FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Nach der deutlichen Erholung in der Vorwoche sorgen neue Drohungen von Donald Trump im Iran-Krieg heute Morgen für Verunsicherung an den Börsen. Charttechniker warnen beim DAX derweil vor "langfristigen Bremsspuren".
7. April 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Auch gut fünf Wochen nach den ersten Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran ist der militärische Konflikt weiter das bestimmende Thema an den Börsen. "Die Teilnehmer des Finanzmarkts sind voll auf den Irankrieg fokussiert", bestätigt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Netfonds AG. Mit dem neuesten Ultimatum seitens der US-Regierung steuert der Krieg seiner Meinung nach "auf einen Kulminationspunkt bezüglich der Eskalation der letzten fünf Wochen zu".
Donald Trump drohte zu Wochenbeginn mit der vollständigen Zerstörung iranischer Kraftwerke und Brücken, wenn Teheran die Straße von Hormus nicht bis Dienstagabend (2 Uhr am Mittwochmorgen unserer Zeit) öffnet. "Das ganze Land könnte in einer Nacht ausgelöscht werden, und diese Nacht könnte morgen sein", erklärte der US-Präsident bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Der Iran sprach anschließend von "haltlosen Drohungen eines verwirrten US-Präsidenten, der in einer Sackgasse steckt".
US-Indizes mit Kurszuwächsen zum Wochenstart
Die guten Vorgaben aus den USA sind damit heute Morgen schon wieder verpufft. Die US-Indizes hatten am Ostermontag Kursgewinne verbucht und damit auch die Indikationen für den deutschen Aktienmarkt spürbar in die Höhe getrieben. Heute Morgen notiert der DAX (DE0008469008) mit rund 23.100 Punkten trotzdem leicht unterhalb seines Schlusstands von vergangenem Donnerstag (23.168 Punkte). In der verkürzten Vor-Osterwoche hatte der deutsche Leitindex dank zwischenzeitlich aufkeimender Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende 3,9 Prozent zulegen können. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) gewann 3,7 Prozent an Wert.
Für eine nachhaltige Markterholung gibt es laut Ralf Umlauf von der Helaba "keine Grundlage, solange der Krieg anhält und die Energiepreise auf ihrem hohen Niveau verharren". Der Öpreis der Sorte Brent notiert heute Morgen wieder etwas höher bei 111 US-Dollar. Die Strategen der Commerzbank halten bei neuen Eskalationen im Nahen Osten sogar "neue Spitzen" für möglich. Und selbst bei einer Beilegung des Konflikts könnten Schäden an Infrastruktur, niedrige Lagerbestände und längere Wiederanlaufzeiten den Öpreis in einer Größenordnung um 90 US-Dollar halten. Damit dürften sich auch die Aussichten auf die Weltwirtschaft weiter verschlechtern.
Die Inflation steigt bereits an
Schon jetzt sind die Effekte der höheren Energiepreise auf die Inflation sichtbar, wie Frank Klumpp von LBBW konstatiert. Die im März in Deutschland mit 2,7 Prozent deutlich gestiegenen Verbraucherpreise gelten als Vorbote dessen, was an schlechten Nachrichten in den kommenden Wochen auf die Finanzmärkte zukommen könnte. Haupttreiber des Inflationsanstiegs waren die deutlich gestiegenen Spritpreise. Die Volkswirte der Deka gehen auch deshalb davon aus, dass Finanzmarktanalysten ihre Sicht auf die Konjunktur nochmals nach unten anpassen werden.
Die LBBW erwartet trotzdem noch, dass die Folgen des Kriegs zumindest bis Mitte 2027 "ausgestanden" sind, wenn die ?-ffnung der Straße von Hormus bis Ende April erfolgt. Bei einem noch länger andauernden Konflikt droht nach Ansicht des Analysten allerdings eine echte Versorgungskrise und ein breit durchschlagender Inflationsschub. In diesem Szenario müssten die Notenbanken mit Zinsanhebungen gegenhalten, wodurch das Risiko einer Stagflation bestünde.
