DJ MARKT-AUSBLICK/Iran-Krieg bleibt zentrales Thema - Start der Berichtssaison
DOW JONES--In der kommenden Woche werden die Aktienmärkte aller Voraussicht nach vor allem weiter im Bann der Entwicklung im Nahost-Konflikt stehen. Dazu startet in den USA die Quartalsberichtssaison und aus China werden Wachstumsdaten erwartet, die Impulse für die globale Konjunkturstimmung bringen könnten. Die Märkte bewegen sich ansonsten weiter im Spannungsfeld von Inflationssorgen und Befürchtungen von kommenden Zinserhöhungen zur Begegnung des Preisauftriebs vor dem Hintergrund des Energiepreisschocks durch den Krieg im Iran.
Viel dürfte davon abhängen, wie der Streit um die Straße von Hormus weitergeht, mithin, wie sich die Ölpreise entwickeln. Denn trotz des zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenstillstands ist die Straße von Hormus noch immer geschlossen. Der Iran weigert sich, diesen wichtigen Öltransportweg wieder zu öffnen, und fordert, dass Israel seine Angriffe im Libanon einstellt. Dazu ist unklar, ob der Iran bei einer Öffnung zukünftig Mautgebühren für die Durchfahrt erheben wird und wie die USA darauf reagieren. Viel hängt nun davon ab, wie die am Samstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnenden Verhandlungen zwischen Vertretern der USA und des Irans zur Beilegung des Konflikts verlaufen.
"Solange beide Seiten auf ihre Maximalforderungen bestehen, sieht es nicht gerade nach großer Entspannung aus", kommentiert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. "Weil eine schnelle Einigung eher unwahrscheinlich wirkt, dürften die Finanzmärkte volatil bleiben", erwartet er. "Der Druck auf die Trump-Administration ist allerdings allein schon wegen der Zwischenwahlen im Herbst immens hoch, den Krieg zu beenden."
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es derweil im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Der russische Präsident Putin hat eine 30-stündige Waffenruhe während des orthodoxen Osterfests angekündigt.
Die Folgen des Iran-Krieges für die Weltwirtschaft beschäftigen auch den Internationalen Währungsfonds, der am Dienstag seinen Weltwirtschaftsausblick veröffentlichen wird. Angesichts der Unsicherheit, die der Iran-Krieg mit sich bringt, wird der IWF mehrere Szenarien veröffentlichen, aber selbst im optimistischsten seine Wachstumsprognose für 2026 senken, wie IWF-Chefin Kristalina Georgieva ankündigte.
Am Donnerstag richten sich die Blicke auf China, von wo Daten zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal erwartet werden. Ökonomen rechnen laut Factset-Konsens damit, dass das Bruttoinlandsprodukt mit einer Jahresrate von 4,7 (Vorquartal: 4,6) Prozent gestiegen ist. Das offizielle Wachstumsziel der Regierung für 2026 liegt bei 4,5 bis 5 Prozent.
Ebenfalls am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank das Protokoll ihrer jüngsten Sitzung veröffentlichen. Es dürfte auf Hinweise darauf abgesucht werden, wie wahrscheinlich angesichts der Entwicklung im Nahen Osten eine Zinserhöhung im April wahrscheinlich ist. Das jüngste Basisszenario der Stabsprojektionen zu Wachstum und Inflation beruhte auf der Annahme, dass der Ölpreis in zweiten Quartal nicht höher als 90 Dollar liegen würde, was aus heutiger Sicht recht optimistisch scheint.
Unternehmensseitig beginnt die Berichtssaison zum ersten Quartal, in den USA wie üblich vor allem mit Zahlen großer Banken. Den Anfang macht am Montag Goldman Sachs, gefolgt von JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo am Dienstag sowie Morgan Stanley und Bank of America am Donnerstag. Die Zahlen werden zeigen, ob die hohen Zinsen weiterhin die Nettozinseinkommen sprudeln lassen oder ob steigende Kreditausfälle die Gewinne drücken.
Am Donnerstag wird der Streamingdienst Netflix über den Verlauf des ersten Quartals berichten. Anleger werden besonders darauf blicken, was Netflix mit dem Liquiditätsschub aus dem Bieterwettstreit um Warner Bros. Discovery plant. Nach dem Netflix-Rückzug aus dem bereits vereinbarten knapp 83-Milliarden-Dollar-Deal übernimmt Paramount Skydance nun Warner, womit eine Entschädigung über 2,8 Milliarden Dollar fällig wird.
Prominentere Adressen aus Europa sind in der kommenden Woche ASML, Kering und Hermes. Allerdings dürften nicht nur offiziell präsentierte Zahlen für Kursbewegungen gut sein, sondern auch Erkenntnisse aus sogenannten Pre-Close Calls. Dabei gewähren Unternehmen Analysten mehr oder weniger grobe Einblicke in die Zahlen, die sie in Kürze veröffentlichen werden. Weil diese Veranstaltungen terminlich nicht immer transparent stattfinden, sollten sich die Akteure während der Berichtsaison wie üblich auf Überraschungen gefasst machen.
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