Dollar) gedeckt. Hält die operative Schwäche jedoch an, könnte es mittelfristig zu einer Kürzung kommen.
Fazit: Finger weg von der Nike-Aktie!
Zieht man zum Vergleich die Bewertungskennzahlen von Erzrivale Adidas heran, ergibt sich ein eindeutiges Bild. Die Herzogenauracher sind mit einem KGVe von 14,6 nicht einmal halb so hoch bewertet. Sie bieten außerdem eine Wachstumsperspektive und ein mit 0,6 günstiges Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis, während die Dividendenrendite mit 2,7 Prozent zwar etwas niedriger, nichtsdestotrotz aber konkurrenzfähig ist.
Damit spricht auch nach einem Absturz um weitere 15,5 Prozent nichts für den Kauf der Nike-Aktie. Wer sich als Anleger, als Anlegerin in der Sportartikelbranche engagieren möchte, sollte das entweder bei Adidas oder beim noch günstiger bewerteten, chinesischen Mitbewerber Anta Sports tun.
Gastautor: Max Gross

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