Noch kein "richtiger Sell-Off"
Was bedeutet das für die Aktienmärkte? Die Commerzbank betont, dass an den Börsen trotz hoher Abhängigkeit von den Nahost-Schlagzeilen bislang kein "Panikmodus" und kein "richtiger Sell-Off" zu sehen war. Gleichzeitig sei das kurzfristige Sentiment überverkauft, womit die Chancen auf schnelle Gegenbewegungen steigen, wenn sich die Perspektiven auf kurze Sicht aufhellen. Auch die LBBW hält die bisherigen Verluste - gemessen am drohenden Energieproblem - für "moderat", und verweist auf die größere DAX-Empfindlichkeit wegen der Energieabhängigkeit.
Die Helaba sieht den deutschen Aktienindex mittlerweile wieder im "fairen Bewertungsband", während der S&P 500 in den USA aus ihrer Sicht weiterhin hoch bewertet ist. Der Helaba-BEST-Indikator bewegt sich Richtung "Kaufzone", liefert aber noch kein Signal. Markus Reinwand von Helaba Research bemängelt aus charttechnischer Sicht zudem, dass der DAX immer noch "klar unter der wichtigen 200-Tage-Linie" liegt.
Ernüchternde Chartanalysen
Die technischen Analysten von HSBC haben das lange Osterwochenende genutzt, um für den DAX eine langfristige Betrachtung vorzunehmen. Die Ergebnisse fallen ernüchternd aus. Neben dem Bruch des seit Herbst 2022 laufenden Aufwärtstrends im Monatschart verweisen die Charttechniker auch auf neue Ausstiegssignale bei wichtigen Indikatoren, die zum Teil auf dem höchsten Niveau der Historie erfolgen. Zudem ist es beim monatlichen Heikin Ashi-Chart des DAX im März zu einem Farbwechsel gekommen. "Ein Phänomen, welches in der Vergangenheit regelmäßig einen Trendwechsel signalisiert hat", erklären die Analysten.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Dienstag, 07. April
14.30 Uhr. USA: Auftragseingänge langlebige Güter. Nach zuletzt unverändertem Auftragseingang erwarten Analysten für Februar wieder ein Plus. Die LBBW rechnet mit einem Anstieg um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, die Helaba sieht einen etwas stärkeren Zuwachs von 2,0 Prozent. Der Bericht gilt als Frühindikator dafür, ob US-Unternehmen bei Investitionsgütern wieder mehr bestellen.
Mittwoch, 08. April
20.00 Uhr. USA: Fed-Protokoll. Im Fokus steht, wie die Notenbanker die jüngsten Inflationsrisiken - auch vor dem Hintergrund höherer Energiepreise - bewerten und wie geschlossen das Gremium beim weiteren Zinskurs ist. Die Commerzbank erwartet daraus Hinweise, wie sich die unterschiedlichen Lager in der US-Notenbank positionieren.
Donnerstag, 09. April
14.30 Uhr. USA: Inflationsdaten zum privaten Konsum. Vor allem der Preisindex ohne Energie und Nahrungsmittel (Kernrate) steht stark im Fokus der US-Notenbank. Die LBBW erwartet hier für Februar eine Jahresrate von 3,1 Prozent und damit keine Entspannung gegenüber dem Vormonat. Damit würde der Preisdruck aus Sicht der Fed relativ hoch bleiben.
Freitag, 10. April
14.30 Uhr. USA: Inflationsdaten - Verbraucherpreise. Erwartet wird für März ein kräftiger Anstieg gegenüber dem Vormonat, vor allem wegen der deutlich höheren Energiepreise. Die Commerzbank rechnet mit einem Plus von 0,9 Prozent zum Vormonat und 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (nach zuletzt 2,4 Prozent). Ohne Energie und Nahrungsmittel (Kernrate) sehen die Analysten Zuwächse von 0,3 Prozent bzw. 2,7 Prozent. Die Deka geht im Energiebereich von einem besonders ausgeprägten Preisanstieg von gut 10 Prozent gegenüber dem Vormonat aus.
15.00 Uhr. USA: Verbrauchervertrauen der University of Michigan. Nach Einschätzung der LBBW dürfte sich die Stimmung im April weiter eintrüben und von 53,3 auf 51,5 Punkte sinken. Höhere Energiepreise gelten als Belastungsfaktor für die Konsumlaune; der Index wird deshalb auch als Signal für die kurzfristige Konsumdynamik beobachtet.
Von Thomas Koch, 7. April 2026, Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




