BERLIN (dpa-AFX) - Um das Klima zu schützen und unabhängiger zu werden von Erdölimporten plädiert der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (CDU) für ein Ende der verpflichtenden Vorhaltung von E5 an Tankstellen. E10 sei in der Regel zwar günstiger und deutlich klimafreundlicher, werde aber zu wenig genutzt, sagte Gebhart, der Obmann der Unionsfraktion im Umweltausschuss ist, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Umweltverbände sehen das hingegen skeptisch.
Gebhart: E10 günstiger und besser fürs Klima
Die Abschaffung der E5-Vorhaltepflicht sei einfach und wirkungsvoll: "Für Verbraucher würde das Tanken günstiger und gleichzeitig stärken wir damit den Klimaschutz", argumentierte Gebhart. Umweltverbände sehen das allerdings anders.
Die Namen E5 und E10 geben an, mit welchem Prozentanteil Benzin Bioethanol enthält. Derzeit sind Tankstellenbetreiber verpflichtet, auch E5 anzubieten. Vor 2011 durfte der Anteil nicht über 5 Prozent liegen. Inzwischen vertragen laut ADAC aber fast alle Benziner-Pkw Super E10.
Branche: Schadstoffbilanz von E10 besser
Nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft sinken beim Einsatz von E10 statt E5 CO2-Emissionen sowie der Stickstoff- und Feinstaubausstoß von Benzinern.
"In vielen europäischen Ländern ist E10 längst Standard, ohne dass es Probleme gibt", betont Gebhart. Auch hierzulande vertrügen nahezu alle Fahrzeuge den Kraftstoff. "Die Abschaffung der Vorhaltepflicht würde an Tankstellen zudem Platz schaffen für neue, innovative Kraftstoffe der Zukunft."
Umweltverbände: Viele Nebenwirkungen bei Ethanol
Umweltverbände sehen das als den falschen Weg. "Die Debatte um das Ende der E5-Vorhaltepflicht ist eine Nebelkerze, die von den fatalen ökologischen Folgen des Agrosprits ablenkt", meint die Deutsche Umwelthilfe (DUH). "Für Bioethanol werden riesige Mengen Düngemittel, Pestizide und fossile Rohstoffe eingesetzt."
Umweltverbände betonen, Ethanol werde vor allem aus Nahrungspflanzen wie Weizen und Mais hergestellt. Ein Großteil davon werde importiert, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). "Aus Sicht des Klimaschutzes oder der Energieunabhängigkeit bringt die flächendeckende Einführung von E10 also unmittelbar keinen Mehrwert." Umweltschützer machen sich stattdessen für das Elektroauto stark.
An den Tankstellen dominiert E5 den Markt. Der Treibstoff machte 2024 nach Daten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, auf die sich der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft stützt, 67,6 Prozent des verkauften Benzins aus. E10 lag bei 27,4 Prozent, Super Plus bei 5,0 Prozent. Der Absatz von E5 sank damit gegenüber dem Vorjahr nur minimal um 0,3 Prozent./hrz/DP/zb
