DJ IWF/Georgieva: Verbrauch muss auf niedriges Ölangebot reagieren
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Weltwirtschaft wird nach Aussage der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, mit einem geringeren Ölangebot zurechtkommen müssen. In ihrer Rede zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank sagte sie, frühere Episoden wie in den 1970er Jahren oder zu Beginn dieses Jahrzehnts zeigten, dass Ölangebot und -nachfrage letzten Endes zu einem neuen Gleichgewicht finden würden. "Da es sich um einen klassischen negativen Angebotsschock handelt, ist eine Anpassung der Nachfrage unvermeidlich", sagte sie. Kurzfristig rechnet der IWF Georgieva zufolge mit niedrigeren Wachstumsraten und einer höheren Nachfrage ärmerer Länder nach den Leistungsbilanzhilfen der Organisation.
Die IWF-Chefin schilderte ihre Erwartungen so: "Das Angebot erholt sich und die Nachfrage passt sich an. Neue Kapazitäten gehen ans Netz. Die Energieeffizienz steigt. Als Beweis dient die Tatsache, dass die Welt seit den 1980er Jahren zunehmend weniger energieintensiv geworden ist, was den Schock abfedert. Erneuerbare Energien haben ihren Anteil erhöht, dennoch bleibt Öl unser wichtigster Brennstoff."
Vor welchen Angebotsproblemen die Wirtschaft steht, erläuterte Georgieva an zwei Beispielen. Das eine ist der Ras-Laffan-Komplex in Katar, der 93 Prozent des verflüssigten Erdgases (LNG) im Golf produziert, wovon etwa 80 Prozent in den asiatisch-pazifischen Raum gehen, und der nun unter schwerwiegenden Brennstoffengpässen leidet. "Ras Laffan ist seit dem 2. März geschlossen, wurde am 19. März direkt getroffen und es könnte drei bis fünf Jahre dauern, bis die volle Kapazität wiederhergestellt ist", sagte sie. Selbst im besten Fall werde es keine reibungslose und saubere Rückkehr zum Status quo ante geben.
Wachstum wird schwächer ausfallen
Als ein warnendes Beispiel für einen längerfristigen Angebotsschaden nannte Georgieva die Bab el-Mandeb-Straße am Roten Meer. Die durch diese Meerenge laufenden Schiffspassagen hätten sich nie ganz "von den verheerenden Unterbrechungen" dort (gemeint sind wahrscheinlich die Raketenangriffe der Huthis) erholt. Sie verharren bei etwa der Hälfte ihres Niveaus von 2023. Georgieva weiter: "Wir wissen nicht wirklich, was die Zukunft für die Durchfahrten durch die Straße von Hormus oder für die Erholung des regionalen Flugverkehrs bereithält. Was wir wissen, ist, dass das Wachstum schwächer ausfallen wird - selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist."
Nach ihrer Aussage hätte der IWF seine Wachstumsprognosen ohne den Iran-Krieg aufgrund starker Investitionen in KI und Technologie sowie günstiger Finanzierungsbedingungen angehoben. "Aber jetzt beinhaltet selbst unser hoffnungsvollstes Szenario eine Herabstufung des Wachstums", sagte sie. Gründe seien Infrastrukturschäden, Lieferunterbrechungen und Vertrauensverluste und andere Schäden.
Angesichts der Auswirkungen des Kriegs erwarte der IWF, dass die kurzfristige Nachfrage nach seinen Zahlungsbilanzhilfen auf einen Betrag zwischen 20 und 50 Milliarden Dollar steigen werde, wobei die untere Grenze für den Fall gelte, dass der Waffenstillstand halte.
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April 09, 2026 10:00 ET (14:00 GMT)
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