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Auch Adidas war in den vergangenen Wochen von empfindlichen Kursverlusten betroffen, doch erste Entspannungssignale machen Anlegerinnen und Anlegern jetzt Mut.
Adidas-Aktie: Die Bewertung stimmt, aber niemand will zugreifen
Trotz einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung und einer operativen Outperformance im Vergleich zum Rest der Branche, allen voran Erzrivale Nike, kommt die Adidas-Aktie nicht in Tritt. Seit mehr als einem Jahr bestimmt ein hartnäckiger Abwärtstrend das Kursgeschehen. Sämtliche Bodenbildungsversuche liefen bislang ins Leere und waren nur von kurzer Dauer. Das hat zu einer Halbierung der Anteile geführt.
Die Unternehmensbewertung ist durch die anhaltenden Kursverluste äußerst attraktiv geworden. Für 2026 ist Adidas mit dem 14,6-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet, für 2027 liegt das KGV bei günstigen 11,8. Auch das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) liegt mit 0,6 und 0,5 deutlich unter der Schwelle von 1, die in der Fundamentalanalyse als äußerst günstig gilt. Dazu bietet Adidas eine attraktive Dividendenrendite von 2,7 Prozent.

Fundamental sind die Weichen für eine nachhaltige Kurserholung also gestellt, doch wie sieht es angesichts des Abwärtstrends der Aktie aus charttechnischer Perspektive aus?

Der Chart ist auf den ersten Blick nichts für schwache Nerven ...
Das Chartbild ist gegenwärtig genauso schlecht, wie es eine Halbierung erwarten lässt. Die Aktie notiert in einem Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 30 Euro. Außerdem liegt der Kurs unterhalb beiden Durchschnittslinien, die außerdem wie die Aktie selbst nach unten zeigen. Das zeigt, dass der Abwärtstrend mittel- und langfristig und die Hürde für eine dauerhafte Trendwende dementsprechend hoch ist.
Im Februar war es zu einem Anstiegsversuch über die 50-Tage-Linie und damit einem möglichen Ausbruch aus dem Abwärtstrend gekommen. Dieser wurde jedoch durch den Beginn des Iran-Krieges vereitelt, der stattdessen für neue Mehrjahrestiefs und damit technische Verkaufssignale sorgte.
Diese konnten sich aber nur begrenzt durchsetzen. Im Bereich von 130 bis 140 Euro ist es kurzfristig zu einer U-förmigen Bodenbildung gekommen. Diese könnte nun als Ausgangspunkt für eine Erholung der Aktie dienen.
... doch auf den zweiten gibt es durchaus Mutmacher!
Unter der Oberfläche des Kursverlaufs hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Die Adidas-Aktie handelt mit ausgeprägten bullishen Divergenzen sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im Trendstärkeindikator MACD. Die lange Dauer dieser Divergenzen macht eine Trendwende immer wahrscheinlicher, auch wenn noch etwas Verbesserungspotenzial besteht.
Während der RSI in den vergangenen Tagen über 50 Punkte klettert ist und damit ersten Rückenwind anzeigt, ist dem MACD bislang "nur" ein Entspannungssignal gelungen. Er liegt zwar noch unter der Nulllinie und zeigt damit weiter einen intakten Abwärtstrend der Aktie an, konnte sich zuletzt aber über die Signallinie verbessern und damit seinen eigenen Aufwärtstrend verteidigen. Das deutet daraufhin, dass der übergeordnete Abwärtstrend weiter an Dynamik verlieren dürfte, was eine erfolgreiche Bodenbildung immer wahrscheinlicher macht - und damit auch eine nachhaltige Erholung.
Um dieses Setup nicht zu gefährden, sollte Adidas nicht unter die jüngsten Tiefs fallen. Andernfalls müsste mit Verlusten bis an die Abwärtstrendunterkante gerechnet werden, was mit neuen Verkaufssignalen einherginge. Zur Oberseite lägen erste prozyklische Kaufsignale jenseits der 50-Tage-Linie sowie der Abwärtstrendoberkante vor. Mit einer Beschleunigung der Kursdynamik darf jedoch erst oberhalb von 160 Euro sowie der 200-Tage-Linie gerechnet werden, welche langfristige Trends bestimmt.
Fazit: Aussichtsreiches Setup für Antizykliker
Während die Unternehmensbewertung von Adidas so attraktiv ist wie lange nicht, belastet ein hartnäckiger Abwärtstrend die Kursentwicklung. Doch die Entspannungssignale mehren sich, womit eine Erholung immer wahrscheinlicher wird. Da die Aktie zuletzt einen lokalen Boden gefunden hat, könnte eine Gegenbewegung schon in den kommenden Tagen starten.
Hierfür liegt vor dem Wochenende sogar ein tagesaktueller Katalysator vor. Am Freitagmorgen hat die US-Großbank Citigroup ihre Kaufempfehlung für die Aktie bekräftigt. Lead-Analystin Monique Pollard gilt laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Expertinnen und -Experten TipRanks als überdurchschnittlich zuverlässig.
Sie sieht in der bevorstehenden Fußball-WM sowie einem höheren Absatz bei Laufschuhen unterschätzte Katalysatoren. Die Anteile legten darauf rund 1 Prozent zu und belegten einen der Spitzenplätze im deutschen Leitindex DAX. Antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger können im Vertrauen auf die günstige Bewertung und die bullishen Divergenzen zugreifen und der Kaufempfehlung der Citigroup folgen.
Gastautor: Max Gross

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