Wien (www.anleihencheck.de) - Der Militärschlag gegen den Iran könnte einen zuvor schwelenden Konflikt in eine aktive Dauerbedrohung verwandelt haben, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management.Die deutlich erhöhte Risikoprämie beim Rohölpreis sei wohl gekommen, um zu bleiben, wenn die Konsequenz des Ende Februar begonnenen Krieges letztlich ein weitgehender Kontrollverlust in der für die Weltwirtschaft so sensiblen Region sei. Mit der Dauer des Militäreinsatzes und mit jedem gefallenen US-Soldaten erhöhe sich für die Administration der Druck und die innenpolitische Kritik, zumal die Umfragen in den USA von Beginn an mehrheitlich gegen diesen Krieg ausgefallen seien. Und mit jedem Kriegstag würden sich auch die Kosten für den Militäreinsatz erhöhen und den ohnehin schon stark überzogenen Staatshaushalt belasten. Darüber hinaus hätten auch an den US-Tankstellen die Spritpreise merklich angezogen und die Sensitivität der Amerikaner hierfür sei nicht zu unterschätzen. Die Versorgungssicherheit der USA sei hingegen infolge der de facto Energie-Autonomie im Gegensatz zu anderen Weltregionen kein Thema. Höhere Treibstoffpreise würden nicht nur auf die für die US-Wirtschaft so wichtige Konsumstimmung und auf die Gewinnmargen in vielen Sektoren drücken, sondern auch die Effekte aus den erlassenen Steuererleichterungen dezimieren. Je länger der Krieg andauere und die negativen Folgen auch in den USA spürbar seien, desto eher werde dies auch Auswirkung auf den Ausgang der Zwischenwahlen im November haben. Global gesehen belastete der Krieg die US-Partnerschaft mit den Verbündeten in der Region, zumal die Golfstaaten deutlich stärker und direkter getroffen würden als vermutlich erwartet. Dies einerseits infolge der zahlreichen iranischen Vergeltungsschläge und andererseits über die beträchtlichen ökonomischen Effekte durch die stark eingeschränkten Energie-Exporte, wie auch die Belastungen für die lokale Logistik bzw. Flugdrehscheiben und den Tourismus. Darüber hinaus seien neben Europa auch viele asiatische Länder empfindlich beeinträchtigt, die in hohem Maße von Ölimporten aus der Nahostregion abhängig seien. Nicht zu unterschätzen seien auch die Engpässe bei Düngemitteln, deren Exporte zu einem Gutteil ebenfalls durch die Straße von Hormus führen würden und diverse Zweitrundeneffekte, die sich über die hohen Öl- und Gaspreise ergäben. So könne es nicht verwundern, wenn das Stagflationsgespenst wieder umgehe und die Konstellation aus wirtschaftlicher Stagnation bei gleichzeitig erhöhter Inflation den Kapitalmarkt belaste. ...Den vollständigen Artikel lesen ...
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