
© Foto: fn Symbolbild
Der Augsburger Antriebsspezialist RENK liefert Zahlen, die andere Unternehmen sich wünschen. Rekordaufträge, Rekorderlöse, ein Auftragsbestand, der das Fünffache des Jahresumsatzes erreicht. Doch die Börse sieht das anders. Der Aktienkurs ist seit dem Herbsthoch um gute 40 Prozent eingebrochen. Auch Hedgefonds setzen massiv auf fallende Kurse. Und die technischen Signale zeigen weiter nach unten. Was stimmt nun? Steckt hinter dem Kursverfall eine echte Chance, oder wartet da unten noch mehr Schmerz? Wir schauen uns die Lage genau an, und versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.
Rekordzahlen und ein enttäuschter Markt
RENK hat 2025 so viel umgesetzt wie nie zuvor. Der Erlös kletterte um knapp 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte 6,68 Milliarden Euro, ein historischer Höchstwert. Und der Auftragseingang übertraf mit 1,56 Milliarden Euro ebenfalls alle bisherigen Bestmarken. Obendrauf gab es eine Dividendenerhöhung. Doch der Markt reagierte verhalten. Der Auslöser für die Verstimmung lag im Ausblick. Für 2026 peilt das Management ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro an. Das lag leicht unter dem, was Analysten erhofft hatten. Dazu gesellte sich ein schwacher Free Cashflow: Mit 67 Millionen Euro blieb er weit hinter den Erwartungen zurück. Die sogenannte Cash Conversion Rate rutschte auf 47 Prozent, angepeilt waren über 80. Schuld daran waren verschobene Großaufträge im Wert von rund 200 Millionen Euro, die Anzahlungen ins laufende Jahr verlegten. Gleichzeitig drücken externe Belastungen auf die Stimmung. Deutschland hat Rüstungsexporte nach Israel ausgesetzt. RENK beliefert die israelische Armee mit Getriebesystemen für Merkava- und Namer-Panzer. Damit stehen für 2026 schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Euro Umsatz auf dem Spiel. Hedgefonds haben ihre Wetten gegen die Aktie zuletzt sogar noch ausgebaut.
Charttechnik
Der Blick auf den Chart ist ernüchternd. Im Oktober wurde ein Hoch bei etwas über 90 Euro erreicht. Seitdem ist der Kurs auf rund 54 Euro gefallen. Das ist ein Minus von fast 40 Prozent. Sowohl der 50er SMA, als auch der 200er SMA liegen über dem aktuellen Aktienkurs. Das ist kein gutes Zeichen. Solange die Aktie unter diesen gleitenden Durchschnitten notiert, fehlt dem Papier der technische Rückenwind und nach geltenden Bestimmungen ist die Aktie in einem Abwärtstrend. Eine kurze Erholung gab es zwar Anfang April, doch von einer echten Trendwende kann bisher keine Rede sein. Der übergeordnete Abwärtstrend ist intakt. Wer charttechnisch denkt, muss eine weitere Korrektur einkalkulieren. Ein Test der 40-Euro-Marke ist denkbar. Im schlimmsten Fall, wenn der breite Markt zusätzlich Druck macht, könnte sogar die 30-Euro-Zone wieder in den Blick geraten. Das ist kein Basis-Muss-Szenario, aber auch keine pure Fantasie.

Was tun?
RENK ist kein schlechtes Unternehmen, sondern im Gegenteil: Die fundamentale Substanz stimmt. Das Auftragsbuch ist prall gefüllt, fünfmal so viel, wie das Unternehmen in einem Jahr umsetzt. Die Ausrichtung auf Rüstung macht Sinn, und bis 2030 sollen neun von zehn Euro Umsatz aus diesem Bereich kommen. Und das bei einer Gewinnmarge von über 20 Prozent. Renommierte Banken wie Berenberg, Warburg, Deutsche Bank, J.P. Morgan und Jefferies raten alle zum Kauf und ihre Kursziele liegen deutlich über dem, was die Aktie heute kostet. Trotzdem sollte man die Risiken nicht wegdiskutieren. Der Cashflow enttäuscht, das Israel-Geschäft wackelt, und institutionelle Leerverkäufer erhöhen weiter den Druck. Charttechnisch fehlt noch der Boden. Einen ersten konkreten Gradmesser könnte der Pre-Close-Call am 22. April liefern, die Quartalszahlen folgen am 6. Mai. Neueinsteiger täten eventuell gut daran, diese Termine abzuwarten, bevor sie handeln. Die Aktie hat Potenzial, aber es ist eben kein Selbstläufer ohne Risiko.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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