
© Foto: fn Symbolbild
Kaum eine Aktie im deutschen Markt hat zuletzt so viel Aufsehen erregt wie Verbio. Der Biokraftstoffhersteller aus Leipzig katapultierte sich in weniger als einem Jahr vom Tief auf ein Dreijahreshoch, ein Plus von über 400 Prozent. Dann kamen die letzten Tage, an denen der Kurs deutlich prozentual zweistellig einbrach. Panik? Trendwende? Weit gefehlt. Zuletzt drehte die Aktie wieder nach oben. Hinter der wilden Achterbahnfahrt stecken ein "geopolitisches Erdbeben", eine kräftige Prognoseerhöhung und eine Logistikbranche, die plötzlich sehr genau hinschaut. Was wirklich passiert ist, und ob jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einsteigen ist, lesen Sie hier.
Warum der Kurs plötzlich abstürzte
Zuletzt noch auf einem Dreijahreshoch, dann schon im freien Fall. Der Auslöser war politischer Natur: Trump deutete an, die Militäroperationen gegen den Iran bald zu beenden. Das reichte dem Markt. Die Ölpreise rutschten ab, Verbio geriet sofort unter Druck. Das ist kein Zufall. Biokraftstoffe stehen in direktem Preiswettbewerb mit fossilem Öl. Wird Öl billiger, schrumpft der Vorteil von Biosprit, und damit die Marge von Verbio. Der Markt hat das blitzschnell eingepreist. Dazu kamen Gewinnmitnahmen. Wer vor ein paar Monaten eingestiegen ist, konnte sein Kapital verfünffachen. Am Donnerstag folgte die Gegenbewegung. Trumps widersprüchliche Aussagen ließen den Ölpreis um drehen, und Verbio legte deutlich zu. Ende März hatte das Unternehmen seine EBITDA-Prognose auf 100 bis 140 Millionen Euro angehoben. Das Analysehaus mwb research reagierte mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 50 Euro.
Charttechnik
Der Aufwärtstrend läuft seit einem halben Jahr steil nach oben. Der RSI hatte Werte von teilweise über 90 erreicht, klassisch überkauft. Bei starken Trendaktien ist das aber keine Seltenheit. Nach dem Einbruch ist der RSI bereits auf knapp 80 gefallen und damit etwas entspannter, aber immer noch überkauft. Der übergeordnete Trend ist noch intakt. Erst unter 30 Euro würde es eng, genau dort verläuft auch der 50-Tage-Durchschnitt. Eine Korrektur in diese Zone wäre charttechnisch gesund und könnte einen attraktiven Einstiegspunkt liefern.

Was tun?
Verbio ist kein Langweiler-Investment. Die Aktie reagiert sensibel auf Ölpreis und Geopolitik. Wer die Schwankungen akzeptiert, bekommt aber einiges geboten. Operativ läuft es gut: Die Prognoseanhebung ist substanziell, und die Logistikbranche entdeckt Bio-CNG und Bio-LNG als echte Alternative zu aktuell sehr teurem Diesel, ein struktureller Rückenwind. Auf der anderen Seite ist die Bewertung mit einem Forward-KGV von über 25 ambitioniert sportlich. Fällt der Ölpreis dauerhaft, dürfte die Marge unter Druck geraten. Es scheint derzeit sehr riskant, bei Kursen über 43 Euro zu kaufen. Vielleicht ist es besser auf eine Korrektur Richtung 30 Euro zu warten. Der Aufwärtstrend wäre immer noch intakt, die 50-Tage-Linie sogar als Unterstützung, Chance-Risiko-Verhältnis deutlich besser. Wer bereits investiert ist, kann aber halten. Verbio ist eine starke Trendaktie mit echtem operativem Rückenwind, aber kein Kauf zu jedem Preis.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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