DJ PRESSESPIEGEL/Zinsen, Konjunktur, Kapitalmärkte, Branchen
Die wirtschaftsrelevanten Themen aus den Medien, zusammengestellt von Dow Jones Newswires.
NATO - Um den Schiffsverkehr im Persischen Golf zu sichern, erwägt die Nato, eine Marine-Mission in die Region zu schicken. Das erfuhr das Handelsblatt von europäischen Diplomaten in Brüssel. "Es spricht vieles dafür, das als Nato-Mission zu organisieren", hieß es in Nato-Kreisen. Zu den Vorteilen einer Nato-Mission gehöre, dass die Amerikaner in den Einsatz eingebunden wären. Zugleich würde das Bündnis den USA beweisen, dass es weiterhin wertvoll sei. Eine Idee wäre demnach, die Mission zunächst als "Koalition der Willigen" zu starten und dann auf dem Nato-Gipfel im Juli in Ankara in die Kommandostrukturen der Allianz zu überführen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte wollte sich noch am Mittwoch im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump treffen und dabei versuchen, den Streit unter den Bündnispartnern über den Irankrieg zu schlichten. Die mögliche Nato-Mission in der Straße von Hormus könnte der "Tribut" sein, der nötig sei, um Trump zu besänftigen, hieß es in Kreisen der Allianz. (Handelsblatt)
SPRITPREISE - Trotz der jüngsten Entspannung an den Ölmärkten werden die Spritpreise in Deutschland nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr auch in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben. "Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch", sagte Felbermayr im Interview mit Welt. Auch wenn sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhige, müsse sich "das gesamte System erst in ein neues Gleichgewicht bewegen". Schiffe seien umdirigiert worden, hinzu kämen Unsicherheiten bei Versicherungsprämien und den Transitgebühren für Fahrten durch die Straße von Hormus. "Selbst im besten Fall werden uns diese Verwerfungen noch Monate beschäftigen", sagte er. Für das Jahresende hält er einen Rohölpreis von rund 80 US-Dollar für plausibel. Staatliche Entlastungen der Privathaushalte und der Wirtschaft hält Felbermayr derzeit nicht für zwingend, rät der Politik aber, Instrumente für einen neuen Preisschub vorzubereiten. (Welt)
ENERGIEKRISE - Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, rechnet nicht damit, dass sich die energiepolitischen Folgen des Iran-Kriegs schnell lösen lassen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er, die Wiederaufnahme des Handels durch die Straße von Hormus sei zwar der wichtigste Weg, den Druck auf Energieversorgung und -preise sowie auf die Weltwirtschaft zu verringern, es werde aber Zeit brauchen, die stillgelegten Anlagen sicher wieder in Betrieb zu nehmen. "Auch die Tanker, die die Golfregion verlassen, benötigen Zeit, um ihre Zielmärkte zu erreichen. Für Südasien dauert dies nur wenige Tage, für weiter entfernte Märkte in Asien und Europa jedoch mehrere Wochen", fügte er hinzu. Sollte die Straße von Hormus nicht vollständig geöffnet sein, "kann Europa im April noch ohne große Probleme durchkommen. Aber ein paar Wochen danach wird es viel schwieriger vor allem bei Diesel und Kerosin". Er rechnet damit, dass es in dem Fall ab Mitte Mai zu Einschränkungen etwa im Flugverkehr kommen wird. (Süddeutsche Zeitung)
PENDLERPAUSCHALE - Angesichts der hohen Benzinpreise ist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) offen für eine spürbare Anhebung der Pendlerpauschale. Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf Kanzleramtskreise berichtet, ist aktuell eine Erhöhung der Pendlerpauschale von derzeit 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer im Gespräch. Die Entlastung werde dann im kommenden Jahr im Rahmen der Steuererklärungen bei den Bürgern ankommen. Außerdem sei Merz dafür, die Stromsteuer für alle zu senken. Eine Entscheidung darüber könnte bereits am Sonntag beim Treffen des Koalitionsausschuss fallen. Festhalten will der Bundeskanzler an der jüngst eingeführten Benzinpreisregel, wonach Tankstellen seit dem 1. April ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr anheben dürfen. (Bild)
ENTLASTUNGEN - Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut hat im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe geplante Entlastungsmaßnahmen wegen der hohen Energiepreise abgelehnt. Hohe Energiepreise seien zwar "ärgerlich", aber in erster Linie ein Preissignal, "das tatsächliche oder erwartete Knappheiten" anzeige und auf diese Weise zu sparsamem Verbrauch anrege. "Entlastungsmaßnahmen gleich welcher Art würden dies konterkarieren", sagte Ragnitz. Der Ökonom forderte die Politik dazu auf, "die Atempause dafür zu nutzen, das Preisgebaren von Mineralölkonzernen kartellrechtlich zu überprüfen". Auffällig sei ja, dass sich Kraftstoffpreise und Rohölpreise "deutlich voneinander entkoppelt" hätten. "Alle anderen Sofortmaßnahmen wären Populismus." (Funke Mediengruppe)
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April 09, 2026 00:20 ET (04:20 GMT)
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